Fußball wieder mit Fans: Wann folgt der Kulturbetrieb?

  • Dass Fußballfans wieder in die Stadien zurückkehren dürfen, weckt nun auch im Kulturbetrieb die Hoffnung auf weitere Lockerungen.
  • Das Büro der Kulturstaatsministerin Monika Grütters zeigt sich diesbezüglich aber zurückhaltend.
  • Maßnahmen zur Lockerung der Corona-Auflagen liegen in der Hand der einzelnen Bundesländer, heißt es.
Sabrina Lösch
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Berlin. Pünktlich zum Start der Fußball-Bundesliga haben sich die Bundesländer auf Corona-Lockerungen bei Fußballspielen geeinigt. Wegen der hohen Infektionszahlen in München findet das Auftaktspiel zwischen dem FC Bayern und Schalke 04 an diesem Freitag zwar vor leeren Rängen statt, aber schon am Samstag dürfen in Dortmund, Bremen, Frankfurt, Berlin und Köln wieder Tausende Fans in die Stadien. Eine Auslastung der Arenen von bis zu 20 Prozent ist möglich.

Die Ausnahme kam überraschend. Ursprünglich sollten Großveranstaltungen bundesweit bis zum Jahresende untersagt bleiben sollen, wobei regionale Ausnahmen von Anfang an möglich waren. Die neue Großzügigkeit der Staatskanzleien beim Sport weckt aber auch in anderen Bereichen Begehrlichkeiten: Sind Großereignisse im Kulturbereich bald auch wieder möglich?

“Fußball hat eine weitaus größere Lobby als die Kultur”

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“Die Entscheidung beim Fußball wird nicht ohne Auswirkung auf den Kulturbetrieb bleiben”, sagt Johannes Selle (CDU), Stellvertretender Vorsitzender des Kulturausschusses im Deutschen Bundestag, auf Anfrage des RedaktionsNetzwerks Deutschland (RND). “Mit welcher Begründung sollte nun ein Konzert im Stadion auch abgelehnt werden?”, fragt der Abgeordnete.

Selle fordert Gleichberechtigung für alle Branchen und Bereiche, macht sich aber auch keine Illusionen darüber, wessen Interessen zuerst bedient werden. “Der Fußball hat eine weitaus mächtigere und größere Lobby hinter sich stehen als der Kulturbetrieb.”

Grundsätzlich liegen weitere Lockerungen im Aufgabenbereich der Bundesländer selbst. “Die Wiederbelebung des kulturellen Lebens verdient dieselben Anstrengungen, die auch anderen Branchen zuteilwerden”, teilt das Büro von Kulturstaatsministerin Monika Grütters (BKM) auf Anfrage des RND mit. Es sei nun an der Zeit, das Kulturgeschehen mithilfe pragmatischer Konzepte wieder ins Laufen zu bringen. “Jede Veranstaltung, jeder Raum muss speziell auf seine Möglichkeiten geprüft werden, Infektionsschutz und Kulturgenuss miteinander zu vereinbaren”, sagt BKM-Sprecher Dustin Hoffmann.

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Konkrete Maßnahmen zu möglichen Lockerungen im Kulturbereich auf Bundesebene bleiben aber bislang aus.

Welche Bundesländer Corona-Regelungen lockern

Immerhin in den Ländern tut sich was: Sachsen-Anhalt hat beschlossen, ab dem 1. November Kulturveranstaltungen auch mit deutlich mehr als 1000 Menschen im Freien wie in geschlossenen Räumen nach besonderer Genehmigung durch Gesundheitsamt und Gesundheitsministerium zuzulassen. Einzigartig in Sachsen-Anhalt: Auch Clubs und Diskotheken dürfen ab dem 1. November öffnen – und bis zu 60 Prozent der maximalen Besucherzahl einlassen.

Auch Niedersachsen hat weitere Lockerungen beschlossen. So sollen ab 1. Oktober Großveranstaltungen wieder teilweise zugelassen werden. Dazu zählen Konzerte, Messen oder Märkte. Allerdings soll ab 18 Uhr ein Alkoholverbot gelten. Unter dieser Bedingung dürfen auch Clubs in Niedersachsen wieder öffnen. Beim Tanzen gilt allerdings Maskenpflicht.

Auch in Berlin sind ab 1. Oktober wieder Veranstaltungen bis zu 1000 Personen im Innenbereich und bis zu 5000 im Außenbereich möglich. Im Kulturbetrieb gilt außerdem nur noch ein Meter Mindestabstand.

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Deutlich strenger bleiben die Corona-Auflagen in Bayern. Kulturveranstaltungen sind mit bis zu 400 Gästen im Freien und 200 in Innenräumen erlaubt – insofern zugewiesene Plätze vorhanden sind.

Auf bundesweit einheitliche Regeln, so wie beim Fußball, werden Kulturliebhaber wohl noch länger warten müssen.

RND

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