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Flüchtlinge im Lager Kara Tepe auf Lesbos: unhaltbare Zustände

  • Entwicklungsminister Müller hat die Verhältnisse in dem griechischen Flüchtlingslager Kara Tepe beklagt.
  • Er tut dies zu Recht.
  • Taten wären aber besser als Worte, kommentiert Markus Decker.
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Berlin. Entwicklungsminister Gerd Müller hat am Samstag deutliche Worte gefunden. Um deutliche Worte ist der CSU-Politiker ohnehin selten verlegen. Er beklagte in einem Interview die Zustände in dem Flüchtlingslager Kara Tepe auf der griechischen Insel Lesbos.

Dieses sei „offensichtlich nicht besser“ als das abgebrannte Lager Moria, so Müller – „im Gegenteil: Ärzte ohne Grenzen musste jetzt eine Tetanus-Impfaktion starten, weil Babys in nassen Zelten von Ratten gebissen werden“. Es herrschten „entsetzliche Zustände – mitten in Europa“.

Dass die Zustände entsetzlich sind, kann man seit Tagen in unter anderem auf Twitter kursierenden Videosequenzen sehen. Sie zeigen, wie sich nach starken Regenfällen das Wasser in dem Lager staut und bis in die Zelte vordringt. Kein Mitteleuropäer möchte so leben.

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Zwar hat Deutschland zuletzt mehr als 1500 Asylsuchende aus Griechenland eingeflogen. Am Donnerstag kamen abermals 88 Schutzsuchende in Hannover an. Es ist nicht so, dass die Bundesregierung nichts unternähme.

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Gleichwohl muss man sich wundern. Denn erstens hatten Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) und der Vizepräsident der EU-Kommission, Margaritis Schinas, direkt nach dem Brand in Moria die Errichtung eines Musterlagers in Aussicht gestellt, das – so Seehofer damals – „mit einer ganz anderen Qualität“ Vorbild sein könne für andere Staaten. Ein solches Musterlager existiert unverändert nur in der Fantasie.

Zweitens gehören Müller und Seehofer derselben Partei an. Und Deutschland hat derzeit die EU-Ratspräsidentschaft inne. Statt Interviews zu geben, sollte der Entwicklungsminister den Innenminister lieber mal zur Seite nehmen und sagen: „Lieber Horst, wir müssen da etwas tun.“

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