Gesundheitsminister wollen Stand-by-Impfzentren reaktivieren

  • Seit Tagen läuft eine Debatte über die schleppend verlaufenen Booster-Impfungen.
  • Ende der Woche wollen die Gesundheitsminister von Bund und Ländern darüber beraten. Die Beschlussvorlage sickerte bereits durch.
  • Danach sollen nicht nur Impfzentren wieder eröffnet werden, sondern die über 60-Jährigen auch über das Angebot schriftlich informiert werden.
|
Anzeige
Anzeige

Berlin. Als Konsequenz aus dem schleppenden Verlauf der Auffrischimpfungen sollen bundesweit Impfzentren reaktiviert, wieder mehr mobile Impfteams eingesetzt und die besonders gefährdeten Altersgruppen schriftlich über das Angebot von Booster-Impfungen informiert werden. Das geht aus der Beschlussvorlage für die Konferenz der Gesundheitsminister von Bund und Ländern hervor, die ab Donnerstag geplant ist.

Zudem sollen Besuche in Pflegeheimen nur noch mit einem negativen Testergebnis möglich sein, unabhängig vom Impfstatus. Das Pflegepersonal muss sich danach mindestens zwei Mal wöchentlich testen lassen, ebenfalls unabhängig von einer Impfung. „Der Schutz der älteren Menschen und hier besonders der Menschen, die in Alten- und Pflegeheimen leben, muss weiter Priorität haben“, heißt es in dem Entwurf, der dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) vorliegt.

Hauptstadt Radar Der RND-Newsletter mit dem 360-Grad-Blick auf die Politik. Immer dienstags, donnerstags und samstags.
Anzeige

Booster-Impfung für alle

Trotz der Kritik von Ärzteverbänden und im Widerspruch zur Empfehlung der Ständigen Impfkommission (Stiko) wollen die Gesundheitsminister zudem Auffrischimpfungen allen Altersgruppen ab zwölf Jahren anbieten, bei denen die erste Impfserie sechs Monate zurückliegt. Die Stiko empfiehlt dagegen eine Booster-Impfung erst für alle über 70-Jährigen.

Die Abweichung von der Stiko-Empfehlung sorgte erneut für Ärger bei den Ärzten. Der Vorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, Andreas Gassen, sagte am Dienstag bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Stiko-Chef Thomas Mertens, die Politik sei gut beraten, den Empfehlungen der unabhängigen Stiko zu folgen und nicht aus irgendeiner „Bauchevidenz“ die Menschen zu verwirren.

Mertens verteidigt die Haltung der Stiko. Bei den unter 70-Jährigen lasse zwar auch die Immunität schrittweise nach, der Schutz vor schweren Erkrankungen sei aber weiterhin hoch genug. Ob die Stiko in den kommenden Wochen für weitere Altersgruppen eine Booster-Empfehlung aussprechen wird, ließ Mertens offen. Er zeigte sich in dieser Frage aber erkennbar zurückhaltend.

Gassen räumte ein, dass das Tempo bei den Auffrischimpfungen in den Praxen nicht hoch genug ist. Erst zwei der rund 6,2 Millionen über 70-Jährigen, bei denen die erste Impfserie mehr als sechs Monate zurückliege, seien geboostert. „Da müssen wir noch nachlegen“, so Gassen. Er versicherte aber, die Haus- und Facharztpraxen würden es schaffen, die insgesamt rund 15 Millionen Menschen in dieser Altersgruppe bis zum Jahresende zu impfen – auch ohne eine Wiedereröffnung von Impfzentren.

  • Laden Sie jetzt die RND-App herunter, aktivieren Sie Updates und wir benachrichtigen Sie laufend bei neuen Entwicklungen.

    Hier herunterladen