Was der Gamestop-Fall für Europa bedeuten könnte

Hessen, Frankfurt/Main: Ein Aktienhändler reibt sich auf dem Parkett der Frankfurter Wertpapierbörse die Augen.

Hessen, Frankfurt/Main: Ein Aktienhändler reibt sich auf dem Parkett der Frankfurter Wertpapierbörse die Augen.

Brüssel. Der Börsenhype um den US-Computerspielhändler Gamestop hat nun auch das Europaparlament in Alarmstimmung versetzt. „Wir sollten nicht abwarten, bis es ähnliche Probleme auch in der EU gibt“, sagte der Finanzexperte der Europa-Grünen, Sven Giegold, dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). Der Europapolitiker forderte eine Anhörung im Wirtschaftsausschuss des Europaparlaments, nachdem die US-Börse in den vergangenen Tagen in Turbulenzen geraten war.

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Kleinanleger hatten in konzertierten Aktionen versucht, milliardenschwere Hedgefonds ins Wanken zu bringen. In den USA sorgen sich bereits die ersten Politiker um die Stabilität des Finanzsystems.

Alarm wegen Korruptionsverdacht

Die Kleinanleger hatten sich offenbar auf Onlineplattformen wie Reddit verabredet, Gamestop-Aktien des angeschlagenen US-Unternehmens in großem Stil zu kaufen und die Kurse nach oben zu treiben. Das führte zu schweren Verlusten bei Hedgefonds, die mit sogenannten Leerverkäufen auf den Verfall der Aktien angeschlagener Unternehmen wetten.

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Plattformen wie Robinhood und andere Onlinebroker beschränkten daraufhin den Handel mit den Aktien. Möglicherweise gingen diesem ungewöhnlichen Schritt Absprachen mit Hedgefonds voraus. Die US-Justiz ermittelt. Der Generalstaatsanwalt des US-Bundesstaates Texas schlug am Freitag Alarm. „Es stinkt nach Korruption“, sagte Ken Paxton.

Auch die US-Börsenaufsicht SEC will die Vorgänge rund um den Gamestop-Hype untersuchen. Die Behörde versprach, Kleinanleger zu schützen, wenn die Fakten auf manipulative Handelsaktivitäten hinwiesen.

An den europäischen Börsen kam es noch nicht zu größeren Kurskapriolen. Der Grünen-Europaabgeordnete Giegold warnte aber vor einem Überschwappen des Problems nach Europa. „Große Leerverkaufspositionen gibt es derzeit auch auf europäische Unternehmen wie Varta oder Evotec. Für mich deutet dies darauf hin, dass die Regeln für Leerverkäufe, die nach der großen Finanzkrise eingeführt wurden, die Marktintegrität nicht wirksam gewährleisten“, sagte Giegold.

Das Europaparlament müsse die Europäische Wertpapier- und Marktaufsichtsbehörde (ESMA) bitten, die ungewöhnlichen Ereignisse in den USA so schnell wie möglich zu bewerten.

Der Handel durch Kleinanleger habe in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen, sagte Giegold weiter. Der Grund dafür sei, dass Onlinebroker wie Robinhood den Handel mit Aktien auf ihren Apps provisionsfrei anböten. Doch die „Covid-19-Pandemie hat diese Entwicklung massiv beschleunigt“, so der Europaabgeordnete: „Die Lockdowns haben Privatanlegern weltweit freie Zeit und ungenutzte Mittel beschert.“

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Er habe „prinzipiell große Sympathien dafür, dass Kleinanleger große institutionelle Investoren mit ihren eigenen Waffen schlagen“, sagte der Europaabgeordnete weiter: „Doch natürlich besteht hier auch ein großes Potenzial für unzulässige Beeinflussung und Betrug, was bei unerfahrenen Kleinanlegern zu herben Verlusten führen kann.“

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