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Frauen-Union-Chefin Widmann-Mauz fordert Verbot von Prostitution

Die Vorsitzende der Frauen-Union der CDU und Integrationsstaatsministerin, Annette Widmann-Mauz.

Berlin.Die Frauen-Union fordert mit ihrem Leitantrag, dass der nächste Bundestag die Parlamentsarbeit modernisiert und Maßnahmen für eine gleichberechtigte Repräsentanz von Frauen und Männern für die Bundestagswahl 2025 beschließt. Sollte es doch ein Paritätsgesetz auf Bundesebene geben?

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Es ist niemandem damit geholfen, Paritätsgesetze auf den Weg zu bringen, die vor dem Verfassungsgericht scheitern, wie es in Thüringen und Brandenburg geschehen ist. Das schadet dem Anliegen. Die kürzlich eingesetzte Wahlrechtskommission des Bundestags muss die Rechtslage gründlich prüfen. Es geht aber auch darum, den mit vielen Hürden für Frauen gepflasterten Weg bis an die Spitze der Politik einladender zu machen.

Wie denn?

Wir haben neue Möglichkeiten durch die Digitalisierung. Man muss nicht physisch präsent sein, um sich an Debatten oder Sitzungen zu beteiligen. Das spart Zeit. Die Strukturen sind dafür auch in der Union aber noch nicht optimal. Wir müssen moderner werden.

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Klar ist, die Bereitschaft schwindet, lebenslang seine komplette Freizeit ehrenamtlichem politischem Engagement zu widmen. Das Interesse besteht mehr an fokussierter, auch punktueller Mitarbeit. Gerade Frauen arbeiten ziel- und ergebnisorientiert. Lange, polarisierende und zum Teil auch persönlich verletzende und ermüdende Debatten, die zu nichts führen, schrecken sie ab. Das macht keine Lust auf Parteiarbeit. Daran müssen wir arbeiten.

Die Frauen-Union fordert auch Parität in der Bundesregierung. Die CSU hat in dieser Wahlperiode ihre drei Ministerposten ausschließlich mit Männern besetzt. Kann sich Ihre Schwesterpartei das noch einmal leisten?

Ich bin überzeugt, das hat auch die CSU an ihrer Spitze erkannt. Dass sich das nicht wiederholen wird, hat Markus Söder auch bereits entsprechend formuliert. Das ist eine Frage der Glaubwürdigkeit. Aber zuerst einmal müssen wir die Wahl gewinnen.

Warum läuft der Wahlkampf der Union mit ihrem Kanzlerkandidaten Armin Laschet so schlecht?

Wir haben noch gut vier Wochen bis zur Bundestagswahl. Bisher haben oft Oberflächlichkeiten die Debatten bestimmt. Wir werden Programm und Person zusammenbringen und die Differenzen zur SPD herausstellen, die gerade so tut, als wäre sie vier Jahre in der Opposition und nicht am Kabinettstisch gewesen.

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Bei der Finanzpolitik macht sie großmundig Versprechungen und schwingt gleichzeitig die große Steuerkeule mit Vermögenssteuer und Abschaffung des Ehegattensplittings. Wir halten dagegen mit soliden Finanzen und Entlastungen für die Familien.

Die CDU hatte eine große Chance, mit Annegret Kramp-Karrenbauer nach Angela Merkel wieder eine Frau zur Kanzlerkandidatin zu machen – bis sie als Parteivorsitzende zurückgetreten ist. Bedauern Sie das?

Es ist, wie es ist. Es macht keinen Sinn mehr, zurückzuschauen. Wir haben mit Armin Laschet einen Kanzlerkandidaten, dem man Gleichberechtigung nicht erklären muss. Er hat in seiner DNA, welche Bedeutung die Frauen für die Entwicklung der Gesellschaft haben.

Die Frauen-Union will „perspektivisch“ ein Sexkaufverbot. Sie wollen also nicht nur Zwangs­prostitution unterbinden, sondern das älteste Gewerbe der Welt, die Prostitution, ganz verbieten. Warum?

Ja, denn die Frage ist doch, ob der Staat die Würde der Frau und ihr Intimstes zur legalen Ware macht. Oder ob klar sein muss, dass der Körper – und die Seele – der Frau nicht käuflich ist. In den meisten Fällen wählen Frauen dieses sogenannte älteste Gewerbe der Welt doch gar nicht freiwillig.

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In Wahrheit bildet die angemeldete Prostitution nur einen Bruchteil der realen Verhältnisse ab. Und auch dort werden Frauen erniedrigt, gedemütigt, entwürdigt – und das ist durch ein Gesetz auch noch rechtlich abgesichert. Wir wollen in einem ersten Schritt den Sexkauf von Schwangeren und Frauen unter 21 Jahren verbieten und dafür die Freierbestrafung erweitern. Die Frauen wollen wir auf ihrem Weg aus der Prostitution deutlich besser unterstützen.

Gibt es Umschulungsprogramme?

Viele Frauen sind schwer traumatisiert und benötigen zunächst gesundheitliche und psychologische Betreuung. Manche Prostituierte sind auch drogenabhängig. Es braucht daher sehr individuelle Konzepte und Angebote für neue berufliche Perspektiven.

Sie werben in Ihrem Antrag für Geschlechtersensibilität. Dass Frauen häufig geringere Einkommen haben, während der Pandemie in alte Rollenmodelle gedrängt wurden und sexualisierter Gewalt im Netz ausgesetzt seien, sei kein „Gender-Gaga“. Gibt es denn etwas, was Ihrer Ansicht nach Gender-Gaga ist. Gendersprache?

Sprache transportiert Sichtweisen und Haltungen. Sie hilft, zu verstehen und verstanden zu werden, sich wahr- und mitgenommen zu fühlen. Nicht jede Frau fühlt sich generell vom generischen Maskulinum angesprochen. Ich auch nicht. Wenn Politiker- oder Ingenieurinnen nicht explizit genannt werden, könnte man auch auf die Idee kommen, es gäbe gar keine.

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Und umgekehrt ist die Medizin längst überwiegend weiblich. Daher ist es nur sachgerecht, auch von Ärztinnen zu sprechen. Wir sollten dabei aber gelassen bleiben, nichts von oben herab verordnen und uns auch nicht künstlich verrenken. Denn zur Akzeptanz gehört auch, dass noch alle verstehen, worum es eigentlich geht.

Ein Beispiel?

Mit Gästinnen und Mitgliederinnen tue ich mich schwer. Wenn ich mir nicht sicher bin, wie jemand angesprochen sein will, dann frage ich die jeweilige Person. Das macht es für alle einfacher.

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