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Flucht aus Marokko nach Spanien: Tausende schwimmen nach Ceuta

  • Mehrere tausend Marokkaner sind durch das Mittelmeer zur spanischen Nordafrika-Enklave Ceuta geschwommen.
  • Zuvor hatte Marokko offenbar die Grenzkontrollen ausgesetzt.
  • Auslöser dürfte politischer Ärger wegen eines Patienten in einem spanischen Krankenhaus sein.
1:55 min
Ceuta liegt ganz im Norden von Marokko. Die Menschen seien illegal in das Gebiet gelangt, unter ihnen befänden sich rund 1000 Kinder, sagte ein Sprecher der spanischen Delegation in der Exklave. Eine Person sei bei dem Versuch ums Leben gekommen, teilte ein Sprecher mit. Das Innenministerium erklärte, man werde die Sicherheitspräsenz erhöhen.  © Reuters
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Madrid. Sie schwammen durch das Mittelmeer oder liefen bei Ebbe am Strand entlang: In der spanischen Nordafrika-Exklave Ceuta sind bis Dienstagmittag etwa 6000 Migranten aus Marokko angekommen. Davon seien bereits 1600 in das Nachbarland zurückgebracht worden, sagte Spaniens Innenminister Fernando Grande-Marlaska dem TV-Sender RTVE. Auf marokkanischer Seite gebe es immer noch Menschen, die versuchen wollten, illegal nach Ceuta zu kommen, sagte der Minister.

Noch nie zuvor waren so viele Menschen binnen eines Tages in die kleine Exklave mit rund 85.000 Einwohnern gekommen.

Die marokkanische Polizei habe faktisch die Kontrolle der Grenze eingestellt, berichteten spanische Medien unter Berufung auf Augenzeugen in Fnideq. Als möglichen Grund nannten spanische Medien die Verärgerung der Regierung in Rabat darüber, dass Spanien die medizinische Behandlung des Chefs der Unabhängigkeitsbewegung Polisario für Westsahara, Brahim Ghali, erlaubte.

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Marokko beansprucht das Gebiet an seiner Südgrenze als Teil seines Staatsgebietes. Eine Erklärung aus Rabat gab es zunächst nicht.

1500 Minderjährige unter Ankömmlingen

Etwa 1500 der angekommenen Migranten seien Minderjährige, schrieb die in Ceuta erscheinende Zeitung „El Faro“.

Das spanische Militär wurde zur Unterstützung der Polizei aktiviert und hat den Schutz seiner eigenen Einrichtungen verstärkt. Die Zentralregierung in Madrid kündigte die Entsendung 200 zusätzlicher Polizisten an.

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Die Behörden der Exklave wurden völlig überwältigt und konnten nicht mehr tun, als Menschen vor dem Ertrinken zu retten. Ein Mensch kam ums Leben. Die Erwachsenen, die zunächst in der Stadt umherirrten, wurden in ein Stadion gebracht. Die Minderjährigen wurden in einem inzwischen völlig überfüllten Auffanglager untergebracht.

Die Polizei hat zudem Tränengas gegen Steinewerfer aus Marokko eingesetzt. Im spanischen Fernsehen war zu sehen, wie Soldaten Migranten einzeln zu einem Tor im Grenzzaun führten, um sie nach Marokko zurückzuschicken. Auf dem Strand vor dem Grenzzaun waren vier Radpanzer aufgefahren.

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Auf der anderen Seite des Zauns wartete eine große Menschenmenge auf eine Chance, doch noch nach Ceuta zu gelangen. Einige warfen Steine Richtung Grenzzaun, durch den die Spanier sie mit Tränengas beschossen. Eine Postenkette von Soldaten mit Schlagstöcken hinderte Schwimmer daran, in Ceuta aus dem Meer an Land zu gehen. Nur völlig Erschöpfte wurden auf Tragen zu Krankenwagen gebracht. Am Vortag war von einem Ertrunkenen berichtet worden.

Brinkhaus mahnt Migrationslösung in Europa an

Unionsfraktionschef Ralph Brinkhaus hat angesichts dessen eine gesamteuropäische Migrationslösung angemahnt. Die Vorgänge in Ceuta zeigten, „dass auch auf der zentralen Mittelmeer-Route die Anzahl der Migranten erheblich ansteigt“, sagte der CDU-Politiker am Dienstag vor Online-Beratungen der Unionsfraktion im Bundestag. „Ich kann nur dazu raten, dass man das Ganze auch mit einer entsprechenden Vorsicht betrachtet.“

Man sei „immer noch nicht soweit, dass wir eine gesamteuropäische Lösung haben für die Migration“, kritisierte Brinkhaus. Es sei wichtig, dass man sich dem widme, wenn die Zahlen weiter nach oben gehen würden. Das Thema werde auch Teil der politischen Auseinandersetzung im Wahlkampf in diesem Sommer sein.

Auch Müller nimmt EU in die Pflicht

Auch Entwicklungsminister Gerd Müller (CSU) sieht die EU in der Pflicht. „Auch hier ist die Frage: Wo ist die außenpolitische Handlungsfähigkeit der Europäischen Union?“, erklärte Müller am Dienstag in Berlin. Nötig seien „sofortige Verhandlungen“ mit Marokko.

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Die aktuelle Situation hänge offenbar mit der Frage der Westsahara zusammen, sagte Müller. „Nur durch die hohen Zäune, durch die Grenzsicherheit, sind die Probleme in Marokko, in der Maghreb-Region nicht gelöst“, sagte Müller. Es gehe auch um eine faire Wirtschafts- und Handelspolitik. Seit nunmehr fünfzehn Jahren verhandle Marokko über einen besseren Zugang für seine Waren zum europäischen Wirtschaftsraum. „Das ist die Reaktion einer Jugend, die den Reichtum, den Wohlstand in Europa sieht“, sagte Müller - die aber selbst in Armut, Not und Hunger lebe.

Viele Marokkaner im Umfeld von Ceuta und der anderen spanischen Nordafrika-Exklave Melilla haben ihre Arbeit und Einkommen verloren, seit Marokko die Grenze zu den beiden Gebieten im März 2020 wegen der Corona-Pandemie geschlossen hat. Immer wieder demonstrierten Menschen, die sonst in den Exklaven arbeiteten, für ein Ende der Schließung.

Die meisten werden wieder abgeschoben

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Bereits am 26. April hatten 128 Marokkaner schwimmend Ceuta erreicht. Die meisten wurden bald darauf nach Marokko abgeschoben.

Die Westsahara an der nordafrikanischen Atlantikküste war bis 1975 spanische Kolonie. Marokko kontrolliert große Teile des dünn besiedelten Gebiets an seiner Südgrenze. Die Polisario strebt nach Unabhängigkeit für die Westsahara. Marokko will der Region nur Autonomie zugestehen.

RND/cle/dpa

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