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Experten raten: Fremdsprachen schon in der Kita

Spielzeug liegt in einer Kita auf dem Boden. (Symbolfoto)

Spielzeug liegt in einer Kita auf dem Boden. (Symbolfoto)

Berlin. Nur wenige Kitas bieten in Deutschland eine zweisprachige Erziehung an. Das sollte sich ändern, fordern Experten aus Wissenschaft und Wirtschaft. „Die Natur hat es uns vorgegeben, dass Kinder im Alter von zwei bis zehn Jahren am einfachsten und am schnellsten neue Sprachen lernen können“, sagt Carl Hahn, früherer Vorstandsvorsitzender von Volkswagen.

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Und das sollte genutzt werden, forderte er am Montag in Berlin bei der Vorstellung eines entsprechenden Appells. Schließlich würde die Welt weiter zusammenwachsen: Für deutsche Arbeiter würden Fremdsprachen immer wichtiger.

Auch Andreas Schleicher, Bildungswissenschaftler und Koordinator der Pisa-Studien, mahnt: „Deutschland würde über das Arbeitsleben der Kinder 4347 Milliarden Euro mehr erwirtschaften, wenn wir ein zusätzliches Kita-Jahr sinnvoll nutzen.“ Er meint damit keinen klassischen Schulunterricht in der Kita. Vielmehr sollten Muttersprachler als Erzieher arbeiten, mit denen die Kinder die Sprache lernen können, ohne es zu merken. Welche Sprache, sei dabei egal.

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Bereits in der Kita anzufangen sei wichtig, weil der Lernerfolg schon in der Schule drastisch abnehme. „Später hören wir Sprache anders. Das th im Englischen auszusprechen fällt uns schwer, weil wir es nicht so hören. Kinder können das besser“, erklärt Martin Korte, Neurobiologe und Lernforscher an der TU Braunschweig.

Durch Fremdsprachen werden Kinder flexibler

Verschiedene Studien der vergangenen Jahre haben ergeben, dass das Sprechen einer zweiten Sprache enorme Auswirkungen auf die spätere Entwicklung habe. Kinder würden ein besseres Konzentrationsvermögen entwickeln. „Ein Hund ist dann nicht mehr nur ein Hund, sondern auch ein dog“, erklärt Korte.

Permanent zwischen zwei Kodierungen zu wechseln und immer wieder die Strategien zu ändern, fördere die kognitive Flexibilität. „Studien ergaben auch, dass sich die zweisprachigen Kinder besser in andere hineinversetzen können“, so Korte. Der vordere Stirnlappen im Gehirn sei besser trainiert. Bisherige Annahmen, dass Fremdsprachen Kita-Kinder verwirren, hätten Studien nicht bestätigt.

Stattdessen würden Sprachen neue Perspektiven öffnen. Laut einer OECD-Studie hätten 15-Jährige höhere Erwartungen an ihre Zukunft, wenn sie zwei Sprachen sprechen. Auch soziale Ungleichheiten könnten so verringert werden. „Es gibt riesige Unterschiede, wenn man die Sprache nur den Eltern überlässt“, sagt Korte. Kinder aus einer Akademikerfamilie sprechen schon früh deutlich mehr Wörter als andere Kinder. In der Kita könne das aufgefangen werden.

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Erzieher müssen besser ausgebildet werden

Doch um das im Kita-Alltag umzusetzen, müsste es grundlegende Veränderungen geben. Da sind sich die Experten einig. Denn schon jetzt gibt es einen Personalmangel. „In anderen Ländern wird mehr Wert auf die Ausbildung der Erzieher gelegt“, sagt Rüdiger School von der Saxony International School (SIS) Carl Hahn. „Wir müssten junge Akademiker ausbilden, die sich um unsere Kinder kümmern. Und wir brauchen Muttersprachler in unseren Kitas.“

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