Das Drama um den Doktortitel: Franziska Giffeys Flucht nach vorn

  • Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) will ihren Doktortitel nicht mehr führen.
  • Das ist in dem Drama um abgeschriebene Textstellen, aber auch um unstete Universitätsentscheidungen ein kluger Schritt.
  • Alle Probleme Giffeys löst er aber nicht, kommentiert Tobias Peter.
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Berlin. Franziska Giffey zieht die Notbremse – und tut das, was sie schon lange hätte tun sollen. Sie verzichtet darauf, künftig ihren Doktortitel zu führen. Das ist der bestmögliche Schritt in einer furchtbar verfahrenen Situation. Denn die Bundesfamilienministerin, die Vorsitzende der Berliner SPD und auch Kandidatin für das Amt der Regierenden Bürgermeisterin werden will, ist durch ihre Doktorarbeit ein weiteres Mal politisch in die Bredouille geraten.

Das Problem mit der Rüge

Giffey hat in ihrer Doktorarbeit andere Autoren zitiert, ohne dies kenntlich zu machen. Während die Freie Universität Berlin (FU) im vergangenen Jahr prüfte, wie sie mit Giffeys Fehlverhalten umgehen soll, hatte die SPD-Politikerin sogar den Rücktritt vom Ministeramt angekündigt, falls ihr der Titel aberkannt werde. Das Verfahren endete mit der scheinbaren Rettung: Die Universität entzog der Ministerin den Titel nicht, sprach ihr aber eine Rüge aus.

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Dennoch blieben Zweifel, ob eine Rüge in einem solchen Fall überhaupt rechtlich zulässig ist. Und zuletzt kam das Präsidium der Freien Universität zu dem Schluss, das Verfahren müsse neu aufgerollt werden. Denn zulässig sei eine Rüge laut diverser Rechtsgutachten bestenfalls in einem minderschweren Fall. Das war ein klarer Fingerzeig an Giffey, dass ihr der Titelentzug droht. Denn es bedeutet: Das FU-Präsidium hält den Fall offenkundig nicht für minderschwer.

Dass Giffey ihren Doktortitel jetzt nicht mehr führen will, ist also die Flucht nach vorn. Wahr ist aber auch: Einen Doktortitel kann man nicht ablegen. Er wird von der Universität verliehen – und nur sie entscheidet über die Aberkennung.

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In der Berliner SPD müssen sie jetzt also dringend darüber reden, ob sie mit einer Kandidatin in den Wahlkampf ziehen wollen, der noch immer der Entzug des Doktortitels droht. Es kann hinterher niemand sagen, er hätte von dieser Gefahr nichts gewusst.

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