In Frankreich erfolgreich: Einstieg in Zug oder Bus nur mit dem „Gesundheitspass“

  • Bereits seit August gilt in Frankreich in Fernzügen und Fernbussen die 3G-Regel.
  • Die Maßnahme hat im Nachbarland ihren Praxistest bestanden.
  • Im Grunde handelt es sich beim „Gesundheitspass“ quasi um eine Impfpflicht für alle.
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Paris. Mehrmals täglich fährt ein Thalys-Zug aus Brüssel in den Nordbahnhof von Paris ein. Zügig strömen die Menschen kurz darauf aus den Waggons, doch seit kurzem staut es sich häufig am Ausgang. Der Grund: Hier stehen Polizisten, um den „Gesundheitspass“ der Passagiere zu kontrollieren, die von Belgien nach Frankreich einreisen.

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Ihn besitzen alle, die eine vollständige Impfung, die Kombination aus Genesung und einer Impfdosis oder einen negativen Coronatest, der höchstens 72 Stunden alt ist, vorweisen können. Es handelt sich um das französische Äquivalent zur 3G-Regel. Coronatests waren in Frankreich lange kostenlos, müssen aber seit dem 15. Oktober aus der eigenen Tasche bezahlt werden.

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Eingeführt wurde die Maßnahme in Frankreich bereits am 9. August. Den „Gesundheitspass“ brauchen demnach alle, die in Frankreich ein Restaurant oder Café, ein Museum oder Theater betreten sowie ein Flugzeug, einen Fernbus oder Fernzug besteigen wollen. Wer sich verweigert, riskiert eine Geldbuße von mindestens 135 Euro.

Regionalverkehr ausgeschlossen

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Der Personennahverkehr von U-Bahnen über Busse bis zu Regionalzügen ist von der Regel ausgeschlossen. Hier reicht es weiterhin, einen Mund-Nasen-Schutz zu tragen.

Nicht immer ist es die Polizei, die den „Gesundheitspass“ der Reisenden überprüft. Oft übernehmen dies auch die Zugführer. Dem französischen Transportminister Jean-Baptiste Djebbari zufolge werden in einem Viertel aller betroffenen Züge Kontrollen durchgeführt – das sind pro Woche 800 Züge, in denen insgesamt ungefähr 200.000 Personen sitzen.

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Kontrollen vorm Einstieg

„Zwischen 97 und 99 Prozent der Passagiere weisen einen gültigen Gesundheitspass vor, das heißt insgesamt gibt es jeweils drei oder vier Passagiere, die keinen besitzen“, so Djebbari. Im Schnitt gelinge es in der Folge, zwei von ihnen zu einem Schnelltest in einer Apotheke zu bewegen und den Verweigerern würde das Ticket erstattet. Insgesamt handele es sich um „eine Vorrichtung, die funktioniert“.

Die Kontrollen finden meistens nicht im Zug, sondern direkt beim Einstieg statt, gleichzeitig mit jener der Fahrscheine. In großen Kopfbahnhöfen wie in Paris gibt es Schranken am Beginn der Bahngleise. Ein freies Einsteigen in die Züge ist hier ohnehin nicht möglich.

Impfpflicht für alle

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Im Grunde handelt es sich beim „Gesundheitspass“ quasi um eine Impfpflicht für alle, die ein soziales Leben führen oder die teilweise einfach ihren Beruf als Pflegekraft oder Bedienung in einem Restaurant weiter ausüben wollen. Doch 62 Prozent der Franzosen befürworten ihn – die Zahl ist mit der Zeit kontinuierlich gewachsen.

Die Minderheit der Gegner machte sich vor allem bei Einführung der Maßnahmen laut hörbar. Ab Ende Juli demonstrierten sie jeden Samstag gegen die Regeln, die sie als Beschränkung ihrer persönlichen Freiheit ansehen. Bis zu 237.000 Menschen gingen landesweit auf die Straße, doch inzwischen handelt es sich nur noch um einen zahlenmäßig geringen harten Kern.

Der „Gesundheitspass“ hat dazu geführt, dass das Land inzwischen mit 75 Prozent an vollständig Geimpften über elf Jahren eine vergleichsweise hohe Impfquote aufweist – obwohl die Franzosen lange als skeptischer galten als alle ihre Nachbarn. Zugleich verzeichnete Frankreich bis zuletzt noch relativ niedrige Inzidenzraten.

Inzidenzen steigen

Diese steigen aber seit einigen Tagen stark an. In 21 der insgesamt 101 Departements sind mehr als 100 pro 100.000 Einwohner infiziert und neue Maßnahmen wie ein Lockdown der Ungeimpften werden diskutiert.

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Ab Anfang Dezember können sich alle über 50-Jährigen eine Auffrischungsimpfung verabreichen lassen und ab dem 15. Dezember ist diese für alle über 65-Jährigen Pflicht – ansonsten wird ihr „Gesundheitspass“ desaktiviert.

Das derzeit geltende Gesetz zum „Gesundheitspass“ wurde bis zum 31. Juli 2022 verlängert. Die Regierung kann diesen zwar vorher aussetzen. Zumindest momentan erscheint dies aber sehr unwahrscheinlich.

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