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Gesundheitsexperten schlagen Punktesystem für ältere Menschen vor

  • Bisher gibt es kaum Konzepte, wie Risikogruppen bei einer weiteren Lockerung der Corona-Beschränkungen geschützt werden sollen.
  • Eine Gruppe von Gesundheitsexperten legt nun einen Vorschlag vor.
  • Es gehe nicht um den Ausschluss vom öffentlichen Leben, versichern die Autoren.
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Berlin. Eine Gruppe namhafter Gesundheitsexperten hat einen Vorschlag vorgelegt, wie besonders gefährdete Bevölkerungsgruppen bei einer weiteren Lockerung der Corona-Beschränkungen vor einer Ansteckung geschützt werden können. In einem gemeinsamen Thesenpapier regen die Autoren an, die Betroffenen durch ein Punktesystem, das mehrere Kriterien umfasst, in verschiedene Risikoklassen einzuteilen.

Für die unterschiedlichen Gruppen sollen dann angepasste Schutzkonzepte entwickelt und umgesetzt werden. “Es geht um den besonderen Schutz der Risikogruppen und keinesfalls deren Ausschluss aus dem öffentlichen Leben“, heißt es in dem Papier, das unter anderem von dem Gesundheitsökonom Gerd Glaeske und dem Chef des Betriebskrankenkassen-Verbandes, Franz Knieps, verfasst wurde.

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Für das Punktesystem schlagen die Experten mehrere Kriterien mit unterschiedlicher Gewichtung vor: Je höher die Punktzahl, desto größer muss der Schutz sein. “Für die Risikogruppen muss aus dem daran geknüpften Vorgehen ein Vorteil erwachsen, zum Beispiel durch bevorzugte und geschützte Nutzung des öffentlichen Raumes oder durch besondere Unterstützung bei der Pflege“, argumentieren die Gesundheitsexperten.

Punkte nicht nur für das Alter

Konkret soll es Punkte für das Alter geben (älter als 80 drei, 70-80 zwei, 60-70 ein Punkt), für die Zahl der zusätzlichen Krankheiten (mehr als drei Erkrankungen drei Punkte usw.), für das Ansteckungsrisiko in Gesundheitseinrichtungen (dauerhafter Aufenthalt in Pflegeheim, Klinik oder häusliche Pflege zwei Punkte, einmaliger Aufenthalt ein Punkt) und für das generelle Ansteckungsrisiko (Experten sprechen von Zugehörigkeit zu Clustern, etwa Kontakte im Haushalt: ein Punkt).

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“In der Konsequenz kämen Bewohner von Pflegeheimen mit einem Alter von 80 Jahren und drei Begleiterkrankungen auf die meisten Punkte (8-9)“, schreiben die Autoren. Personen im Alter von 70–80 Jahren mit zwei Nebenerkrankungen, die sich zu Hause selbst versorgten und keinen Kontakt zu anderen Gruppen hätten, kämen beispielsweise auf vier Punkte. „Die erste Gruppe muss in der Pflegeeinrichtung optimal versorgt werden, und die zweite Gruppe sollte optimale Unterstützung erhalten bei Arztbesuchen, beim Einkaufen etc.“, so die Experten.

“Ungewohnt und fremdartig”

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Geschäfte und Supermärkte könnten verpflichtend für die zweite Gruppe besondere Einkaufszeiten vorsehen, wird in dem Papier angeregt. Generell sollte der Besuch zum Beispiel von Enkelkindern durch den kostenlosen Zugang zu Schnelltests erleichtert werden. Personen über 60 Jahre ohne oder mit einer Vorerkrankung könnten sich nach dem Vorschlag der Experten frei bewegen.

“Die Autorengruppe ist sich klar darüber, dass diese Vorschläge ungewohnt und fremdartig erscheinen“, heißt es weiter. Wichtig sei jedoch, dass sie auf “Förderung und nicht auf Einschränkung abzielen“, so die Gesundheitsexperten in ihrem Papier.

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