Gesetzentwurf: Stasi-Akten sollen zugänglich bleiben

  • Dass die Stasi-Unterlagen ins Bundesarchiv überführt werden sollen, hat der Bundestag bereits entschieden.
  • Jetzt liegt ein Gesetzentwurf vor, der die Einzelheiten regelt.
  • Im Frühjahr 2021 gehen in der Stasi-Unterlagenbehörde die Lichter aus.
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Berlin. Die Stasi-Unterlagen sollen auch im Bundesarchiv für Bürger uneingeschränkt zugänglich bleiben. Das geht nach Informationen des Redaktions­Netzwerks Deutschland (RND) aus dem Entwurf eines Gesetzes zur Änderung des Bundesarchiv­gesetzes, des Stasi-Unterlagen-Gesetzes und zur Einrichtung einer oder eines SED-Opferbeauftragten hervor, den CDU/CSU, SPD, FDP und Grüne unterstützen.

„Für die dauerhafte Sicherung der Stasi-Unterlagen sind angesichts des weiteren Zeitablaufs nun nachhaltige Strukturen zu schaffen“, heißt es in dem Entwurf. „Künftig werden daher Kompetenz und langjährige Erfahrung des Stasi-Unterlagen-Archivs und des Bundesarchivs zusammengeführt und die Stasi-Unterlagen in die Verantwortung des Bundesarchivs eingegliedert.“

Die besondere Sensibilität der Stasi-Unterlagen als Aktenbestände der Geheimpolizei einer Diktatur werde dabei weiterhin in besonderer Weise berücksichtigt, indem das Stasi-Unterlagen-Gesetz mit den besonderen Zugangs­regelungen für die Stasi-Unterlagen auch künftig anwendbar bleibe.

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Darüber hinaus bestehe das Bedürfnis fort, ein besonderes Augenmerk auf die Belange der Opfer des SED-Unrechts zu richten, heißt es weiter. Dies habe unter anderem die gesellschaftliche Diskussion anlässlich des 30-jährigen Jubiläums der friedlichen Revolution und des Mauerfalls gezeigt.

Die Situation der Opfer des SED-Unrechts solle daher durch die Schaffung einer besonderen Ombudsperson gestärkt werden. „Das Amt des Bundesbeauftragten wird insoweit weiterentwickelt zum Amt einer oder eines Bundesbeauftragten für die Opfer der SED-Diktatur beim Deutschen Bundestag.“

Der Beauftragte soll laut Entwurf „ein Hilfsorgan des Parlaments“ sein und dort seinen Sitz haben. Seine zentrale Aufgabe soll darin bestehen, „für die Anliegen der Opfer der SED-Diktatur und der kommunistischen Herrschaft in der Sowjetischen Besatzungszone in Deutschland und in der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik in Politik und Öffentlichkeit zu wirken und zur Würdigung der Opfer des Kommunismus in Deutschland beizutragen“. Dazu gehöre die jährliche Erstattung eines Gesamtberichts und die Kooperation mit den Opferverbänden.

Die Vorsitzende des Bundestags-Kulturausschusses, Katrin Budde (SPD), sagte dem RND: „Ich freue mich, dass wir nach einem so langen und intensiven Prozess nun einen geeinten Gesetzentwurf vorliegen haben. Die vielen Gespräche mit Opferverbänden, Landes­beauftragten und allen weiteren Akteuren haben den Gesetzentwurf, der aus der Mitte des Parlaments kommt, möglich gemacht.“

Die Stasi-Unterlagen würden weiter regional in den Ländern zugänglich sein. Durch die Einrichtung einer oder eines Opferbeauftragten beim Deutschen Bundestag werde dessen „größtmögliche Unabhängigkeit garantiert“.

Der Bundestag hat den Grundsatz­beschluss zur Auflösung der Stasi-Unterlagenbehörde im Frühjahr 2021 bereits gefällt. Der Gesetzentwurf regelt jetzt die Einzelheiten.

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