FDP will Vaterschaftstests vor Geburt erlauben

  • Bisher ist es in Deutschland bis auf wenige Ausnahmen verboten, bei einem ungeborenen Kind die Identität des Vaters festzustellen.
  • Die FDP hält die Regelung für überholt.
  • Künftig sollen nach dem Willen der Liberalen Bluttests möglich sein.
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Berlin. Ein Kind ist auf dem Weg – doch wer ist der Vater? Diese ungewisse Situation kann für Schwangere und potenzielle Väter zu einer enormen Belastung werden. Ein Vaterschaftstest könnte für Klarheit sorgen – doch vor der Geburt des Kindes ist ein derartiger Gentest in Deutschland bis auf eine Ausnahme strikt verboten. Die FDP will das ändern. Die Bundestagsfraktion hat einen Gesetzentwurf vorgelegt, um Vaterschaftstests auch bei ungeborenen Kindern zu ermöglichen.

„Ein Verbot vorgeburtlicher Vaterschaftstests ist aus der Zeit gefallen“, sagte die Gesundheits- und Rechtsexpertin Katrin Helling-Plahr (FDP) am Mittwoch. Bisher ist ein Test nach dem geltenden Gendiagnostikgesetz nur erlaubt, wenn die Frau vergewaltigt wurde. Das führe dazu, dass in allen anderen Fällen Schwangere und potenziell infrage kommende Väter sowie Angehörige „in der Zeit zwischen Bekanntwerden der Schwangerschaft und Geburt in konstanter Ungewissheit leben müssen“, heißt es in dem Gesetzentwurf, der dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) vorliegt.

Die FDP argumentiert zudem, dass – anders als bei der Verabschiedung des Gendiagnostikgesetzes im Jahre 2009 – keine für das Kind gefährliche Fruchtwasseruntersuchung mehr notwendig ist, um die Vaterschaft festzustellen. Stattdessen gebe es inzwischen risikolose Bluttests. „Daher ist ein Verbot nicht mehr zeitgemäß“, wird in der Gesetzesbegründung festgestellt.

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Bluttest seit 2012 erhältlich

Der seit 2012 zur Verfügung stehende Bluttest kann schon ab der neunten Schwangerschaftswoche Auskunft darüber geben, ob die Gene des Embryos zu denen des Mannes passen. In Österreich oder den Niederlanden sind solche Tests erlaubt. In Deutschland sind dieses Tests trotz des Anwendungsverbots im Onlinehandel erhältlich.

„Um die Vaterschaft zu klären, ist lediglich eine Blutprobe der Mutter und ein Wangenabstrich des potenziellen Vaters erforderlich“, heißt es bei einem der Anbieter. Der Test zur Erlangung des „inneren Seelenfriedens“ kostet hier 1275 Euro. Für ein gerichtsfestes Gutachten sind 100 Euro mehr zu zahlen.

Abtreibung verhindern

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Die FDP will allerdings verhindern, dass aufgrund der Feststellung des Vaters das Kind abgetrieben wird. Daher darf laut Gesetzentwurf der Schwangeren das Ergebnis des Vaterschaftstests erst nach dem Ablauf der zwölften Schwangerschaftswoche mitgeteilt werden. Dann endet die Frist, bis zu der Frauen in Deutschland straffrei abtreiben dürfen. Damit werde verhindert, dass „kein straffreier Schwangerschaftsabbruch allein aufgrund der Identifizierung des leiblichen Vaters durch die Schwangere vorgenommen wird“, wird in dem Gesetzentwurf begründet.

Helling-Plahr sagte, von der Gesetzesänderung würden Mütter und Väter profitieren, wenn auf beiden Seiten der Wunsch bestehe, bezüglich der Vaterschaft Gewissheit zu erlangen. „So können die werdenden Eltern gemeinsam das Abenteuer einer Schwangerschaft erleben und sich auf das Kind freuen, ohne Zweifel über die Vaterschaft zu hegen.“

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