Früher war mehr Lametta: die Weihnachtsdebatte

  • Die deutschen Bürger sind weiter als die Politiker.
  • Drei Viertel wollen Kontakte über Weihnachten einschränken.
  • Geben wir Weihnachten womöglich zu viel Gewicht in der Pandemie­diskussion?
Das tägliche Briefing
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Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,

sind die deutschen Bürger klüger als die politischen Entscheider? Tagelang haben die Bundeskanzlerin und die Ministerpräsidenten der Länder darüber geredet, wie wir Weihnachten feiern können und sollen. Mit fünf Gästen, mit zehn Gästen? Am Ende wurden die Kontaktbeschränkungen für das Fest gelockert – und jetzt steht die Befürchtung im Raum, dass die Zahl der Corona-Infektionen danach wieder explodiert.

Vielleicht hätte man auf die Bürger hören sollen: Fast drei Viertel der Deutschen haben bereits entschieden, dass sie über die Weihnachtstage den Kontakt zu ihrer Familie einschränken wollen. In der Umfrage zum neuen ARD-Deutschlandtrend sagten 73 Prozent der Teilnehmer, sie wollten Besuche und Kontakte wegen der Pandemie reduzieren. 17 Prozent wollen ihre Kontakte sogar „sehr stark“ einschränken.

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So weit die beruhigende Nachricht – und der Beleg dafür, dass die Menschen auch in schwierigen Zeiten vernünftig abwägen können. Aber es sind leider nicht alle: In der Deutschlandtrend-Umfrage gaben auch 23 Prozent der Befragten an, dass sie überhaupt keine Einschränkungen zu Weihnachten planten. Und für diese Minderheit sind dann wohl doch Regeln der Politik nötig – so widersprüchlich sie auch ausfallen mögen.

Ein Fünftel fehlt

Als eines der schönsten Weihnachtsgeschenke in diesem Jahr gilt der Impfstoff gegen Corona – wenn er es denn noch rechtzeitig unter den Tannenbaum und in die Impfzentren schafft. Auch zu dem schützenden Mittel gegen das Virus haben die Deutschen eine Meinung, wie die Krankenkasse Barmer herausgefunden hat. Knapp über die Hälfte der Bevölkerung ist zu einer Impfung gegen das Coronavirus bereit, heißt es in der Umfrage, die dem RND exklusiv vorliegt. Eine Herdenimmunität, die einem Sieg über die Pandemie nahekäme, wäre nach Einschätzung der WHO erreicht, wenn etwa 70 Prozent der Bevölkerung geimpft wären. Wer die Zahlen nebeneinanderstellt, wird schnell merken: Das passt noch nicht. Selbst wenn der Weihnachtsmann den Impfstoff im Gepäck hat.

Apropos Weihnachtsmann: Reden wir nicht überhaupt zu viel über Weihnachten? Bekommt das Fest zu viel Gewicht? Kann man nicht einfach ein Jahr auf Gänsebraten und Tischgesellschaft verzichten? Das Thema bewegt, und schon in der Familie kommt man häufig nicht auf einen Nenner. Auch in der RND-Redaktion nicht. Wir eröffnen die Weihnachtsdebatte daher mit einem Pro und Kontra der Hauptstadt­korrespondenten Tobias Peter und Markus Decker. Vielleicht helfen ihre Argumente ja bei der persönlichen Planung für Weihnachten.

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Nach dem Weihnachtsfest kommt im neuen Jahr für viele Deutsche der Skiurlaub. Undenkbar in Corona-Zeiten? Nein, sagen die Österreicher – und wollen die Pisten öffnen, zum Ärger vieler Politiker im Norden. Und so wiederholt sich eine Debatte über den Urlaub, die wir schon im Sommer geführt haben. Damals waren nach dem Lockdown die Grenzen in Europa zum Glück wieder geöffnet worden – jetzt könnte der Tourismusstreit dazu führen, dass sie wieder geschlossen werden. Eva Quadbeck, stellvertretende RND-Chefredakteurin und Leiterin des Hauptstadtbüros, ordnet in ihrem Leitartikel die Bedeutung der Skidebatte ein. Österreichs Tourismus­ministerin Elisabeth Köstinger verteidigt die Pläne ihres Landes im RND-Interview.

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Zitat des Tages

Meine Kinder haben gesagt: Du bist Mutter von vier Kindern. Dann kannst du auch Chefin von zwei Ministerien sein.

Die rheinland-pfälzische Familienministerin Anne Spiegel am Freitag zur Übernahme des Umweltministeriums in Mainz

Leseempfehlungen

Die AfD gibt sich offiziell viel Mühe, sich als demokratische Partei zu präsentieren. Immer häufiger aber zeigen die Rechtspopulisten ihr wahres Gesicht – etwa bei der jüngsten Demonstration von Corona-Leugnern, als AfD-Abgeordnete mehreren Demonstranten den Weg ins Parlament ebneten. Wie gefährlich ist die Partei? Die RND-Hauptstadt­korrespondenten Jan Sternberg und Markus Decker analysieren zum AfD-Parteitag an diesem Wochenende die Strukturen der Partei.

Durch die neue Staffel des Netflix-Hits „The Crown“ ist das Schicksal von Prinzessin Diana wieder in aller Munde. Demnächst verkörpert auch Hollywoodstar Kristen Stewart die erste Ehefrau von Prinz Charles. „Ich will sie nicht nur spielen, ich will sie kennen“, sagt Stewart im RND-Interview über ihre Rolle im Film „Spencer“. Außerdem spricht die 30-Jährige darüber, warum sie inzwischen offener mit ihrer Sexualität umgeht und welche Pläne sie für Weihnachten in Corona-Zeiten hat.

Wirksamkeit und nicht Härte, danach müssen die neuen Corona-Beschlüsse von Bund und Ländern bewertet werden, meint der Virologe Jonas Schmidt-Chanasit. Im RND-Interview erklärt er, warum es mehr Sozialarbeit sowie weniger Appelle braucht und für wen Antigentests vor Weihnachten sinnvoll sind.

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Die Termine des Tages

Parteitag der Berliner SPD: Welches Ergebnis bekommt Bundes­familien­ministerin Franziska Giffey bei der Wahl zur Vorsitzenden? Der bisherige Parteichef und Regierende Bürgermeister Michael Müller tritt nicht noch einmal an.

Brexit-Gespräche: In London spricht EU-Unterhändler Michel Barnier mit seinem britischen Kollegen David Frost über die Chancen für einen Austrittsvertrag. Die Zeit drängt, die Chancen stehen schlecht.

Wintersport: Auf in die Saison! Im finnischen Kontiolahti startet der Biathlon-Weltcup.

Wer heute wichtig wird

Jessica Rosenthal will die Nachfolge von Kevin Kühnert antreten. © Quelle: Rolf Vennenbernd/dpa
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Jessica Rosenthal aus Bonn bewirbt sich heute um die Nachfolge von Juso-Chef Kevin Kühnert. Beim (virtuellen) Juso-Kongress kandidiert Rosenthal heute für den Vorstandsposten. Die 28-jährige Lehrerin (Fächer Deutsch, Geschichte und Bildungs­wissenschaften) aus Bonn führt den Juso-Landesverband in Nordrhein-Westfalen. Außerdem ist sie SPD-Vorsitzende in Bonn und will sich bei der Bundestagswahl im kommenden Jahr um ein Mandat bewerben. RND-Korrespondent Andreas Niesmann erzählte Rosenthal vorab, was sie erreichen will.

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Ihr Jörg Kallmeyer, RND-Newsroom

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