Gegen Hass hilft auch kein Iron Dome

  • Die Terrorgruppe Hamas feuert Raketensalve um Raketensalve auf Israel.
  • Der Konflikt scheint weiter zu eskalieren.
  • Doch das Grundübel droht nicht aus der Luft.
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Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,

haben Sie sich je mit der Frage beschäftigen müssen, sich einen Sicherheitsraum zuzulegen? Wahrscheinlich nicht. In Deutschland werden solche Menschen eher als realitätsferne Prepper angesehen. In Israel ist das keine utopische, sondern eine existenzielle Frage. Und sie ist aktueller denn je.

Was mit der angedrohten Zwangsräumung von neun palästinensischen Familien in Ostjerusalem begann, hat sich zur größten Gewalteskalation im Nahen Osten seit dem Gazakrieg 2014 ausgeweitet. Seit Montag feuert die radikalislamische Terrororganisation Hamas Raketen auf Israel. In Salven, um das hochmoderne israelische Abwehrsystem Iron Dome zu überlasten. Israel wehrt sich mit Vergeltungsschlägen im Gazastreifen. Auf beiden Seiten sterben Menschen, leben mit dem ständigen Aufheulen von Sirenen und flüchten sich in ihre Schutzräume.

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Die Weltpolitik ruft die Parteien derweil zur Deeskalation auf, doch ein baldiges Ende des Konflikts scheint in weiter Ferne zu liegen. Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu kündigte an:

Sie werden mit ihrem Blut bezahlen.

Benjamin Netanjahu, Israels Regierungschef

Worte, die wohl weitere unschuldige Menschen das Leben kosten werden. Mein Kollege Markus Decker hat mit einem Augenzeugen über die vergangenen Tage gesprochen. Grisha Alroi-Arloser wurde 1956 als Kind von Holocaustüberlebenden in Sibirien geboren, wuchs in Bergisch Gladbach auf, studierte in Köln und lebt seit seiner Einwanderung nach Israel 1978 in Tel Aviv. Er berichtet Besorgniserregendes: „Es gibt plötzlich eine bürgerkriegsähnliche Situation, weil Teile der israelisch-arabischen Bevölkerung ihre jüdischen Nachbarn angreifen. Dabei werden Fahrzeuge und Synagogen in Brand gesteckt. Das ist eine schlimme Situation, wie wir sie seit der Staatsgründung nicht hatten.“

Gegen Hass und Hetze hat auch ein hochmodernes Raketenabwehrsystem wie das sogenannte Iron Dome, das RND-Chefautor Matthias Koch beschreibt, keine Chance. Und noch viel bedrückender: Sie kennen keine Landesgrenzen. Der wieder aufflammende Konflikt zwischen Juden und Palästinensern hat Deutschland längst erreicht. Vor Synagogen in Münster und Bonn wurden israelische Flaggen angezündet, der Zentralrat der Juden fordert verstärkte Schutzmaßnahmen für jüdische Einrichtungen. „Es ist leider ein klassisches Muster, Juden in Deutschland dafür verantwortlich zu machen, was die israelische Regierung tut – eine Regierung, auf deren Handeln sie ja keinen Einfluss haben“, erklärte der Antisemitismus­beauftragte der Bundesregierung, Felix Klein, dem RND.

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Mein Kollege Felix Huesmann schreibt in seinem Kommentar: „Es ist an allen in unserer Gesellschaft, sich mit Jüdinnen und Juden zu solidarisieren, wenn sie diffamiert und angegriffen werden. Dem grassierenden Antisemitismus muss entschieden entgegengetreten werden.“

Denn Hass ist Hass. Egal, ob er von links, rechts oder der politischen Mitte kommt. Am Ende tötet er.

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Zitat des Tages

Dass Herr Maaßen selbst ein Antisemit ist, habe ich nicht gesagt.

Luisa Neubauer, Klimaaktivistin

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