Belarus macht Grenze dicht: Lukaschenko fürchtet zurückgeschickte Flüchtlinge aus Litauen

  • Belarus schließt seine Grenzen aus Angst, dass nach Litauen geschickte Flüchtlinge zurück nach Belarus kommen.
  • Der belarusssiche Machthaber Lukaschenko steht schon länger in der Kritik, weil er Flüchtlinge einfliegen und bis an die EU-Grenze kurz vor Litauen bringen lässt.
  • Doch Litauen ist mit den vielen Flüchtlingen überfordert und droht, sie zurück nach Belarus zu schicken.
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Minsk. Das autoritär regierte Belarus will Teile seiner Grenze schließen und so verhindern, dass nach Litauen geflüchtete Migranten zurück auf sein Territorium gelangen können. „Ab heute darf niemand die Grenze von keiner Seite überqueren, weder vom Süden noch vom Westen“, sagte Machthaber Alexander Lukaschenko am Donnerstag in der Hauptstadt Minsk der Staatsagentur Belta zufolge. Die EU wirft Belarus vor, Migranten einzufliegen und über seine Grenze in Richtung Europäischer Union passieren zu lassen.

Belarus: Lukaschenko riegelt Grenze ab

Lukaschenko hat in der Vergangenheit offen damit gedroht, als Reaktion auf die gegen sein Land verhängten EU-Sanktionen Menschen aus Ländern wie dem Irak, Afghanistan oder Syrien über die Grenze zu lassen. In den vergangenen Wochen schickte etwa die EU-Grenzschutzbehörde Frontex zusätzliches Personal nach Litauen, um illegale Grenzübertritte zu verhindern.

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In dem baltischen EU-Land haben in den vergangenen Wochen mehrere Hundert Migranten illegal die Grenze aus dem Nachbarland Belarus überschritten. Nach offiziellen Angaben wurden in diesem Jahr bereits rund 3500 Menschen an der fast 680 Kilometer langen Grenze zu Belarus aufgegriffen. Die meisten davon beantragten Asyl. Litauen ist einer der größten Fürsprecher der Demokratiebewegung im Nachbarland und seit längerem ein Zufluchtsort der belarussischen Opposition.

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Litauen rechnet mit 18.000 weiteren Flüchtlingen

Litauens Außenminister Gabrielius Landsbergis sagte bei RTL/ntv: „Nach unseren Berechnungen ist es möglich, dass im August und September weitere 18.000 Menschen aus dem Irak und einigen anderen Ländern kommen werden.“ Lukaschenko verfüge über ein weltweites Netzwerk. Der Machthaber sei im Begriff, „Visa-Anforderungen für mehr als 70 Länder zu erleichtern“, sagte der Minister.

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Lukaschenko will nun offensichtlich verhindern, dass die EU die aufgegriffenen Migranten zurück nach Belarus schickt. Er sagte, eine „Bedrohung“ für sein Land wäre es, wenn Migranten an den Übergangsstellen gesammelt und dann „unter Androhung von Waffengewalt ins Staatsgebiet von Belarus abgeschoben“ würden. Die EU hatte nie entsprechende Absichten geäußert.

RND/dpa

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