Friedensnobelpreis: Wer ist Maria Ressa?

  • Den diesjährigen Friedensnobelpreis bekommt neben Dmitri Muratow Maria Ressa.
  • In den sozialen Medien feiern Nutzerinnen und Nutzer die philippinische Journalistin.
  • Wer genau ist die philippinische Journalistin?
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Oslo. Es regnete Glückwünsche in den sozialen Netzwerken, kaum war die Auszeichnung der philippinischen Journalistin Maria Ressa mit dem Friedensnobelpreis bekanntgeworden. „Danke, Maria, du machst uns so stolz“, „Die Wahrheit triumphiert“ und „Kämpfe den guten Kampf weiter“, heißt es dort. Ihre Unerschrockenheit und ihr investigatives Gespür haben Maria Ressa schon vor langer Zeit prominent gemacht: Sie und das von ihr 2012 mitgegründete Nachrichtenportal „Rappler“ decken Machtmissbrauch, Korruption und staatliche Gewalt in dem südostasiatischen Land auf. Insbesondere gilt die frühere CNN-Journalistin als eine der schärfsten Kritikerinnen des umstrittenen Präsidenten Rodrigo Duterte.

In diesem Jahr ehrt das norwegische Nobelkomitee die 58-Jährige gemeinsam mit ihrem russischen Kollegen Dmitri Muratow. Beide kämpften auf couragierte Weise für die Meinungsfreiheit in ihren Ländern, sagte die Komitee-Vorsitzende Berit Reiss-Andersen am Freitag in Oslo. Der „Rappler“ fokussiere seine Berichterstattung auf die tödliche Anti-Drogen-Kampagne Dutertes, deren Opferzahl so hoch sei, dass sie einem Krieg gegen die eigene Bevölkerung gleichkomme. Ressa und das Portal dokumentierten zudem den Einsatz sozialer Medien gegen Regierungskritiker.

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Etliche Gerichtsverfahren gegen Maria Ressa

Gegen Maria Ressa hat der philippinische Staat etliche Gerichtsverfahren angestrengt, unter anderem wegen „Verleumdung im Internet“. Ausführlich hat ihr investigatives Nachrichtenportal die massiven Gräuel in dem von Duterte Mitte 2016 initiierten „Anti-Drogen-Krieg“ dokumentiert. Menschenrechtler schätzen, dass dabei bis zu 30.000 Menschen ermordet wurden. Duterte beschimpfte Ressa als „Betrügerin“ und drohte mehrfach, „Rappler“ dichtzumachen, indem er behauptete, das Nachrichtenportal befinde sich vollständig im Besitz von Amerikanern. Der Friedensnobelpreis für Ressa ist nicht zuletzt ein Schlag ins Gesicht für Duterte und seinen brutalen Führungsstil.

Dass sie für ihren Einsatz viel riskiert, spiegelt sich auch immer wieder in weltweiten Solidaritätsbekundungen für die zierliche Journalistin mit Kurzhaarschnitt und Brille. Unter dem Hashtag #HoldTheLine haben Journalistenverbände, Bürgerrechtsorganisationen und Schriftsteller im vergangenen Jahr eine Kampagne für Ressa und andere kritische Medien auf den Philippinen gestartet. Im Juli 2020 ernannte sie der Autorenverband PEN Deutschland zum Ehrenmitglied. Das US-Magazin „Time“ kürte sie zusammen mit anderen Reportern 2018 zur „Person des Jahres“.

Kaum Pressefreiheit auf Philippinen

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Unter welchen Bedingungen Ressa und ihre Kolleginnen und Kollegen im Inselreich arbeiten, belegen Zahlen: Auf der Rangliste der Pressefreiheit von „Reporter ohne Grenzen“ rangieren die Philippinen auf Platz 138 von 180. Schon lange gilt das Inselreich als eines der gefährlichsten Länder für Journalisten weltweit. Seit dem Sturz des Diktators Ferdinand Marcos 1986 wurden laut Nationaler Journalisten-Gewerkschaft (NUJP) mindestens 189 Reporterinnen und Reporter ermordet. Nur äußerst selten werden die Täter ermittelt.

Wiederholt erklärte Ressa, sie werde auch in Zukunft gegen jeden Angriff auf die Pressefreiheit kämpfen. Was die Auszeichnung mit dem Friedensnobelpreis für sie persönlich bedeute, wurde sie am Freitag gefragt. Ressa lachte, legte die Hände aneinander und sagte dann schlicht: „Weitermachen mit dem, was wir bisher getan haben“. Es werde zwar immer Konsequenzen geben, wenn man eine Geschichte mache, die jemand nicht möge. Aber: „Ich denke, unsere Öffentlichkeit hat erkannt, dass Rappler diese Geschichten weiter erzählen wird.“

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Welt ohne Fakten ist eine Welt ohne Wahrheit

In einem auf Youtube gestreamten und unter anderem von der BBC übertragenen Interview ihres Online-Nachrichtenportals Rappler sagte sie: „Ich denke, das zeigt, dass das Nobelpreis-Komitee realisiert hat, dass eine Welt ohne Fakten eine Welt ohne Wahrheit und Vertrauen bedeutet.“

„Wenn wir in einer Welt leben, in der Fakten umstritten sind, und in der die weltweit größten Verteiler von Nachrichten die Verbreitung von Wut und Hass priorisieren und diese schneller und weiter verbreiten als Fakten, dann wird Journalismus zu Aktivismus“, so Ressa weiter. Der Preis gebühre nicht ihr, sondern ganz Rappler - dem Nachrichtenportal, dessen Chefredakteurin Ressa ist.

RND/dpa/epd

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