„Fridays for Future“-Studie: Sie sind jung und wollen was ändern

Teilnehmer der „Fridays for Future“-Demonstration am 22. März in Berlin.

Teilnehmer der „Fridays for Future“-Demonstration am 22. März in Berlin.

Berlin. Jung, weiblich, gebildet, politisch links – mit diesen Attributen lässt sich die „Fridays for Future“-Bewegung in Deutschland charakterisieren. Dieses Erscheinungsbild, das viele Beobachter in dieser Form vermutet haben dürften, hat eine Studie des Berliner Instituts für Protest- und Bewegungsforschung (ipb) nun bestätigt.

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Während der Demonstrationen am 15. März befragten die Forscher rund 700 Teilnehmer in Berlin und Bremen. Es ist die erste wissenschaftliche Befragung von „Fridays for Future“-Demonstranten in Deutschland überhaupt.

Für viele ist es die erste Demo

Ob er von den Ergebnissen überrascht sei, wurde Studienleiter Dieter Rucht, emeritierter Soziologieprofessor vom Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB), bei der Präsentation der Ergebnisse im Haus der Heinrich-Böll-Stiftung gefragt. Rucht reagierte ausweichend: Eine zentrale Erkenntnis sei, dass der „Politisierungsgrad“ relativ hoch sei.

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Für ein Drittel der Teilnehmenden war „Fridays for Future“ die erste Demo überhaupt. „Es sind junge Leute, die entschieden auftreten und deutlich politisch interessiert sind.“

Bereit zum Konsumverzicht

Daneben räumt die Studie mit einem zentralen Vorwurf an die jungen Demonstranten auf – die Annahme, die Schüler und Studenten freuten sich eher über den freien Tag, als tatsächlich ihr Konsumverhalten zu überdenken, wird widerlegt. 81 Prozent gaben an, gezielt Produkte aus politischen, ethischen oder ökologischen Gründen gekauft zu haben.

Und auch Verzicht gehört für sie dazu: 71 Prozent haben aus eben jenen Gründen weniger Produkte konsumiert, 40 Prozent verzichteten wegen des Klimaschutzes auf eine Flugreise. „Es ist nicht bloß der Event-Charakter – es ist den Teilnehmern Ernst. Sie sind bereit, ihren Lebensstil weitreichend zu ändern und wollen ihre Zukunft ins Hier und Jetzt tragen“, sagte Ko-Autorin Sabrina Zajak, die ebenfalls für das ipb tätig ist. Dabei glaubten sie eher daran, durch eigenes Verhalten Veränderungen herbeizuführen, als an die Lösungskompetenz von Politik und Wirtschaft.

Keine eindeutige Parteipräferenz

Wenig überraschend sind die soziodemographischen Merkmale: Fast 60 Prozent der Teilnehmenden sind weiblich, mehr als 50 Prozent sind zwischen 14 und 19 Jahre alt und streben als Schulabschluss das Abitur an. Drei Viertel der Befragten stuften sich als „links“ oder „ganz links“ ein. Auf eine bestimmte Partei sind die jungen Protestler jedoch nicht mehrheitlich festgelegt: Zwar identifizieren sich 36 Prozent mit den Grünen. 40 Prozent gaben jedoch an, keine Parteipräferenz zu haben.

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Am Ende des Vortrags scheute sich Dieter Rucht, der Bewegung ein Generationenetikett zu verpassen. Es sei eine politische Jugend, aber keine neue Generation, sagte der 73-Jährige, der sich in den vergangenen Jahrzehnten mit allen wesentlichen Protestformen befasst hat. Die entscheidende Frage nach der Langfristigkeit der „Fridays for Future“-Bewegung sieht Rucht pessimistisch. „Mit der wöchentlichen Wiederholung werden die Teilnehmerzahlen und das mediale Interesse schwinden“, vermutet er. Und fügt nach einer kurzen Pause hinzu: „Die müssen sich was einfallen lassen.“

Von Maximilian König/RND

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