„Freiheits-Index 2022“

Umfrage: Deutsche fühlen sich wieder etwas freier – doch die Demokratieskepsis steigt

Die Montagsdemonstrationen verlieren überall in Ostdeutschland an Zulauf -War es das mit dem „Wut-Winter“?

Beim Freiheitsgefühl zeigen sich große Unterschiede zwischen Ost- und Westdeutschland.

Berlin. Das Freiheitsgefühl der Deutschen hat sich nach einem Tiefpunkt im Corona-Jahr 2021 in diesem Jahr wieder verbessert, liegt aber nach wie vor auf niedrigem Niveau: Weniger als die Hälfte der Deutschen fühlt sich vollkommen oder sehr frei. Die Identifikation mit dem Staat und die Zufriedenheit mit der Demokratie sind dagegen bundesweit auf den tiefsten Wert seit zehn Jahren gesunken.

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Das geht aus den Ergebnissen des „Freiheitsindex Deutschland 2022″ hervor, den das Institut für Demoskopie Allensbach (IfD) und das Forschungsinstitut Media Tenor an diesem Donnerstag veröffentlichen und der dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) vorab vorliegt. Für die Studie hat das IfD im November und Dezember 1006 repräsentativ ausgewählte Menschen ab 16 Jahren in Deutschland befragt.

Freiheitsgefühl: durchschnittlich 6,8 von zehn Punkten

Demnach ist der Anteil der Befragten, die ihr gegenwärtiges Leben subjektiv als vollkommen oder sehr frei empfinden, gegenüber dem Vorjahr leicht gestiegen: von 36 Prozent Ende 2021 auf nun 45 Prozent. Bei der letzten Befragung vor der Corona-Pandemie, die für den starken Rückgang des subjektiven Freiheitsgefühls verantwortlich sein dürfte, hatte der Wert mit 51 Prozent seinen höchsten Stand seit dem Jahrtausendwechsel erreicht. Eher unfrei – mit einer Selbsteinstufung von vier, drei, zwei oder eins auf einer zehnstufigen Skala – fühlen sich laut der aktuellen Umfrage 13 Prozent der Befragten.

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Der Durchschnittswert auf der Skala beträgt derzeit 6,8 von zehn Punkten, im Vergleich zu 6,4 im Vorjahr und 7,7 im Jahr 2017. Im Schnitt unterscheiden sich West- und Ostdeutschland in diesem Jahr kaum, mit 6,9 im Westen und 6,5 im Osten.

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Große Ost-West-Unterschiede

In der Einschätzung zur Frage, wie frei man in Deutschland seine politische Meinung äußern kann, gibt es dagegen große Ost-West-Unterschiede. Insgesamt ist das subjektive Gefühl der Meinungsfreiheit gegenüber dem Vorjahr leicht gestiegen, bewegt sich aber nach wie vor auf eher niedrigem Niveau.

So stimmen derzeit 48 Prozent der Befragten der Aussage zu, man könne frei reden – gegenüber 45 Prozent im Jahr 2021, aber im Vergleich zu 78 Prozent im Jahr 1990 und, bei stetigem Abwärtstrend, noch 66 Prozent im Jahr 2017. Dabei haben in Westdeutschland 52 Prozent das Gefühl, frei reden zu können, im Osten dagegen nur 34 Prozent.

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Der Aussage, man solle besser vorsichtig damit sein, seine Meinung zu sagen, stimmten bundesweit vor fünf Jahren 25 Prozent der Befragten zu, im vorigen Jahr dann 44 Prozent – nach leichtem Rückgang sind es aktuell 37 Prozent, wobei es im Westen 37 Prozent sind und im Osten 49 Prozent.

24.10.2022, Sachsen, Leipzig: Teilnehmer einer Demonstration versammeln sich mit Transparenten und Fahnen. Mehrere Hundert Menschen protestierten gegen die Energiepolitik der Bundesregierung im Zusammenhang mit dem Ukrainekrieg. Foto: Sebastian Willnow/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

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Vor allem in Ostdeutschland gehen Menschen wieder auf die Straße, gegen die hohen Energiepreise, aber auch gegen die Russland-Politik der Bundesregierung. Für Historiker, Schriftsteller oder Journalisten mit ostdeutschen Wurzeln ist das Ausdruck einer tief sitzenden Unzufriedenheit und Demokratieskepsis, die biografische sowie historische Wurzeln hat.

Im Osten fast doppelt so viele „überhaupt nicht zufrieden“

Bundesweit leicht gesunken ist die Identifikation mit dem Staat. Der Aussage „der Staat, das sind wir alle“ und dass es „an uns Bürgern liegt, wie sich Deutschland entwickelt“, stimmen insgesamt 43 Prozent der Befragten zu. Im Vorjahr waren es noch 47 Prozent, vor zehn Jahren lag die Zahl mit 37 Prozent allerdings noch tiefer als derzeit. Die Meinung „wir Bürger haben wenig Einfluss darauf, wie sich der Staat entwickelt“ vertreten derzeit 46 Prozent, etwas mehr als die 42 Prozent vom Vorjahr. Vor zehn Jahren sahen es allerdings noch 54 Prozent der Befragten so.

Sehr zufrieden mit dem Funktionieren der Demokratie in Deutschland ist bundesweit derzeit nur noch gut ein Zehntel der Befragten (12,6 Prozent) und damit der kleinste Teil seit 2006, als der Wert bei 10 Prozent lag. In Ostdeutschland gaben nur 5,5 Prozent der Befragten an, „sehr zufrieden“ zu sein, als „einigermaßen zufrieden“ bezeichneten sich 40 Prozent.

Dagegen gab bundesweit jeder Fünfte an (21 Prozent), „nicht sehr zufrieden“ mit dem politischen System zu sein – eine leichte Steigerung von 3 Prozentpunkten gegenüber dem Vorjahr und ebenfalls der höchste Wert seit 2006. Im Osten liegt dieser Wert fast doppelt so hoch wie im Westen, Gleiches gilt für die Gruppe der „überhaupt nicht“ Zufriedenen.

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