FDP-Niederlage in Hamburg ist die Niederlage Lindners

  • Dass die FDP im Hamburger Wahlkampf in die Defensive geraten ist, hat viel mit dem schlechten Krisenmanagement von Parteichef Christian Lindner nach der Ministerpräsidentenwahl von Thüringen zu tun.
  • Dennoch gibt es in der Partei kein Aufbegehren gegen Lindner.
  • Dabei täte ein bisschen mehr Mut zur Rebellion der FDP gut, kommentiert Tobias Peter.
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Berlin. Die CDU hat in Hamburg ein historisches Debakel erlebt. Und was ist mit der FDP? Sie konnte davon nicht profitieren, sondern hat selbst eine Niederlage erlitten. Es ist offensichtlich, dass dieses Ergebnis mit dem Tabubruch von Thüringen zu tun hat. Dabei gibt es keinen Zweifel: Das Resultat ist auch eine Niederlage für Parteichef Christian Lindner.

Keine Frage: Für viele in der FDP – zum Beispiel für die Hamburger FDP-Chefin Katja Suding – ist es im Moment das Einfachste, die ganze Schuld bei Thomas Kemmerich abzuladen, der sich in Erfurt mit Stimmen der AfD zum Ministerpräsidenten wählen ließ.

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Doch diese Analyse greift zu kurz: Lindner hätte nach der Wahl Kemmerichs sofort Führung zeigen und die Thüringer in die Schranken weisen müssen. Stattdessen warb er zunächst dafür, die anderen Parteien sollten doch mit Kemmerich reden.

Dass Lindner unter dem Eindruck der öffentlichen Kritik Kemmerich tags darauf zum Rückzug bewegte, hat dem Parteichef das Amt gerettet. Der Schaden für die FDP war zu diesem Zeitpunkt aber bereits riesig.

Wie sich alle hinter Lindner verstecken

Ist Lindner in der Partei jetzt in schwerer Bedrängnis? Danach sieht es nicht aus. Auch für diejenigen in der FDP, die Lindners große Macht in der Partei kritisch sehen, ist die Situation komfortabel: Jeder kann sich hinter Lindner verstecken, wenn es unangenehm wird.

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Dabei zeigt nicht nur Lindners misslungenes Krisenmanagement in Sachen Thüringen, dass es besser wäre, die FDP personell breiter aufzustellen. Während die Grünen davongezogen sind, stagniert die FDP bundesweit schon länger in Umfragen.

In der Partei herrscht Mutlosigkeit im Umgang mit Lindner. Um ein guter Vorsitzender sein zu können, braucht er nicht nur Rückhalt, sondern gelegentlich auch anregenden inhaltlichen Widerspruch.

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Die FDP wirbt als Partei für mehr Eigenverantwortung. Die müssen jetzt viele in der FDP übernehmen.


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