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G-7-Gipfel sagt Milliarden für Anti-Corona-Kampf zu – aber Deutschland fordert mehr

  • Die Corona-Pandemie kann nicht erfolgreich bekämpft werden, solange das Virus in Entwicklungsländern wütet.
  • Die G-7-Staaten treiben deshalb die Verteilung von Impfstoffen voran und stellen viel Geld bereit.
  • Bundesentwicklungsminister Gerd Müller hält die zugesagten Mittel allerdings nicht für ausreichend.
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London/Brüssel. Mit Milliardenzusagen für die globale Impfkampagne wollen die sieben großen Wirtschaftsmächte (G7) den Kampf gegen die Corona-Pandemie in armen Ländern vorantreiben.

Zum virtuellen G-7-Gipfel am Freitag mit Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und den anderen Staats- und Regierungschefs der „Gruppe der Sieben“ sagte US-Präsident Joe Biden bis zu 4 Milliarden US-Dollar zu. Die Bundesregierung stellt 1,5 Milliarden Euro bereit. Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur kommen weitere 500 Millionen Euro für die Verteilung von Impfstoffen von der Europäischen Union.

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Biontech-Impfstoff schützt vor südafrikanischer Variante
1:02 min
Die südafrikanische Variante des Coronavirus gilt als ansteckender – vor einer Ausbreitung in Deutschland wird gewarnt. Der Biontech-Impfstoff soll aber wirken.  © dpa
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„Covid hat uns gezeigt, dass keine Nation im Angesicht einer Pandemie alleine handeln kann“, teilte das Weiße Haus mit. Der neue US-Präsident Biden setze sich auch für weltweite Gesundheitssicherheit ein. „Alle Länder sollten in der Lage sein, Ausbrüche zu verhindern, zu erkennen und darauf zu reagieren.“ Zunächst stellen die USA 2 Milliarden Dollar für die Impfinitiative Covax bereit. Weitere 2 Milliarden werden über zwei Jahre freigegeben, wenn andere ihre Zusagen erfüllt haben.

Bundesentwicklungsminister Gerd Müller (CSU) hält die zugesagten Mittel allerdings nicht für ausreichend. „Die G20 und die EU müssen ihr Engagement jetzt ebenfalls weiter ausbauen“, sagte er am Freitag in Berlin nach dem virtuellen Treffen.

Müller: „International muss da mehr passieren“

Von den 1,5 Milliarden Euro der Bundesregierung sind rund eine Milliarde Euro für die internationale Impfallianz Gavi bestimmt. Die weiteren Mittel sind zur Stärkung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und der Impfstoffforschung, insbesondere zu Mutationen. „Wir besiegen Corona nur weltweit oder gar nicht“, sagte Müller.

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„Nur mit einer weltweiten Impfkampagne führt der Weg aus der Pandemie heraus“, sagte der Minister. Das Vorhaben dürfe aber nicht an der Finanzierung scheitern. „Denn es reicht nicht, das Virus nur in Europa einzudämmen. Sonst kommt es zurück – vielleicht noch gefährlicher.“

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Bislang fänden nur 0,5 Prozent der Corona-Impfungen in den ärmsten Ländern statt. Das Ziel sei, bis Jahresende 20 Prozent der Bevölkerung in 92 Entwicklungs- und Schwellenländern zu impfen. Die Finanzierung dazu sei auch trotz der Zusagen auf dem G-7-Gipfel noch nicht sichergestellt. „International muss da mehr passieren“, sagte Müller.

Der Kampf gegen die Pandemie und die Verteilung von Impfstoffen waren das Hauptthema des Onlinegipfels der G7. Es ist das erste große internationale Treffen, an dem der neue US-Präsident teilnahm. Gastgeber ist der britische Premierminister Boris Johnson. Zu den G7 gehören auch Frankreich, Italien, Kanada und Japan. Im Anschluss stand die Sicherheitskonferenz in München auf dem Programm.

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron setzte sich dafür ein, dass reiche Länder 4 bis 5 Prozent ihrer Impfdosen möglichst schnell an ärmere Länder abgeben. Er habe dies mit Merkel besprochen, und sie unterstütze dies, sagte Emmanuel Macron der „Financial Times“.

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Macron will Impfstoffspenden nach Afrika

Eine solche Spende würde die Impfpläne der reicheren Länder nicht stören. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) in Genf begrüßte den Vorstoß: „Sehr willkommen, eine fantastische Entwicklung.“

Macron brachte eine Spende von 13 Millionen Dosen Corona-Impfstoff nach Afrika ins Spiel. „Wenn wir, Europäer, Amerikaner, diese 13 Millionen Dosen so schnell wie möglich liefern können, wäre das enorm viel wert“, sagte er. Insgesamt seien das nur 0,43 Prozent der georderten Dosen. Damit, so Macron, sollten die sechseinhalb Millionen Pflegekräfte auf dem afrikanischen Kontinent geimpft werden.

Er mahnte: „Wenn wir heute Milliarden ankündigen, um Dosen in sechs Monaten, in acht Monaten, in einem Jahr zu liefern, werden unsere afrikanischen Freunde (...) Dosen bei den Chinesen, bei den Russen oder direkt von anderen Laboren kaufen.“

Mit einer Lieferung von Impfdosen würde der Westen in Afrika eine Präsenz haben, so Macron. Wolle man einen effektiven Multilateralismus erreichen, sei es an den Europäern und Amerikanern, armen und Schwellenländern so schnell wie möglich Tests, Impfungen und Behandlungen zu ermöglichen.

RND/dpa

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