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Freiwillige sollten genauso wie gut bezahlte Soldaten kostenlos mit Bahn fahren dürfen

Bundeswehrsoldaten dürfen dienstlich und privat gratis mit der Bahn fahren. Diese Anerkennung ist dem Bund jährlich vier Millionen Euro wert. Der Dank für den Dienst an der Gesellschaft gerät so in eine Schieflage, kommentiert Thoralf Cleven.

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Bundesverteidigungsministerium Annegret Kramp-Karrenbauer feiert die Einführung kostenloser Bahnfahrten für uniformierte Bundeswehrsoldaten als ersten großen Erfolg. Die CDU-Chefin argumentiert, Bundeswehrsoldaten würden nun endlich den Respekt und den Dank erhalten, den sie mit dem Dienst am Vaterland verdienten.

Verkehrsminister Scheuer sprach von einem „Herzensanliegen“ und CSU-Landesgruppenchef Dobrindt lobt die neue Sichtbarkeit der Soldaten in der Gesellschaft, die - unbezahlbarer Gratis-Nebeneffekt - automatisch das Sicherheitsgefühl der Bürger stärken werde. Bahnchef Lutz empfindet das Vorhaben schließlich als „Zeichen der Wertschätzung“. Das ist nicht verwunderlich, denn dem Bund als Eigentümer ist das vier Millionen Euro wert, die jährlich auf das Bahn-Konto fließen.

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Den wortgewaltigen Begründungen kann bestimmt zustimmen, wer kein Pazifist ist. Allerdings ist die Frage politische Debatten wert, was denn mit den Millionen anderen Menschen ist, die sich überall als unbezahlte Alltagshelfer an der Gesellschaft verdient machen. Von 82 Millionen Deutschen engagieren sich immerhin 30 Millionen ehrenamtlich. Hätten sie neben den vielen lobenden Worten nicht auch eine Anerkennung in Form von Gratis-Tickets verdient?

Ja, und was ist mit den 100.000 Freiwilligen, die im Bundesauftrag als Bufdis am Gemeinwohl arbeiten und dafür 400 Euro Taschengeld und Fahrten mit Azubi-Tarif erhalten. Wäre hier nicht mehr drin?

Gerechtigkeit fühlt sich anders an. Die Bundeswehr ist eine Berufsarmee und die Besoldung nicht die schlechteste. Der Dienst der Soldaten ist auch mindestens so respektiert wie der der Freiwilligen, der Ehrenamtler - und der völlig unterbezahlten Beschäftigten in sozialen Berufen wie der Pflege zum Beispiel. Wer sorgt hier für materielle Privilegien? Das sind die Alten oder Pflegebedürftigen: mit Blumen und einer Schachtel Pralinen.

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