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Fast 50 Prozent der Importe betroffen

Wie sich Griechenland auf einen russischen Gasstopp vorbereitet

Eine EU-Flagge und griechische Flaggen wehen in Athen im Wind. (Archivbild)

Athen. Sie galten schon als altes Eisen, aber jetzt arbeiten die riesigen Schaufelradbagger in den griechischen Braunkohlerevieren wieder auf Hochtouren. Neue Halden werden aufgehäuft, um für einen Gaslieferstopp aus Russland gerüstet zu sein.

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Im nordgriechischen Agios Dimitrios fehlen nur noch 200.000 Kubikmeter Braunkohle bis die maximale Lagerkapazität von 1,55 Millionen Tonnen wieder aufgefüllt ist. „In zwei Wochen schaffen wir das“, sagt ein Mitarbeiter des staatlichen Stromversorgers Public Power Corporation. Mehrere bereits stillgelegte Braunkohlekraftwerke könnten innerhalb kurzer Zeit wieder ans Netz gehen, wenn Gazprom auch den Griechen den Gashahn zudreht.

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Ministerpräsident Kyriakos Mitsotakis hat sein ehrgeiziges Ziel eines Kohleausstiegs 2023 bereits um fünf Jahre auf 2028 verschoben. Einfach ist das allerdings nicht. Denn von rund 6000 Beschäftigten, die noch vor wenigen Jahren in den griechischen Braunkohlegruben arbeiteten, sind nur noch etwa 1700 übrig.

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Als wichtiger Stichtag gilt der 20. Mai. Dann müssen die griechischen Importeure, die Erdgas von Gazprom beziehen, die nächsten Rechnungen bezahlen. Neben dem staatlichen Gasversorger DEPA sind das Prometheus Gas, ein Gemeinschaftsunternehmen der griechischen Copelouzos-Gruppe mit dem russischen Staatskonzern Gazprom, und der Mischkonzern Mytilineos, der auch Gaskraftwerke betreibt.

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Die Unternehmen stehen vor einem Dilemma: Zahlen sie in Euro oder Dollar, könnte ihnen ein Lieferstopp drohen. Zahlen sie in Rubel, verstoßen sie gegen die Russland-Sanktionen der EU – und setzen sich damit selbst Strafmaßnahmen aus.

45,5 Prozent der Gasimporte kommen aus Russland

Griechenland bezog im vergangenen Jahr 45,5 Prozent seiner Gasimporte aus Russland. Der Rest kam aus Aserbaidschan und als Flüssiggas (LNG) aus Algerien und den USA. Das Land hat seine Abhängigkeit vom Lieferanten Russland aber bereits deutlich reduziert. Nach Angaben von Ministerpräsident Mitsotakis kamen im Januar nur noch 33 Prozent der Gasimporte von Gazprom.

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Das Land arbeitet jetzt mit Hochdruck am Ausbau seiner LNG-Kapazitäten. Das bisher einzige Flüssiggasterminal auf der Insel Revithousa bei Athen soll mit einem angedockten Tanker seine Lagerkapazität 225.000 auf 380.000 Kubikmeter LNG steigern. Das könnte schon Ende Mai möglich sein. In den ersten drei Monaten deckte das Terminal Revithousa bereits 43,23 Prozent der griechischen Einfuhren. Jetzt verhandelt die DEPA mit Ägypten und Katar über zusätzliche LNG-Lieferungen.

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Auch der Bau des zweiten LNG-Terminals beim nordgriechischen Alexandroupoli wird beschleunigt. Dafür lässt die griechische Reederei Gaslog einen ihrer Tanker bei den Keppel Shipyards in Singapur zu einer schwimmenden Lager- und Regasifizierungsanlage (FSRU) umbauen. Statt Ende 2023 könnte die Anlage bereits Mitte des kommenden Jahres in Betrieb gehe, heißt es in Unternehmenskreisen. Zwei weitere LNG-Terminals sind bei Korinth und im nordgriechischen Thessaloniki geplant.

Mitsotakis will Bulgarien unterstützen

Premier Mitsotakis hat auch dem benachbarten Bulgarien, dem Gazprom jetzt den Gashahn zudrehen will, Unterstützung bei der Gasversorgung versprochen. Bis Juni soll das Land über eine Verbindungspipeline ans griechische Gasnetz angeschlossen sein. Mitsotakis forciert auch die Erschließung eigener Erdgasvorkommen. Bis die Förderung beginnen kann, werden aber mindestens fünf Jahre vergehen – sofern sich die Vorkommen überhaupt als lohnend herausstellen.

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Griechenland braucht Gas vor allem für die Stromproduktion. Im vergangenen Jahr kamen durchschnittlich 40 Prozent der Elektrizität aus Gaskraftwerken. Einige von ihnen könnten im Fall eines Gaslieferstopps mit Diesel betrieben werden. Für diesen Fall werden jetzt die Treibstoffvorräte aufgefüllt.

Das Land setzt aber auch auf erneuerbare Energien wie die Photovoltaik. 2020 hatte Griechenland Photovoltaikanlagen mit einer installierten Leistung von 3300 Megawatt (MW) in Betrieb. Ende 2021 waren es bereits 4900 MW. Am Montag dieser Woche wurde ein neuer Rekord gemeldet: Erstmals speisten die griechischen Photovoltaikanlagen Strom mit einer Leistung von über 3000 MW ins Netz ein.

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