Fragen und Antworten: Warum Francos Leichnam exhumiert wird

  • Die Überreste des spanischen Diktators Francisco Franco werden umgebettet.
  • Der Vorgang ist vielfach kritisiert worden, aber für viele Spanier wird damit auch eine jahrzehntelange Hoffnung erfüllt.
  • Sie sehen Francos Mausoleum als Affront gegen Opfer des Bürgerkriegs.
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Die Umbettung der Überreste des spanischen Diktators Francisco Franco findet am (heutigen) Donnerstag statt. Von einem großen Mausoleum im sogenannten Tal der Gefallenen wird sein Leichnam in ein privates Grab überführt. Die Umbettung ist vielfach kritisiert worden, aber für viele Spanier wird damit auch eine jahrzehntelange Hoffnung erfüllt. Sie sehen dessen Mausoleum als Affront gegen Opfer des Bürgerkriegs. Die Exhumierung dürfte kein Ende der Debatte über Franco und dessen Auswirkungen auf die heutige Politik bedeuten. Erst recht nicht, da am 10. November erneut Parlamentswahlen anstehen.

Wer war Franco?

Nach dem Ende des Bürgerkriegs 1939 herrschte Franco bis 1975 über Spanien. Gemeinsam mit anderen Offizieren hatte er 1936 einen militärischen Aufstand gegen die spanische demokratische Regierung angeführt, was drei Jahre Krieg nach sich zog. Als überzeugter Katholik sah Franco den Krieg und die Sicherstellung der Diktatur in gewisser Weise als Kreuzzug gegen Anarchisten, Linke und säkulare Tendenzen in Spanien. Seine autoritäre Herrschaft isolierte Spanien politisch, wirtschaftlich und kulturell praktisch fast 40 Jahre.

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Drei Jahre nach seinem Tod 1975 kehrte Spanien zurück zur Demokratie. Die Popularität des Diktators hat in den vergangenen Jahren zwar drastisch abgenommen. Allerdings ist die Exhumierung seines Leichnams von Francos Angehörigen, drei rechtskonservativen Parteien und einigen Katholiken als Öffnung alter Wunden kritisiert worden.

Warum geschieht die Umbettung der Überreste jetzt?

Das Oberste Gericht Spaniens erlaubte die Exhumierung im September, nachdem Francos Angehörige monatelang dagegen vorgegangen waren. Grundlage der Umbettung sind Änderungen an einem Gesetz von 2007, das den geschätzt 100 000 Opfern des Bürgerkriegs und der Franco-Ära Entschädigung bieten soll. Mit dem Gesetz wurde die Bettung von Francos Überresten an einem öffentlichen Platz verboten, der ihn als politische Figur hervorhebt.

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Leichnam von Spaniens Ex-Diktator Franco umgebettet
1:14 min
Mehr als vier Jahrzehnte nach seinem Tod ist der Leichnam des früheren spanischen Diktators Francisco Franco nun umgebettet worden, auf einen Staatsfriedhof.  © AFP
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Wer ist dabei?

Die spanische Regierung hat die Umbettung als privat deklariert. 22 Familienmitglieder dürfen teilnehmen, aber lediglich zwei werden tatsächlich zum Zeitpunkt der Exhumierung in dem Mausoleum sein. Anwesend sind außerdem Justizministerin Dolores Delgado und andere Regierungsvertreter.

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Anschließend begleiten die Angehörigen den Sarg zu einem Platz, wo auch TV-Kameras aufgebaut sind, um die weitere Überführung festzuhalten. Ein Bestattungswagen wird den Sarg zu einem von zwei wartenden Hubschraubern bringen. Falls das Wetter einen Transport in der Luft nicht zulässt, geht es per Autofahrt weiter zu der neuen Ruhestätte, dem Friedhof Mingorrubio. Dort findet eine Andacht in der Familiengruft statt.

Neben wem wird Franco beigesetzt?

Francos Familie wollte ihn in der Almudena-Kathedrale in Madrid beisetzen, aber die spanische Regierung befürchtete, der Ort könne zu einer neuen Pilgerstätte für Faschisten werden. Stattdessen wird er nun neben seiner Frau Carmen in der Gruft bestattet.

Politische Relevanz

Normalerweise würde die Exhumierung von Francos Gebeinen wohl die Umfragewerte der Sozialisten steigern. Aber Spanien wird derzeit von dem innenpolitischen Konflikt in Katalonien bestimmt. Der geschäftsführende Ministerpräsident Pedro Sánchez ist beschuldigt worden, zu lasch mit der Unabhängigkeitsbewegung umgegangen zu sein, um wiederum Unterstützung im Parlament zu erhalten. Die Katalonienfrage ebenso wie die Exhumierung Francos haben dem spanischen Nationalismus Aufwind gegeben. Vor der Parlamentswahl könnte das die rechtskonservativen Parteien stärken.

RND/AP