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Frankreichs Trauma: erschütternde Hilflosigkeit in einem gespaltenen Land

  • Nahe Paris wird der Geschichtslehrer Samuel Paty bei einer terroristischen Attacke brutal ermordet.
  • Die grausame Tat weckt das Trauma der Franzosen erneut, kommentiert RND-Korrespondentin Birgit Holzer.
  • Seit fünf Jahren kommt das Land nicht zur Ruhe.
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Das Jahr 2015 hallt derzeit auf fürchterliche Weise in Frankreich nach. Es war das Terrorjahr, das im Januar mit den mörderischen Attacken auf das Satiremagazin „Charlie Hebdo“ und einen jüdischen Supermarkt begann und mit der Anschlagsserie in Paris auf ein Fußballstadion, die Konzerthalle Bataclan sowie mehrerer Café-Terrassen im November endete. 147 Menschen fielen in dem Jahr dem Terror zum Opfer, hunderte wurden teils schwer verletzt.

Jetzt kehrt das Entsetzen von damals zurück, das bedrohliche Gefühl, Extremisten in ihrem Wahn könnten jederzeit, überall und mit unfassbarer Brutalität erneut zuschlagen, auch wenn sie heute weniger in organisierten Netzwerken agieren.

„Charlie Hebdo“: Attacke vor ehemaliger Redaktion

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Vor drei Wochen griff ein 25-jähriger Pakistaner vor dem ehemaligen Redaktionsgebäude von „Charlie Hebdo“ zwei junge Journalisten mit einem Fleischermesser an und verletzte sie schwer. Die beiden machten einfach nur eine Zigarettenpause, hatten nichts mit „Charlie Hebdo“ zu tun – und wurden zufällige Opfer eines Fanatikers, der einmal mehr ein Symbol treffen wollte, ohne mitbekommen zu haben, dass die Redaktion der Satirezeitung längst woanders arbeitet.

Vermutlich reagierte er auf den derzeit stattfindenden Prozess um die Terroranschläge von Januar 2015, die den damaligen Horror wieder auf die Tagesordnung bringen. Daran, das ehemalige Gebäude für die Zeit der Aufsehen erregenden Verhandlungen polizeilich zu schützen, hatte keiner gedacht. Ein Fehler.

Nun enthauptete ein 18-jähriger Tschetschene im ruhigen Örtchen Conflans-Sainte-Honorine den Lehrer Samuel Paty, der in einer Unterrichtsstunde Mohammed-Karikaturen gezeigt, damit den Zorn einiger muslimischer Schüler und Eltern auf sich gezogen hatte, und derart angegriffen worden war, dass er schließlich Klage wegen Diffamierung und falschen Anschuldigungen einreichte.

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Auch bei diesem Mordfall kannte der Täter sein Opfer nicht, bezog sich wohl lediglich auf Informationen aus den sozialen Netzwerken – und ließ sich treiben von einem unvorstellbaren Hass auf ein Land, das ihn und seine Familie als Flüchtlinge aufgenommen und ihm den Schulbesuch ermöglicht hatte, dessen Gebot von der Meinungs- und Religionsfreiheit er aber nicht respektierte.

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Wohl weil die Gefahr unterschätzt worden war, hatte Paty keinen Schutz, anders als die 16-jährige Mila, die Anfang des Jahres untertauchen musste, nachdem sie im Internet den Propheten Mohammed beleidigt und Todesdrohungen erhalten hatte.

Fünf Jahre voll Angst und Wut

So entschlossen und fest die politisch Verantwortlichen bei der Verurteilung dieser Vorfälle auch auftreten, ihre Appelle an den Zusammenhalt, ihre Versicherungen, solche Brutalitäten nicht durchgehen zu lassen, klingen erschütternd hilflos.

Erst Anfang Oktober hat Präsident Emmanuel Macron im Pariser Vorort Les Mureaux, keine 20 Kilometer von Conflans-Sainte-Honorine entfernt, eine flammende Rede zum Kampf gegen Separatismus, also der religiösen oder kulturellen Abtrennung mancher Bevölkerungsgruppen, gehalten. Doch dass sein Plan nachhaltig die Menschen dauerhaft miteinander versöhnen wird, muss leider bezweifelt werden.

Frankreich ist seit 2015 nicht zur Ruhe gekommen. Es spaltet sich in Gruppen auf, die einander feindselig und misstrauisch gegenüberstehen. Die Lösung kann nur Bildung und Erziehung sein – die Erziehung zu gemeinsamen Regeln für alle, dazu gehört der Respekt der Andersdenkenden und -glaubenden. Dafür, dass er dies als Selbstverständlichkeit einforderte, hat Samuel Paty mit dem Leben bezahlt.

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