Frauenproblem der FDP: Keine Engel mehr für Lindner

  • Mit dem angekündigten Rückzug von Katja Suding aus der Politik wird das Frauenproblem der FDP eklatant.
  • Parteichef Christian Lindner muss sich schleunigst etwas einfallen lassen, um das zu ändern, fordert unser Kommentator Andreas Niesmann.
  • Andernfalls droht den Liberalen bei der Bundestagswahl im kommenden Jahr ein böses Erwachen.
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Berlin. Den Ruf, eine sehr männlich geprägte Partei zu sein, hat die FDP nicht erst seit Rainer Brüderle. Immer wieder haben die Liberalen versucht, diesem Image etwas entgegenzusetzen. Das Bemühen ging mitunter nach hinten los, etwa 2015, als sich drei aufstrebende FDP-Frauen für die Zeitschrift “Gala” in Karatepose ablichten ließen und das Klatschblatt dazu in Anlehnung an die US-Kultserie “Drei Engel für Charlie” die Überschrift “Drei Engel für Lindner” wählte. Drei Frauen, die brav und ohne Widerspruch die Aufträge eines Mannes ausführen – für welches Gesellschaftsbild sollte das bitte stehen?

Der Karriere der drei Frauen hat der schräge Auftritt nicht geschadet. Sowohl Lencke Steiner in Bremen als auch Katja Suding in Hamburg fuhren als Spitzenkandidatinnen bei den Landtagswahlen gute Ergebnisse ein. Und die damalige Generalsekretärin Nicola Beer wurde später Spitzenkandidatin für das Europaparlament.

Gescheitert sind die drei Frauen nicht an ihrer Lust zur Inszenierung – sondern an ihrer Partei. Die FDP tut sich nach wie vor schwer damit, Frauen zu fördern, sie einzubinden und ihnen eine Perspektive zu bieten. Steiner, die inzwischen Wischhusen heißt, verpasste 2017 den Einzug in den Bundestag. Sie ist zwar noch Fraktionsvorsitzende der FDP in der Bremischen Bürgerschaft, im Bund allerdings kaum präsent.

Eine Partei, die keine Frauen will und in der Frauen nichts mehr wollen

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Europaspitzenkandidatin Beer wurde bei der Wahl zur stellvertretenden Parteichefin mit miserablen 59 Prozent von den eigenen Leuten regelrecht gedemütigt – und das nur einen Monat vor der Europawahl. Und Katja Suding hat nun angekündigt, der Politik komplett den Rücken kehren zu wollen.

In Kombination mit der von Parteichef Christian Lindner zum Rückzug gedrängten Generalsekretärin Linda Teuteberg ergibt sich ein verstörendes Bild: Die FDP wirkt wie eine Partei, die keine Frauen will und in der Frauen nichts mehr wollen.

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Die Liberalen sind gut beraten, dieses Bild beim Parteitag in der übernächsten Woche zu korrigieren. Frauen machen mehr als die Hälfte der Wählerschaft aus.

Lindner wird bei der Bundestagswahl im kommenden Jahr begründen müssen, warum Wählerinnen eine Partei wählen sollen, in der das Geschlechterverhältnis bei vier Männern zu einer Frau liegt und in deren Führungsgremien Frauen nicht nur unterrepräsentiert sind, sondern nach dem Rückzug von Teuteberg und Suding praktisch gar nicht mehr vorkommen.

Drei Engel werden dafür nicht ausreichen. Und selbst die hat Lindner gerade nicht mehr im Angebot.

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