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Flüchtlinge als Spielball im Belarus-Konflikt: „Wenn man sieht, was hier geschieht, muss man einfach helfen“

  • Polens größte unabhängige Hilfsorganisation GOCC engagiert sich in der Flüchtlingshilfe an der Grenze zu Belarus.
  • Die Stiftung sammelt Lebensmittel und warme Kleidung für die Migranten, die in den Wäldern in der Kälte ausharren.
  • Einander zu helfen und tolerant zu sein, das sei für sie selbstverständlich, sagt der GOCC-Gründer Jerzy Owsiak.
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Warschau. The Great Orchestra of Chrismas Charity (GOCC) ist mit mehr als 120.000 ehrenamtlichen Helfern die größte unabhängige Wohltätigkeitsorganisation in Polen. Gegründet 1993, um Geld für das polnische Gesundheitssystem zu sammeln, hat sich die Stiftung über die Jahre auch zum Ausrichter des größten kostenfreien Open-Air-Rock-Spektakels des Landes entwickelt. Jetzt hat die Organisation einen Hilfsstützpunkt aus Containern in der 3300-Einwohner-Stadt Michalowo unweit der Grenze zu Belarus aufgebaut. Dort holen Aktivisten meist nachts Lebensmittel, Medikamente und Kleidung ab und bringen sie heimlich den in den Wäldern des Niemandslandes festsitzenden Flüchtlingen. Das RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) traf den Radiomoderator und GOCC-Gründer Jerzy (Jurek) Owsiak (68) in Michalowo.

Der Radiomoderator Jerzy („Jurek“) Owsiak (68) ist in Polen bekannt wie ein bunter Hund. Er managt auch ein Rockfestival. © Quelle: RND/Emendörfer

Jurek, warum engagiert sich Ihre Stiftung jetzt auch hier an der Grenze zu Belarus?

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Seit fast 30 Jahren sammeln wir in der Winterzeit in ganz Polen Spenden für Bedürftige zur medizinischen Hilfe in Krankenhäusern. Im letzten Jahr kamen 50 Millionen Euro zusammen. Dann organisieren wir noch das Woodstock-Festival von Polen. Unser Selbstverständnis kommt aus der Hippie-Bewegung. Einander zu helfen, tolerant zu sein, das ist für uns selbstverständlich. Jetzt auch hier präsent zu sein, das ist für uns eine Sache der Menschlichkeit. Wenn man sieht, was hier an unserer Grenze geschieht, muss man einfach helfen.

Video
Der Belarus-Konflikt erklärt: Was passiert da an der polnischen Grenze?
8:14 min
In Belarus hoffen weiterhin Tausende Migranten auf eine Öffnung zur EU. Die Menschen harren an der Grenze zwischen Belarus und Polen aus.  © RND

Woher kommen die Menschen, die hier 24 Stunden rund um die Uhr den Stützpunkt aufrechterhalten?

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Das sind alles Freiwillige aus dem ganzen Land, zum Teil auch junge Menschen, die bei unseren Rockfestivals im Einsatz sind. Wir instruieren die Leute vorher, schulen sie zum Beispiel auch in medizinischen Grundlagen der ersten Hilfe. Logistisch ist das keine große Sache für uns, weil wir Erfahrung darin haben, Veranstaltungen mit Zehntausenden Menschen zu managen. Und für diejenigen , die uns etwas spenden, ist alles transparent. Alle Informationen stehen auf unserer Webseite.

Purtas Pur (35) koordiniert im Hilfsstützpunkt Michalowo nahe der belarussischen Grenze die Spendensammlungen für Flüchtlinge. © Quelle: RND / Emendörfer

Wie lange werden Sie mit dem Hilfsstützpunkt in Michalowo präsent bleiben?

Geplant haben wir erst einmal bis Ende November. Aber wir sind flexibel. Wenn sich die Situation nicht ändert, werden wir auch länger bleiben. Wir warten auf die Entscheidung unserer Regierung, dass Hilfsorganisationen und Journalisten in die abgesperrte Zone an der Grenze zu den Flüchtlingen dürfen, wo jetzt noch der Ausnahmezustand herrscht. Wir wollen das Bild, das jetzt von Polen in der Welt existiert, ändern und zeigen, wie einfach es ist, Menschen in Not zu helfen. Als Nächstes stellen wir deshalb hier einen ehemaligen Schiffscontainer auf, der zu einer kleinen Wohneinheit für eine Familie umfunktioniert wurde. Man kann Menschen relativ einfach schützen vor dem Erfrieren im Wald.

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