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Verbraucherschützer fordern Gesetz für gesunde Kinderlebensmittel

  • Vor drei Jahren beschloss das Bundeskabinett eine Reduktionsstrategie für ungesunde Mengen an Zutaten in Fertigprodukten.
  • Bundesernährungsministerin Julia Klöckner (CDU) verkündete jetzt erste Erfolge.
  • Doch Verbraucherschützer bemängeln, dass die Industrie nicht zur Verringerung gesundheitsschädigender Stoffe verpflichtet wird.
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Berlin. Deutsche Verbraucherschützer reagieren skeptisch auf die von Bundesernährungsministerin Julia Klöckner (CDU) am Mittwoch verkündeten Erfolge ihrer Reduktionsstrategie für Zucker, Fett und Salz in Fertigprodukten.

„Übergewicht, Diabetes und andere ernährungsmitbedingte Krankheiten nehmen weiter zu“, sagte der Chef des Verbraucherzentrale Bundesverbands (VZBV), Klaus Müller, dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) am Mittwoch. „Fortschritt im Schneckentempo bei der Zucker-, Salz- und Fettreduktion in einzelnen Produktgruppen reicht deshalb nicht und wird auch nicht automatisch dazu führen, dass sich Verbraucherinnen und Verbraucher gesünder ernähren.“

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Der Verbandschef kritisiert, dass eine Informationsplattform fehle, über die die Öffentlichkeit und Verbraucher transparent nachvollziehen können, welche Produkte konkret verändert worden wären und wie die Branchen bei der Reduktion von Zucker, Salz und Fett vorgehen würden.

Keine zielgerichtete Steuerung

„Es bleibt weiterhin unklar, welche Unternehmen ambitionierter vorangehen und welche Produkte reformuliert werden“, so Müller. „Damit kann auch nicht zielgerichtet nachgesteuert werden, es bleibt völlig unklar, ob die Strategie mit Blick auf die Lebensrealität der Verbraucher wirklich erfolgreich ist.“

Aus Sicht des VZBV muss sichergestellt werden, dass alle Lebensmittelhersteller und deren Produkte an der Reduktionsstrategie teilnehmen. Nur so kann das Lebensmittelangebot flächendeckend und langfristig verbessert werden.

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„Freiwillige Reduktionsmaßnahmen vor allem für den Bereich Lebensmittel mit Kinderoptik reichen nicht aus“, kritisiert VZBV-Chef Müller. „Bei dieser Produktgruppe besteht dringender und besonderer Handlungsbedarf.“

Gesetz für gesunde Kinderlebensmittel

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Er verweist darauf, dass zum Beispiel Müsliriegel mit Kinderoptik immer noch die höchsten Zuckergehalte aller Müsliriegel aufwiesen – auch nach mehreren Jahren Reduktionsstrategie. „Für Lebensmittel mit Kinderoptik braucht es schnellere Erfolge und strengere gesetzliche Regelungen. Der Zucker-, Salz- und Fettgehalt von Lebensmitteln mit Kinderoptik darf nicht weiter in Trippelschrittchen reduziert werden, es braucht umgehend ein Gesetz für gesunde Kinderlebensmittel.“

Klöckner hatte zuvor Ergebnisse eines Monitorings des bundeseigenen Max-Rubner-Instituts (MRI) für Ernährung und Lebensmittel vorgestellt. Demnach wurde im Vergleich zur Basiserhebung 2016 der Salzgehalt in Brot und Kleingebäck um bis zu 8,3 Prozent reduziert.

Auch in Wurst- und Fleischwaren wurden deutliche Minderungen des Salzgehalts festgestellt, so MRI-Präsident Pablo Steinberg. Dies sei jedoch eine große Herausforderung für die Branche, da Salz hier ja auch der Konservierung diene. Klöckner bezeichnete die Ergebnisse in diesem Bereich als „durchwachsen“, es sei noch „viel Luft nach oben“.

Basisdaten für „Quetschprodukte“

In Riegeln wurde von 5,9 Prozent (Fruchtschnitten) bis 15,8 Prozent (Nuss-/Kernriegel) weniger Zucker ermittelt als ein Jahr zuvor.

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Erstmals erhob das MRI Basisdaten für die Untersuchungen von sogenannten Quetschprodukten, also pürierter Nahrung aus zumeist Kunststoffverpackungen für Kinder. Sie weisen mit durchschnittlich 10,4 Gramm Zucker pro 100 Gramm ähnliche Zuckergehalte auf wie Fruchtsäfte.

Klöckner kritisierte, dass gut 10 Prozent der untersuchten Quetschprodukte zugesetzten Zucker in Form von Haushalts- oder Traubenzucker oder Agavensirup sowie Süßmolkenpulver enthalten hätten. „Das hat dort nichts zu suchen, weil sich die Produkte ausschließlich an Kinder richten. Ich bin deshalb in diesem Bereich für ein Verbot von Zuckerzusatz.“ Klöckner sieht dafür auf EU-Ebene Erfolgsaussichten.

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Die CDU-Politikerin setzt in Zukunft auf ein „engmaschiges Netz von Erfolgskontrollen“. Man entlasse niemanden aus seiner Verantwortung. Wenn freiwillige Vereinbarungen wie bislang am Ende nicht zum Ziel dauerhafter Reduzierungen von Nährstoffen wie Salz, Zucker und Fett führten, „müssen wir anders agieren“.

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