Gesundheit: Digitalisierung muss Patienten nützen

  • Der Bundestag hat an diesem Donnerstag das Digitale-Versorgungs-Gesetz beschlossen.
  • Es ermöglicht Apps aus Rezept, Videosprechstunden und Big-Data-Forschung mit Versichertendaten.
  • Dabei ist wichtig, die Verunsicherung vieler Patienten ernst zu nehmen, kommentiert Rasmus Buchsteiner.
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Jahrzehntelang herrschte in Deutschlands Gesundheitssystem digitaler Stillstand. Mit dem Digitale-Versorgungs-Gesetz beginnt endlich der Aufbruch in eine neue Ära. Apps, die chronisch Kranken oder Schwangeren helfen, Videosprechstunden, die im ländlichen Raum zu Versorgungsverbesserungen führen können, dazu das elektronische Rezept, die elektronische Patientenakte und medizinische Innovationen auf Big-Data-Grundlage – das alles klingt verheißungsvoll.

Langsam tastet man sich vor. Doch manchen verunsichert die Dimension der absehbaren Veränderungen auch. Wird es die freie Arztwahl auch bei fortschreitender Digitalisierung noch geben? Werden Videosprechstunden irgendwann zum Normalfall, reguläre Praxisöffnungszeiten zurückgefahren? Was passiert mit meinen Daten? Die Dynamik ist riesig. So riesig, dass niedergelassene Ärzte, Kassen oder Apotheken nicht mehr sicher sein können, dass sie ihre gewohnte Rolle im Gesundheitssystem behalten.

„Kein Selbstzweck“

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Digitalisierung, da hat Gesundheitsminister Jens Spahn recht, darf kein Selbstzweck werden. Digital muss auch besser sein. Wichtig ist es bei alledem, die Patienten mitzunehmen, ihnen die Vorteile digitaler Lösungen zu erklären und konsequent gegen Missbrauch sensibler Informationen vorzugehen. Datenlecks und Skandale der jüngeren Vergangenheit haben selbst Wohlwollende und Aufgeschlossene aufgeschreckt.

Dadurch erklärt sich auch die Aufregung darüber, dass nun Abrechnungsdaten ohne Einwilligung für die Forschung bereitgestellt werden. Der Sturm des Protests steht jedoch in krassem Widerspruch zur Gedankenlosigkeit, mit denen viele via Apps und Armbänder, die der Fitness dienen, ihre eigenen Daten Tag für Tag an Tech-Riesen weiterreichen. Die digitale Revolution im Gesundheitssystem wird noch viele Gesetze erfordern. Der Staat muss nicht nur für Datensicherheit sorgen, sondern auch dafür, dass die Kassen nicht für App-Spielereien ohne jeden medizinischen Nutzen zahlen müssen.