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Fleisch ohne Tierquälerei: Das Mammutprojekt kann nur im Konsens klappen

  • Eine Mehrheit der Bürger will Landwirtschaft ohne Tierquälerei, auch wenn das Fleisch teurer wird. Eine Mehrheit der Konsumenten greift trotzdem zu Billigfleisch.
  • Dennoch sind die Bauern gut beraten, aktiv ins Tierwohl zu investieren: Sonst zwingen sie Verbraucher und Gerichte dazu.
  • Der Staat muss bei dem Umbau helfen – verlässlich und über Jahrzehnte, kommentiert Steven Geyer.
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Berlin. Die Forderung ist schnell gestellt: Für unser Essen soll kein Tier gequält werden! Sogar die lange kontroverse Einsicht ist inzwischen mehrheitsfähig: Für mehr Tierwohl würden wir sogar etwas mehr zahlen. Das war die Grundlage für die Vorschläge jener Kommission, deren Vorschläge Agrarministerin Julia Klöckner nun anschieben will – und die, wie sich nun zeigt, zwar juristisch umsetzbar sind, aber doch ein politisches Mammutprojekt.

Denn das Bekenntnis zum Tierwohl ist bei vielen vergessen, wenn die Discounter mit Billigfleisch locken, wenn man mit Nackensteakpolemik nervige Biogutmenschen ärgern kann – oder im Wahlkampf so tun kann, als würde das Fleisch nun zum Luxusgut erklärt werden.

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Verbraucher und Gerichte machen Druck

Und doch haben auch die deutschen Bauern erkannt, dass sie nicht weiter auf Zeit spielen und sich auf eine wohlmeinende CDU/CDU als politischen Verbündeten verlassen können. Denn mehr und mehr Verbraucher wenden sich wegen des schlechten Rufes ganz vom Fleisch ab. Und weil die gesellschaftliche und politische Mehrheitsmeinung, dass Tierquälerei abzulehnen sei, längst auch in Gesetzesform gegossen wurde.

So sind die Landwirte auf dem klügeren Weg, die nicht erst von Markt und Justiz zum Umbau der Massentierhaltung gezwungen werden wollen, sondern proaktiv in neue Haltungsbedingungen investieren – und den Staat zur finanziellen Unterstützung einspannen wollen. Freilich ist der Weg noch weit, denn bislang sind es auch deutsche Fleischkonzerne, die mit ihren Billigexporten ausländische Märkte unter Druck setzen.

Richtig ist, dass die Politik den Umbau im Konsens organisiert: zwischen Bund und Ländern, mit Bauern, Tierschützern, Verbrauchern und möglichst allen politischen Parteien.

Denn das Mammutprojekt ist vergleichbar mit der Energiewende, die im Konsens zumindest angeschoben wurde: Es kann nur gelingen, wenn die Unterstützung, die der Staat nun zusagt, für Jahrzehnte verlässlich ist und nicht demnächst wieder der Parteitaktik oder Wahlkampfpolemik geopfert wird.

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