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  • Führerschein für Flüchtlinge: Prüfung nur in 13 Sprachen - Problem bei der Jobsuche, Bürokratie behindert Integration

Ohne Führerschein kein Job – Bürokratie behindert Flüchtlingsintegration

  • Wer einen Führerschein hat, findet leichter einen Beruf, gerade in unteren Einkommensgruppen.
  • Für viele Flüchtlinge allerdings ist die Sprache eine zunächst unüberwindliche Hürde, denn Führerscheinprüfungen können in Deutschland nur in 13 Sprachen abgelegt werden.
  • Viele Sprachen aus wichtigen Herkunftsländern sind nicht dabei.
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Berlin. Kein Job ohne Führerschein – diese Gleichung ist gerade in unteren Einkommensgruppen für viele Menschen Realität. Entweder, weil sie ein Auto brauchen, um den Arbeitsplatz zu erreichen, oder weil das Auto für die Erledigung der Arbeit unabdingbar ist. Auch Asylbewerberinnen und Asylbewerbern fällt die Integration in den deutschen Arbeitsmarkt häufig leichter, wenn diese über eine Fahrerlaubnis verfügen.

Allerdings werden die Führerscheine aus vielen Herkunftsländern nicht anerkannt, weshalb Einwanderer die theoretische und praktische Fahrprüfung in Deutschland wiederholen müssen. Und da beginnen die Hürden, wie die Bundesregierung jetzt in einer Antwort auf eine kleine Anfrage der FDP-Bundestagsfraktion einräumen musste. Die theoretische Fahrprüfung kann derzeit neben der deutschen in nur zwölf Fremdsprachen abgelegt werden. Wer keine dieser Sprachen spricht, schaut in die Röhre: Er oder sie muss erst Deutsch lernen, bevor die Fahrprüfung abgelegt werden kann.

Die meisten Flüchtlinge, die seit 2016 einen Asylantrag in Deutschland gestellt haben, sprechen Arabisch. Laut Zahlen der Bundesregierung, die dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) vorliegen, sind es 542.302. Sie haben Glück: Seit 2016 zählt Arabisch zu den zugelassen Sprachen in deutschen Führerscheinprüfungen.

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FDP will Hürden abbauen

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Doch schon bei der zweitgrößten Gruppe sieht es anders aus. Dari, umgangssprachlich Farsi, sprechen die meisten Einwanderer aus Afghanistan. Die Sprache ist ein Dialekt des Persischen. 139.386 Dari-Muttersprachler stellten seit 2016 einen Asylantrag in Deutschland. Die Chance auf eine Fahrprüfung haben sie nicht. Gleiches gilt für Asylbewerber die Persisch sprechen, immerhin 64.557 Asylerstantragstellerinnen und Asylerstantragsteller. Auch für die seit 2016 mit 102.040 Einwanderern drittgrößte Gruppe der Flüchtlinge, Menschen mit der Muttersprache Kurdisch-Kurmanci, heißt es: erst Vokabeln büffeln und dann den Führerschein machen.

Die FDP fordert, die sprachlichen Hürden schnell abzubauen und Führerscheinprüfungen in weiteren Fremdsprachen anzubieten. „Es ist im Interesse aller Beteiligten, Asylbewerberinnen und Asylbewerber bestmöglich dabei zu unterstützen, in Deutschland Fuß zu fassen. Die erfolgreiche Integration in den deutschen Arbeitsmarkt darf nicht daran scheitern, dass die theoretische Führerscheinprüfung aufgrund von Sprachbarrieren nicht bewältigt werden kann“, sagte der Obmann der Liberalen im Ausschuss für Arbeit und Soziales, Pascal Kober, dem RND. „Die schriftliche Führerscheinprüfung soll auch auf weiteren Sprachen, die von Asylbewerberinnen und Asylbewerbern häufig gesprochen werden, angeboten werden. Dies soll zumindest in Dari, Kurdisch-Kurmanci und Persisch möglich sein“, fordert der sozialpolitische Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion.

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