Friedrich Merz und Berlin-Kreuzberg: Ein Mann von vorgestern

  • Friedrich Merz ist am Mittwochabend im thüringischen Apolda aufgetreten.
  • Die Stadt sei mitten in Deutschland – Berlin-Kreuzberg nicht, sagte der Kandidat für den CDU-Vorsitz.
  • Der 64-Jährige zeigte damit einmal mehr, dass er ein Mann von gestern ist, findet Markus Decker.
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Vor 15 Jahren gab es eine große Kampagne deutscher Medienunternehmen. Sie trug den Titel “Du bist Deutschland”. Ziel der Kampagne war, ein positives Nationalgefühl zu wecken – ein modernes, das Vielfalt anerkennt.

Friedrich Merz weiß davon nichts. Sonst hätte der Kandidat für den CDU-Vorsitz im thüringischen Apolda nicht gesagt: “Apolda, das ist Deutschland, meine Damen und Herren! Das ist hier nicht Berlin-Kreuzberg, das ist mitten in Deutschland!”

Der Auftritt des 64-Jährigen verstärkt eine sich ohnehin immer mehr aufdrängende Wahrnehmung – dass Merz ein Mann von gestern ist, wenn nicht von vorgestern. Die beiden Sätze, die er in Apolda gesagt hat, verbieten sich nach den rassistischen Morden von Hanau von selbst.

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Verantwortlich sind die Fremden

Gewiss, Merz hat im Thüringischen auch gesagt: “Wir müssen über den ausufernden Rechtsextremismus reden. Wir haben dieses Problem unterschätzt!” Die Opfer von Hanau hätten “uneingeschränkte Solidarität” verdient. “Die grenzen wir nicht aus, die nehmen wir in den Arm.”

Diese Sätze wirken jedoch wie der Versuch, den verheerenden Eindruck vom Vortag vergessen zu machen. Da hatte Merz mit einem “Die Antwort ist: ja” bestätigt, dass der Kampf gegen den Rechtsextremismus für ihn quasi identisch sei mit dem Kampf gegen die Clankriminalität. Verantwortlich für den Rechtsextremismus sind demnach letztlich die “Fremden”.

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Er grenzt ein, und er grenzt aus

In Apolda hat Merz dem Eindruck neue Nahrung gegeben. Er grenzt ein, und er grenzt aus. Das ist der Versuch, Modernisierungsverlierer aufzusammeln, und es gehorcht offenbar tiefer Überzeugung.

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Das sind die bisherigen Kandidaten für den CDU-Parteivorsitz
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Seitdem Annegret Kramp-Karrenbauer ihren Rücktritt als CDU-Vorsitzende ankündigte, geht es in der Partei heiß her. Wer übernimmt jetzt den Parteivorsitz?  © Markus Decker/RND/Marie Schiller

So schlicht Merz auf die Welt blickt, so schlicht muss man im Zweifel auch auf ihn blicken: Er mag bestimmte Gruppen einfach nicht.

In Merz’ Geburtsort, dem sauerländischen Brilon, lebten 2017 übrigens 25.501 Menschen. Darunter waren 1650 Ausländer. Mitten in Deutschland.

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