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G7 und Bolsonaro: Europa hat den Zugang zu Lateinamerika verloren

Brasiliens Präsident Jair Bolsonaro lehnt die G7-Hilfen zur Bekämpfung der Amazonas-Brände ab und empört sich über den französischen Präsidenten. Das zeigt: Europa hat den Zugang zu Lateinamerika verloren - und Bolsonaro kann sich zu Hause als Opfer inszenieren, kommentiert Tobias Käufer.

Tobias Käufer
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Caracas. Vielleicht erinnert sich der ein oder andere noch an die Krise in Venezuela zu Beginn des Jahres. Damals wollten die USA und andere europäische Länder der unter einer katastrophalen Versorgungskrise leidenden Bevölkerung humanitäre Hilfsgüter zukommen lassen. Die Opposition organisierte die Lkw-Transporte bis auf die Grenzbrücke zwischen Kolumbien und Venezuela, dann gingen die Hilfsgüter in Flammen auf.

Venezuelas sozialistischer Präsident Nicolas Maduro wütete damals: Wir brauchen die Hilfe nicht, es gäbe gar keine humanitäre Krise in Venezuela.

Auch Brasiliens rechtspopulistischer Präsident Jair Bolsonaro will keine Hilfe. Er lehnt die von den G7-Staaten beschlossenen Hilfsgelder in Höhe von 20 Millionen US-Dollar für den Kampf gegen die Brände im Regenwald ab. Stattdessen sollten damit Wälder in Europa wieder aufgeforstet werden. Eine Krise in seinem Land gebe es nicht.

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Im Video: Brasilien lehnt G7-Hilfen ab

Video
Feuer im Amazonas-Gebiet: Brasilien lehnt G7-Hilfen ab
1:41 min
Die brasilianische Regierung weist die von den G7-Staaten zugesagten Millionenhilfen im Kampf gegen die Waldbrände in der Amazonas-Region zurückn.  © Tobias Käufer/AFP

Zweimal unverantwortliche Sturheit. Unter der Realitätsverweigerung zu leiden haben die Ärmsten der Armen. Zur Wahrheit gehört aber auch: Europa hat den Zugang zu Lateinamerika verloren. Während sich der brutale Despot in Caracas mit der Hilfe Russlands und Chinas über Wasser hält, kann Brasiliens Präsident mit Überweisungen für die Soja-Bohne aus Peking rechnen.

Die Brände will er nun mit Hilfe aus Israel und den USA löschen. Bolsonaros Vorwurf des „G7-Kolonialismus“ ist nicht ganz unbegründet. Die Art und Weise wie der französische Präsident seinen brasilianischen Amtskollegen auf die Anklagebank in Biarritz setzte, ohne dass er sich in dieser Gerichtsverhandlung wehren konnte, mag Macron in Europa Pluspunkte bringen. Bolsonaro aber kann sich zu Hause als Opfer inszenieren.

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Lesen Sie hier: Bolsonaro höhnt über Frankreichs Präsidentengattin - Macron wehrt sich

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