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„Der Tag“

Fünf Stunden Freizeit mehr

Wer auch künftig zumindest zeitweise von zu Hause aus arbeiten will, hat aktuell gute Chancen, sein Anliegen bei der Führungskraft zu platzieren.

Immer mehr Menschen wünschen sich flexible Arbeitszeiten und ‑orte.

Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,

40,5 Stunden arbeitet der durchschnittliche Vollzeitbeschäftigte in Deutschland wöchentlich. Das sind 20 Minuten weniger als im EU-Schnitt, wie eine Erhebung von Eurostat zeigt. Aber immer noch gut zwei Stunden mehr als die Dänen, die im Vergleich am kürzesten im Einsatz sind.

Kommt das bei Ihnen hin? Ist Ihnen das zu viel, oder gar zu wenig?

Die Debatte über die Arbeitszeit nimmt in Deutschland aktuell wieder Fahrt auf. Immer mehr Menschen wollen weniger schuften. So zeigt eine Umfrage des Meinungschforschungsinstituts Forsa, dass sich 71 Prozent der Befragten eine Viertagewoche wünschen – ein Modell, das international vielerorts getestet wird.

In Belgien dürfen die Bürgerinnen und Bürger seit Anfang 2022 entscheiden, ob sie ihre Arbeitszeit auf vier oder auf fünf Tage aufteilen, ähnliche Modelle gibt es in Spanien, Großbritannien und Island.

Die Art und Weise, wie wir arbeiten, verändert sich unweigerlich. „New Work“ hat sich zu einem geflügelten Begriff entwickelt.

Auch Deutschland testet die Viertagewoche

Hierzulande testet Borco Höhns ab dem 1. September ein neues Modell, wie RND-Wirtschaftsredakteur Christoph Höland schreibt. Das mittelständische Produktionsunternehmen aus dem niedersächsischen Rotenburg an der Wümme reduziert ab dem 1. September vorerst für ein Jahr die Wochenstundenzahl seiner Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von 37 auf 35,5 Stunden. Deshalb steigt die tägliche Arbeitszeit zwar um eine halbe Stunde, dafür ist aber künftig jeder zweite Freitag frei.

Ich glaube, Geschäftsmodelle, die auf Ausbeutung beruhen, werden zum Auslaufmodell.

Andreas Elsäßer,

Geschäftsführer von Borco Höhns

Damit reagiert das Unternehmen auf die großen Herausforderungen, vor denen der Arbeitsmarkt steht. Denn laut einer Prognose des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) fehlen 2030 bis zu fünf Millionen Beschäftigte. Und nicht nur das: Die Bedürfnisse der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer verändern sich stetig. Besonders in der Generation Z (ab Jahrgang 1995) haben sich die Anforderungen an die Arbeit und die Unternehmenskultur massiv geändert.

Mehrere Umfragen zeigen, dass eine bessere Work-Life-Balance immer mehr in den Fokus rückt. Flexible Arbeitszeiten, die Möglichkeit, öfter im Homeoffice zu bleiben, und eine Wertekultur, die der eigenen entspricht, werden immer wichtiger. Die neue Generation möchte hinter dem stehen, was sie tut, und zugleich das Leben genießen.

Doch das ist nur die eine Seite der Medaille. Wegen des Kriegs in der Ukraine und dessen Folgen für unsere Wirtschaft fordern Experten und Expertinnen eine 42-Stunden-Woche, um die Verluste aufzufangen. „Was wir jetzt brauchen, sind mehr Wachstumsimpulse, mehr Gründungen, mehr Überstunden, um unseren Wohlstand zu sichern“, twitterte auch Bundesfinanzminister Christian Lindner Ende Juni.

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Dabei zeigen zwei Feldstudien aus Island einen positiven Effekt reduzierter Arbeitszeit: Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Modellprojekts waren weniger gestresst und mindestens genauso produktiv – einige sogar produktiver.

 

Zitat des Tages

Aktuell steht nicht mehr die journalistische und publizistische Leistung des Senders im Vordergrund, sondern es geht nur um mögliche und angebliche Verfehlungen der Intendantin. Das bedauere ich sehr und ich entschuldige mich bei den Beschäftigten des RBB für diese Entwicklung.

Patricia Schlesinger

tritt als RBB-Intendantin zurück.

 

Leseempfehlungen

Der Totengräber der westlichen Demokratie: Der Milliardär Peter Thiel, geboren in Frankfurt am Main und aufgewachsen in den USA, gilt als Mastermind republikanischer Extremisten. Mit seinem Geld unterstützt er rechte Politiker, die sich pünktlich vor den Zwischenwahlen in den USA im November wichtige Positionen gesichert haben. Ihr Feindbild: das liberale demokratische System (+).

Der gerupfte Kranich: Die Lufthansa gehört zum Inventar der Bundesrepublik und zählte sich selbst lange zu den besten Airlines der Welt. Strukturwandel, Billigkonkurrenz, Pandemie, Beinahepleite, Managementfehler und der Dauerzoff mit der Belegschaft haben die Airline in eine schwere Krise gestürzt. Der Kranich hat Federn gelassen (+).

 

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Die einen Gäste gehen, die nächsten kommen und zwischendrin sorgen Reinigungskräfte für ein sauberes Ferienquartier. Nicht selten erwartet die Saubermacherinnen und Saubermacher dabei eine Überraschung, wie die „Ostsee-Zeitung“ berichtet (+).

 

Termine des Tages

US-Präsident Joe Biden reist heute in den Bundesstaat Kentucky, in dem es vergangene Woche schwere Überflutungen gegeben hat. 37 Menschen starben.

Der Corona-Impfstoffhersteller Biontech legt heute seine Bilanz für das zweite Quartal vor. Außerdem will das Unternehmen in einer Telefonkonferenz (14 Uhr) einen Überblick über neue Entwicklungen geben. Im ersten Quartal hatte Biontech seinen Umsatz und Gewinn im Vergleich zum Vorjahreszeitraum mehr als verdreifachen können.

 

Wer heute wichtig wird

Erneut vertagt: Die SPD entscheidet über einen Parteiausschluss des Altkanzlers Gerhard Schröder.

Heute soll es im SPD-Parteiordnungs­verfahren gegen Altkanzler Gerhard Schröder eine Entscheidung geben. Gleich 17 regionale SPD-Vereine hatten das Verfahren wegen seiner Nähe zu Wladimir Putin und zur russischen Öl- und Gaswirtschaft beantragt.

 

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Wir wünschen Ihnen einen guten Start in den Tag,

Ihre Chantal Ranke

 

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