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Corona

Geimpft, genesen oder gestorben – haben Lauterbach und Spahn recht behalten?

Jens Spahn und Karl Lauterbach (Archivfoto)

Berlin.Ende Oktober 2021 traf der heutige Gesundheitsminister Karl Lauterbach eine Aussage, die insbesondere bei Impfgegnern für Empörung sorgte. Nachdem die vor der Amtseinführung stehende Ampelkoalition sich darauf festgelegt hatte, fast alle Corona-Schutzmaßnahmen zum Frühlingsanfang am 20. März 2022 auslaufen zu lassen, sagte der SPD-Politiker: „Klar ist aber, dass die meisten Ungeimpften von heute bis dahin entweder geimpft, genesen oder leider verstorben sind, denn das Infektionsgeschehen mit schweren Verläufen betrifft vor allem Impfverweigerer.“

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Vier Wochen später nutzte auch der damals amtierende Gesundheitsminister Jens Spahn eine ähnliche Formulierung: „Wahrscheinlich wird am Ende dieses Winters so ziemlich jeder in Deutschland geimpft, genesen oder gestorben sein“, so der CDU-Politiker Spahn. Immunität werde immer erreicht – entweder durch Infektion oder Impfung, fügte Spahn hinzu. „Wir empfehlen die Impfung.“

Jetzt ist März – und die „Querdenker“-Szene erinnert insbesondere an die Aussage des jetzigen Gesundheitsministers, um ihm erneut das Verbreiten von Lügen vorzuwerfen. Unter dem Twitter-Hashtag #Lauterbachluegt brüsten sich User, der „lebende Beweis“ für die Berechtigung des Vorwurfs zu sein: Bisher weder geimpft noch genesen oder gestorben.

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Abgesehen davon, dass Lauterbach (und auch Spahn) nicht von Anfang März gesprochen hatten, handelt es sich in beiden Fällen nicht um wissenschaftliche Aussagen, sondern um politische Botschaften, mit denen beide auf die Dringlichkeit von Impfungen aufmerksam machen wollten. Korrekt ist dennoch, dass seit den Äußerungen Tausende Menschen im Zusammenhang mit dem Virus gestorben sind und es Millionen Neuinfektionen gab. Allein am 1. März meldete das Robert-Koch-Institut (RKI) 235 weitere Todesfälle und 122.111 neue Infektionen.

Da die Gesundheitsämter mit der Nachverfolgung nicht mehr hinterherkommen, dürfte die tatsächliche Infektionszahl zudem deutlich über den offiziellen Werten liegen. So schätzt beispielsweise Kassenärztechef Andreas Gassen, dass zu den gemeldeten Zahlen eine Dunkelziffer in „mindestens ähnlicher Höhe“ hinzukommt.

Aussage getroffen, als Delta noch die beherrschende Variante war

In vielen Fällen wissen die Betroffenen gar nicht, dass sie sich infiziert haben, weil die Verläufe extrem mild waren. Es ist jedenfalls unbestreitbar, dass die Omikron-Variante seit Wochen fast ungebremst durch die Bevölkerung rauscht.

Zu beachten ist außerdem, dass Lauterbach seine Aussage traf, als die Delta-Variante, die im Gegensatz zur Omikron-Variante zu schwereren Krankheitsverläufen führt, noch die vorherrschende Variante war.

Corona-Pandemie: Bundesregierung verpasst Impfziel bei Erstgeimpften

Bis Ende Januar wollte die Bundesregierung 80 Prozent der Bevölkerung mindestens einmal gegen das Coronavirus impfen. Dieses Ziel hat sie nun verfehlt.

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Richtig ist allerdings, dass die Erwartung des Ministers, dass es gelingen kann, die Impfquote in Deutschland noch signifikant zu erhöhen, bisher nicht erfüllt hat. Die Ampelkoalition musste einräumen, dass das selbst gesteckte Ziel, bis Ende Januar eine Erstgeimpftenquote von 80 Prozent zu erreichen, verfehlt wurde.

Derzeit haben erst 75,4 Prozent der Gesamtbevölkerung zwei Impfungen bekommen. Nach wie vor ungeimpft sind 79 Prozent (rund 4,2 Millionen Menschen) der Fünf- bis Elfjährigen, 35 Prozent (rund 1,6 Millionen Menschen) der Zwölf- bis 17-Jährigen und 17,1 Prozent (rund 7,7 Millionen) in der Altersgruppe von 18 bis 59 Jahren. In der Altersgruppe ab 60 Jahren sind hochgerechnet 9,4 Prozent (rund 2,3 Mio. Menschen) noch nicht immunisiert.

Wie hilfreich die Impfung ist, zeigt sich auch bei der Omikron-Variante: Laut dem letzten Wochenbericht des RKI ist der Anteil Ungeimpfter an den auf den Intensivstationen behandelten Corona-Patienten und an den Todesfällen etwa um den Faktor 4 höher als der der Geimpften. Das Risiko, dass eine Corona-Infektion ernste Folgen hat, ist bei Ungeimpften also nach wie vor deutlich höher als bei Geimpften.

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