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Früher Stütze, jetzt Bahn-Job: Ein Ex-Hartz-IV-Empfänger berichtet

  • Früher lebte er von Hartz IV, war mehr als fünf Jahre arbeitslos – Mike Jordan ist einer von rund 42.000 Ex-Langzeitarbeitslosen, die wieder einen regulären Job haben.
  • Das Ganze läuft im Zuge des sozialen Arbeitsmarkts.
  • Nach einem Jahr zieht die Bundesregierung nun eine positive Bilanz.
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Berlin. „Ich bin zufrieden“, sagt Mike Jordan. „Und ich bin happy, dass ich hier eine Chance bekommen habe.“ Der 47-Jährige mit den breiten Schultern steht an Gleis 7 des Berliner Ostbahnhofs. Er trägt Arbeitshandschuhe, dazu Blaumann und eine orangefarbene Warnweste. Seine Aufgabe ist es, den Bahnhof sauber zu halten. Das bedeutet: Müll aufsammeln, Toiletten reinigen, den Boden wischen. Seit einigen Wochen nun hat Jordan diesen Job. Es ist sein erster, nach mehr als fünf Jahren Arbeitslosigkeit, nach mehr als fünf Jahren Leben mit Hartz IV.

Das alles liegt nun hinter ihm. Und hinter fast 42.000 Männer und Frauen, die über Jahre hinweg keine Chance auf einen sozialversicherungspflichtigen Job bekamen und von ihrem Jobcenter allenfalls dann und wann eine Fördermaßnahmen angeboten bekamen – aber nichts mit Tariflohn und zu regulären Konditionen. Mit dem sozialen Arbeitsmarkt wollte die GroKo – insbesondere jedoch die SPD – neue Perspektiven für Langzeitarbeitslose schaffen.

Und so funktioniert das Job-Programm

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Hinter alledem verbirgt sich ein Kombilohn-Modell. Bedeutet: Der Staat zahlt Lohnkostenzuschüsse. Im ersten Jahr liegen diese je nach Fördervariante bei 75 oder 100 Prozent, später sinken sie ab. Vier Milliarden Euro hat die Bundesregierung dafür bereitgestellt. Die rechtliche Grundlage, das so genannte „Teilhabechancengesetz“, ist nun seit einem Jahr in Kraft. 500 Millionen Euro sind bereits ausgegeben.

Arbeitsminister Hubertus Heil nutzte einen Ortstermin am Montag am Berliner Ostbahnhof, um Bilanz zu ziehen. Kaum verwunderlich: Aus Sicht des SPD-Politikers ist das Ganze ein Erfolg.

Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD, l.) im Gespräch mit Mike Jordan (2.v.r.), Deutsche Bahn-Personalvorstand Martin Seiler und Daniel Terzenbach (r.) von der Bundesagentur für Arbeit. © Quelle: imago images/Christian Ditsch

Arbeit statt Arbeitslosigkeit

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Menschen, so seine Botschaft, die sehr lange arbeitslos gewesen seien, bekämen nun eine geregelte Beschäftigung. Arbeit statt Arbeitslosigkeit zu finanzieren, darum soll es gehen.

70 Prozent der Unternehmen, die geförderte Jobs in diesem Rahmen anbieten, seien übrigens Privatfirmen und nicht Kommunen oder gemeinnützige Träger. „Mit Coachings und Lohnkostenzuschüssen unterstützen wir die Unternehmen dabei“, sagt der Minister. Arbeit gebe Struktur, Anerkennung und sorge für soziale Kontakte. Sie sei „mehr als Broterwerb“.

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Mike Jordan sieht das alles ganz ähnlich. Der gelernte Maurer wollte raus aus Hartz IV. „Ich habe viele Bewerbungen geschrieben. Aber als alleinerziehender Vater hatte ich es schwer, habe viele Absagen bekommen“, berichtet er. Und was noch hinzukam: Jordan erkrankte, litt unter Epilepsie. Schließlich machte er eine Umschulung zum Gebäudereiniger – und bekam vom Jobcenter den Tipp, es doch mal bei der Bahn zu versuchen.

Nun steht Jordan an Gleis 7, nicht nur mit Heil, sondern auch mit Konzern-Personalvorstand Martin Seiler. Der Manager hat bereits angekündigt: Die Männer und Frauen, die nun in Berlin, Köln und Wanne-Eickel im Zuge dieses Jobprogramms bei der Bahn tätig sind, werden sicherlich auch übernommen. Zumindest unter der Voraussetzung, dass es keine größeren Schwierigkeiten gebe. Um 17 Beschäftigte geht es da. Angesichts von 205.000 Mitarbeitern im Konzern ist die Zahl allerdings vergleichsweise gering. Die von chronischem Arbeitskräftemangel geplagte Bahn sieht ihr Engagement gegen Langzeitarbeitslosigkeit vor allem als Beitrag zur Übernahme gesellschaftlicher Verantwortung.