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Lehrer, Erzieher und Polizisten wehren sich gegen Kritik: werden zu Recht früher geimpft

  • Der Chef der Ständigen Impfkommission, Mertens, hat den Ländern vorgeworfen, sie verletzten die vom Bund vorgeschriebene Impfreihenfolge.
  • Sein Argument: Es würden unter anderem Lehrkräfte, Erzieher und Polizisten geimpft, die noch gar nicht an der Reihe seien.
  • Die Betroffenen wehren sich.
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Berlin. Lehrer, Erzieher und Polizisten haben die Kritik des Vorsitzenden der Ständigen Impfkommission, Thomas Mertens, zurückgewiesen, die Länder setzten sich eigenmächtig über die Impfverordnung des Bundes hinweg. „Es ist unverantwortlich, jetzt eine solche Debatte loszutreten“, sagte der Chef des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE), Udo Beckmann, dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND).

„Noch vor ein paar Tagen hatte der Stiko-Chef Mertens festgestellt, dass es im Endeffekt eine politische Entscheidung sei, wer priorisiert wird“, so Beckmann. „Wenn die Politik dann konsequenterweise entscheidet, dass ihre Politik der Priorisierung des Bildungsbereichs auch eine Priorisierung der Impfreihenfolge nach sich ziehen muss, wird dagegen gewettert“, beklagte er.

„Im Einklang mit der Impfverordnung“

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Auch der Vizechef der Polizeigewerkschaft GdP, Jörg Radek, wies die Kritik zurück. „Polizistinnen und Polizisten müssen gerade in der Pandemie Sicherheit und Ordnung gewährleisten“, sagte er dem RND. „Es ist kein Selbstzweck und im Einklang mit der Impfverordnung, wenn sie prioritär geimpft werden“, betonte er.

Stiko-Chef Mertens hatte gesagt: „De facto wird in den Ländern schon lange gegen die Priorisierung verstoßen.“ Es seien schon jetzt viele geimpft worden, die nach wissenschaftlichen Kriterien der Priorisierung noch nicht an der Reihe wären – etwa Erzieher, Lehrkräfte oder Polizisten. Ein Lockern der Priorisierung dürfe nicht dazu führen, dass die Schwächsten und Gefährdetsten für schwere Covid-19-Verläufe benachteiligt würden, mahnte der Ulmer Virologe.

Die aktuelle Impfverordnung des Bundes lässt es allerdings zu, Erzieher, Grundschullehrer und Polizisten bereits jetzt zu impfen. Sie sind zum Großteil in die zweite Priorisierungsgruppe eingeordnet, die in allen Bundesländern schon zur Impfung eingeladen wird.

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„Das ist doch Humbug“

Beckmann betonte, Lehrkräften und Erzieherinnen und Erziehern sei ohnehin wohl mehrheitlich der Impfstoff von Astrazeneca angeboten worden, der bisher sowieso nicht für die eigentlich priorisierten Älteren freigegeben war. „Hätten wir die Impfdosen lieber wegschmeißen sollen, als sie Menschen zu verimpfen, die aufgrund ihrer hohen Kontaktdichte besonderen Risiken ausgesetzt sind? Das ist doch Humbug“, sagte der Lehrergewerkschafter.

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Stiko-Chef Mertens erwartet mit der beginnenden Impfung durch Hausärzte eine weitere Aufweichung der Impfreihenfolge. Diese würden „eine Priorisierung möglicherweise schwieriger machen“, sagte er. Die niedergelassenen Ärzte sollen ab April flächendeckend mit Corona-Impfungen beginnen.

Durchimpfung bis 19. September

Diesen Beschluss aus der letzten Ministerpräsidentenkonferenz mit Kanzlerin Angela Merkel (CDU) hatten die Gesundheitsminister von Bund und Ländern am Montag bestätigt. Laut Kassenärztlicher Bundesvereinigung (KBV) stehen fürs Impfen 50.000 Haus- und Facharztpraxen bereit. Sie könnten am Tag zusätzlich rund eine Million Menschen immunisieren. Wenn es genug Impfstoff gibt, könnte es nach aktuellen Modellrechnungen der KBV gelingen, bis zum 1. August die gesamte Bevölkerung einmal zu impfen. Die Zweitimpfung wäre demnach bis zum 19. September zu schaffen.

Nach dem Beschluss der Ministerpräsidentenkonferenz soll die geltende Rangfolge zwar grundsätzlich auch von den Arztpraxen eingehalten werden. Es wurde aber auch vereinbart: „Die tatsächliche Entscheidung der Priorisierung erfolgt nach jeweiliger ärztlicher Einschätzung vor Ort.“

„Priorisierung spielt keine Rolle mehr“

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In der KBV hieß es dazu, wenn es ausreichend Impfstoff gebe, müsse de facto in den Praxen entschieden werden, damit es beim Impfen vorangehen könne. Die Priorisierung werde dann zunehmend praktisch kaum noch eine Rolle spielen. So werde das in allen Staaten praktiziert, in denen derzeit schnell geimpft werde.

Bis Montag wurden laut Gesundheitsministerium 2,55 Millionen Menschen in Deutschland vollständig geimpft. Das sind 3 Prozent der Bevölkerung. 5,35 Millionen Menschen haben mindestens eine Impfdosis erhalten. Insgesamt wurden 7,9 Millionen Dosen verimpft, geliefert wurden bis Montag 10,4 Millionen Dosen.

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Die Daten zeigen zudem, dass der Impfstoff von Astrazeneca inzwischen stärker nachgefragt wird. Waren Mitte Februar nur knapp 15 Prozent der gelieferten Menge verimpft, stieg der Anteil mittlerweile auf rund 50 Prozent. Die absolute Zahl der in den Kühlschränken liegenden Astrazeneca-Dosen ist jedoch nach wie vor hoch: Etwa eine Million Dosen warten auf Impfwillige.

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