G-7-Absage: Merkel ist mit Trump wirklich fertig

  • Angela Merkel will nicht zum G-7-Gipfel nach Washington reisen.
  • Die Bedenken wegen Corona dürften nur vorgeschoben sein, kommentiert Christian Burmeister.
  • Vielmehr will sie keine für Trump günstigen Bilder produzieren.
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Berlin. Normal ist in den USA momentan fast nichts mehr. Das ist für Donald Trump wenige Monate vor der Wahl ein Riesenproblem. Und so hatte der US-Präsident inmitten des Corona-Desasters, der explodierenden Arbeitslosigkeit und des “Twitter-Kriegs” wohl auf ein paar schöne Bilder gehofft, als er seine Einladung an Regierungschefs der sieben wichtigsten Industrienationen für ein G-7-Treffen in Washington aussprach.

Statt in einer schnöden Videokonferenz hätten die Mächtigen der Welt Ende Juni von Angesicht zu Angesicht in Washington verhandeln sollen. Nichts hätte die Botschaft besser unterstrichen, die Trump den Wählern gerne senden würde: “Seht her, wir sind zurück in der völligen Normalität und ich bin anerkannter Führer der Weltgemeinschaft.”

Trump wird die Absage nicht vergessen

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Deshalb verwundert es nicht, dass Briten-Premier und Corona-Hasardeur Boris Johnson sofort einem persönlichen Treffen zugestimmt hat. Immerhin hatten Trump und seine Freunde in der Vergangenheit auch Wahlkampf für Johnson gemacht. Doch eine hat auf ein direktes Wiedersehen mit Trump offenbar so gar keine Lust: Angela Merkel. Man kann es ihr angesichts der Erfahrungen, die sie mit Trump als Gastgeber gemacht hat, kaum verübeln.

Trotzdem ist es eine kleine diplomatische Unverfrorenheit, als Erste und bereits einen Monat vor dem möglichen Treffen abzusagen. Immerhin ist G7 eines der wichtigsten Formate in der internationalen Politik und das Gesundheitsrisiko wäre für die deutsche Delegation wohl überschaubar gewesen.

Aber eine Wiederwahl Trumps ist definitiv weder im europäischen noch im deutschen Interesse. Weshalb sollte sie ihm also Schützenhilfe leisten und ihre Aufwartung machen, wenn es doch mit Corona eine passende Ausrede gibt? Trump wird das natürlich verstehen und auch nicht vergessen. Dass sie seinen Zorn billigend in Kauf nimmt, zeigt, wie satt Merkel Trump haben muss. Das Risiko von Racheaktionen Trumps scheint aber auch überschaubar. Denn viel mehr kann er Deutschland nicht ins Visier nehmen, ohne auch den USA massiv zu schaden. Und vielleicht ist der ganze Spuk mit dem “stabilen Genie” in fünf Monaten ja auch genauso schnell vorbei, wie er vor vier Jahren angefangen hat.

RND

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