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Netzstreik von Fridays for Future: Wie Corona- und Klimakrise zusammenhängen

Ein gestalteter Regenschirm bei einer Fridays-for-Future-Demo im März.

Berlin.Für Annalena Baerbock ist die Sache klar. “Wir müssen Vorsorge betreiben; das macht Corona mehr als deutlich”, sagte die Grünen-Chefin am Donnerstag dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). “Deshalb können wir jetzt nicht sagen, dass wir die Klimakrise vertagen. Wir sehen ja, wie sie weiter dramatisch voranschreitet.”

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Mit Blick auf den für Freitag geplanten Klimastreik im Netz von Fridays for Future fügte sie hinzu: “Demokratie und gesellschaftliche Debatten gehen Gott sei Dank auch zu Corona-Zeiten weiter – und das heißt auch diese Jugendbewegung. Die Klimakrise macht nicht halt, nur weil wir jetzt die Corona-Krise haben.”

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Noch vor Wochen schien es ja, als würde die Corona-Krise dem Kampf gegen die Klimakrise den Garaus machen – und damit auch ein bisschen den Grünen. Das drückte sich nicht zuletzt in den Umfragen aus, in denen die Ökopartei deutlich absackte. Mittlerweile beginnt sich das Blatt aber erneut zu wenden.

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Corona-Krise könnte Klima helfen

Das bereits aufgegebene deutsche Klimaziel 2020 wird durch Corona wieder wahrscheinlicher. Ein Grund sind die wirtschaftlichen Folgen der Pandemie.

Das hat mit der anhaltenden Dürre zu tun, die sich wie in den Vorjahren nun bereits im April andeutet und Bauern wie Waldbesitzer alarmiert. Längst brennt es in Teilen der Republik. Einen Impfstoff gegen die Klimakrise wird es nicht geben. Überdies zeichnet sich mit dem Fortschreiten der Corona-Pandemie und der Erforschung sowohl seiner Ursachen als auch seiner Folgen ab, dass zwischen Corona-Krise und Klimakrise beziehungsweise Luftverschmutzung Zusammenhänge bestehen.

Risikofaktor fehlende Artenvielfalt

Da wäre zunächst die Ursache der Virenverbreitung: das Schwinden der Artenvielfalt, neuerdings oft Biodiversität genannt. So sagte Sandra Junglen, Virologin an der Berliner Charité, im Juni 2019 in einem vom Bundesforschungsministerium veröffentlichten Interview: “Weniger Artenvielfalt bedeutet mehr Tiere einer Art. Wenn mehr Tiere einer Art im selben Lebensraum vorkommen, können sich Infektionskrankheiten zwischen den Tieren einer Art besser verbreiten. Man kann also vereinfacht sagen: Artenvielfalt könnte auch vor der Ausbreitung von Infektionskrankheiten schützen.”

Dabei spielen das Eindringen des Menschen in unberührte Ökosysteme und die Globalisierung häufig eine zentrale Rolle, so Junglen. Entsprechend hätten die ersten Ausbrüche von Gelbfieber im 16. Jahrhundert mit Rodungen des afrikanischen Regenwaldes in Zusammenhang gebracht werden können. Das Gelbfiebervirus sei bis dahin nur zwischen Stechmücken und Affen zirkuliert. Als der Mensch in deren Lebensraum vorgedrungen sei, habe es sich ausgebreitet – durch den Sklavenhandel über den Atlantik sogar bis nach Amerika.

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Unterdessen steht fest: Artenvielfalt wird nicht allein durch Rodungen begrenzt, sondern eben – darin sind sich Experten einig – auch durch die Erderwärmung, weil die Erderwärmung die Lebensgrundlagen zahlreicher Tiere zerstört.

Bei den Folgen der Pandemie sind Umwelteinflüsse offenbar ebenfalls relevant. So berichteten der britische “Guardian” und die “Süddeutsche Zeitung” zuletzt unter Berufung auf Fachleute, dass die Zahl der Corona-Toten dort besonders hoch sei, wo es eine hohe Belastung mit Stickstoffdioxiden und wegen umliegender Berge einen geringen vertikalen Luftaustausch gebe. Beides trifft auf Norditalien ebenso zu wie auf die spanische Hauptstadt Madrid.

Risikofaktor Stickstoffdioxide

Laut “Süddeutscher Zeitung” sehen auch Wissenschaftler des Umweltbundesamts (UBA) einen möglichen Zusammenhang zwischen Luftverschmutzung und der Anfälligkeit für Covid-19. In einer umfassenden Studie habe das UBA bereits 2018 dargelegt, dass hohe Belastungen durch Stickstoffdioxid vermehrt zu Herz-Kreislauf-Leiden, chronischen Atemwegserkrankungen oder Diabetes führten – eben den Vorerkrankungen, die bei einer Corona-Infektion als Risikofaktoren gelten.

Umweltministerin Schulze in RND-Videoschalte: "Gut, dass Fridays for Future weiterkämpft"

Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) spricht im Interview mit RND-Hauptstadtkorrespondentin Marina Kormbaki über Klimaschutz in der Corona-Krise.

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Die Themen Corona-Krise und Klima- beziehungsweise Umweltkrise wären somit gar nicht voneinander verschieden, sondern zwei Facetten eines größeren ökologischen Problems.

Auf einem ganz anderen Blatt steht die Antwort auf die Frage, ob sich diese Erkenntnis auch durchsetzt – oder ob die Bürger nach dem Ende der für viele existenziellen Corona-Krise von Krisendebatten erst mal die Nase voll haben. Unter anderem für die eingangs erwähnte Grünen-Chefin Annalena Baerbock hängt von der Antwort viel ab.

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