• Startseite
  • Politik
  • Foltervorwürfe gegen türkische Soldaten: Kurde stirbt nach Festnahme - Behörden wird Vertuschung vorgeworfen

Foltervorwürfe gegen türkische Soldaten: Mann stirbt nach Festnahme

  • Der türkische Abgeordnete Ahmet Sik hat türkische Soldaten für den Tod eines Kurden verantwortlich gemacht - und den Behörden Vertuschung vorgeworfen.
  • Demnach haben die Streitkräfte ihn und einen anderen Mann nach der Festnahme gefoltert.
  • Der Fall steht im Zusammenhang mit einem Zusammenstoß zwischen Soldaten und Mitgliedern der PKK.
Anzeige
Anzeige

Istanbul. Im Zusammenhang mit dem Tod eines Mannes nach seiner Verhaftung hat der türkische Abgeordnete Ahmet Sik schwere Vorwürfe gegen türkische Soldaten erhoben. Der Mann und ein gemeinsam mit ihm Festgenommener hätten schwere Folter von Seiten der Sicherheitskräfte erlitten, sagte Sik am Montag bei der Vorstellung eines Berichts zu dem Vorfall im türkischen Parlament in Ankara.

Den Behörden warf der unabhängige Abgeordnete Vertuschung vor. Auch Menschenrechtler üben Kritik.

Die zwei Männer waren verschiedenen Berichten zufolge am 11. September festgenommen worden, nachdem es zu Zusammenstößen zwischen Angehörigen der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK und Soldaten in der südöstlichen Provinz Van gekommen war. Beide seien in einen Helikopter gebracht und geschlagen worden, so Sik.

Anzeige

Mann stirbt nach 20 Tagen im Koma

Nach der Landung habe man die Männer aus dem Helikopter gestoßen und erneut geschlagen und getreten. Beide seien dann in Krankenhäuser eingeliefert worden. Dem medizinischen Personal habe man gesagt, die Männer seien Terroristen und verletzt worden, als sie versucht hätten, aus dem Helikopter zu entkommen.

Dem Bericht zufolge hätten die mutmaßlichen Täter eine „offizielle Lüge“ erfunden, um Stunden der Folter und des „kollektiven Lynchens“ zu verheimlichen. Der Mann sei nach 20 Tagen im Koma an den Folgen seiner Verletzungen gestorben, der zweite werde weiterhin in einem Krankenhaus behandelt.

Für den Bericht habe er unter anderem mit dem Überlebenden und weiteren Augenzeugen gesprochen, so Sik. Von offizieller Seite habe er keine Informationen einholen können.

Anzeige

Human Rights Watch fordert schnelle Aufklärung

Laut Human Rights Watch (HRW) seien die zwei Kurden zwei Stunden nach ihrer Verhaftung ins Krankenhaus eingeliefert worden. Die türkischen Behörden müssten unverzüglich, effektiv und transparent aufklären, wie die beiden Männer in Gewahrsam so schwer verletzt wurden konnten und wie einer der Männer sterben konnte, so die Menschenrechtsorganisation. Auch Human Rights Watch vermutete Vertuschung: Große Widersprüche zwischen offiziellen Statements und Augenzeugenberichten ließen vermuten, dass die Behörden zu verschleiern versuchten, was wirklich passiert sei.

Anzeige

Der Gouverneur von Van hatte zu dem Vorfall mitgeteilt, eine Person habe sich verdächtig verhalten und sei der Aufforderung stehenzubleiben nicht gefolgt. Auf der Flucht sei er auf felsigem Gelände gestürzt und habe sich verletzt. Er habe sich bei der Festnahme gewehrt. Die zweite Person habe die PKK unterstützt und habe sich ebenfalls den Sicherheitskräften widersetzt. Beide seien ins Krankenhaus gebracht worden.

RND/dpa

  • Laden Sie jetzt die RND-App herunter, aktivieren Sie Updates und wir benachrichtigen Sie laufend bei neuen Entwicklungen.

    Hier herunterladen