• Startseite
  • Politik
  • Frankreich: Grünen-Partei EELV hofft auf „grüne Welle“ in Europa

Der Ehrgeiz von Frankreichs Grünen

  • Bei der französischen Grünen-Partei EELV will man sich von der Aufbruchs­stimmung der deutschen Grünen mitreißen lassen.
  • Sie hoffen auf eine „grüne Welle“ in Europa.
  • Drei Bewerber und zwei Bewerberinnen gibt es für die parteiinterne Kandidatenkür vor der Präsidentschafts­wahl 2022.
|
Anzeige
Anzeige

Paris. Sie wollen an eine „grüne Welle“ in Europa glauben: Nachdem die Grünen in Deutschland mit viel Ehrgeiz zum Sprung an die Macht ansetzen, hoffen manche in Frankreichs grüner Partei Europe Écologie – Les Verts (EELV), dass auch bei ihnen die Zeit für mehr Verantwortung kommt.

Für die Kandidatenkür vor der Präsidentschaftswahl im April 2022 hält EELV Ende September Primärwahlen ab. Drei Bewerber und zwei Bewerberinnen gibt es bereits.

Der Bekannteste von ihnen ist der Europa­abgeordnete Yannick Jadot. In der Öffentlichkeit tritt er als heimlicher Parteichef auf, seit er bei den Europawahlen 2019 als Listenführer mit 13,5 Prozent den dritten Platz erreicht hat.

Anzeige

Bewerber Jadot betont seine Nähe zu den deutschen Grünen

Der 53-Jährige betont seinen Pragmatismus und seine Nähe zu den deutschen Grünen, reiste zu deren Parteitag am 12. Juni. Nicht für alle in der Parteibasis ist dies jedoch ein Argument für den Realo. Denn in Frankreich, wo sich die Grünen am linken Rand verorten, wäre eine Zusammenarbeit mit den Bürgerlich-Konservativen undenkbar, würde als Verrat an den eigenen Idealen gesehen.

Vor fünf Jahren gewann Jadot die Primärwahlen seiner Partei, reihte sich aber hinter den sozialistischen Präsidentschafts­kandidaten Benoît Hamon ein, um dessen Chancen zu erhöhen. Hamon erhielt dann aber nur 6,3 Prozent der Stimmen.

Anzeige

Jadot will linke Kräfte zusammen­bringen

Heute sagt Jadot, er wolle selbst „alle linken Kräfte zusammen­bringen, die erkannt haben, dass die Frage der Ökologie zentral ist“. Die Gefahr, dass sich die Stimmen von Links- und Grün-Wählern auf mehrere Kandidaten verteilen, die allesamt die zweite Runde verpassen, besteht. Der Führungs­anspruch von EELV ist aber mit den jüngsten Wahlerfolgen gewachsen.

Anzeige

Bei den Regionalwahlen im Juni legte die Partei zu, bei den Kommunalwahlen 2020 konnte sie landesweit rund 20 Rathäuser erobern. Seitdem stellen sie die Bürgermeister in großen Städten wie Lyon, Bordeaux und Straßburg. In Paris und Marseille regieren sie mit den Sozialisten.

Bürgermeister von Grenoble gilt als Hauptrivale

Grenoble bekam 2014 als erste Stadt mit mehr als 100.000 Einwohnerinnen und Einwohnern einen grünen Bürgermeister: Éric Piolle kandidiert ebenfalls für die Präsidentschafts­wahl und gilt als Jadots Hauptrivale. Piolle vertritt den linken Parteiflügel und steht für einen radikalen Systemwechsel mit der Kritik am liberalen Wirtschafts­system.

Anzeige

Er befürwortet systematische Bürger­befragungen, eine grüne Energiewende und den Atomausstieg und die Zusammenarbeit mit der Partei Widerspenstiges Frankreich des Linkspopulisten Jean-Luc Mélenchon.

Der Tag Was heute wichtig ist. Lesen Sie den RND-Newsletter “Der Tag”.

Daneben bewerben sich der wenig bekannte, für eine „grüne Politik der Mitte“ eintretende Jean-Marc Governatori sowie die Universitäts­professorin und Feministin Sandrine Rousseau, die unter anderem für mehr Rechte für die Natur und ein Grundeinkommen eintritt. Gerade hat zudem Delphine Batho, Ex-Umweltministerin in der sozialistischen Regierung von François Hollande, ihre Kandidatur angekündigt.

Hollande entließ sie nach gut einem Jahr im Amt, weil sie öffentlich Budgetkürzungen für ihr Ressort kritisiert hatte. Sie stehe für die „ökologische Regulierung der Marktwirtschaft“, so Batho. Ihre Partei könne die zweite Runde der Präsidentschafts­wahlen erreichen, wenn sie „an ihrer Glaubwürdigkeit und Regierungskultur arbeitet“. Dass sie und Rousseau ihre Parteifreunde überzeugen, gilt jedoch als unwahrscheinlich. Anders als bei den deutschen Grünen wird parteiintern weniger konsequent auf Gleichstellung der Frauen geachtet.

  • Laden Sie jetzt die RND-App herunter, aktivieren Sie Updates und wir benachrichtigen Sie laufend bei neuen Entwicklungen.

    Hier herunterladen