Strategische Aufstellung der FDP: Parteichef Lindner hat einiges richtig gemacht

  • Dass die FDP vor gar nicht allzu langer Zeit in einer schweren Krise steckte, hatte nicht nur, aber viel mit Fehlern von Christian Lindner zu tun.
  • Zu Beginn der Corona-Pandemie schlug er auch in der Debatte um die Einschränkung der Bürgerrechte zu schrille Töne an.
  • Später fanden die Partei und ihr Vorsitzender aber ein besseres Maß – und sorgten dafür, ein wichtiges Feld nicht den Populisten von der AfD zu überlassen, kommentiert RND-Korrespondent Tobias Peter.
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Berlin. Es ist nicht lange her, da befand sich die FDP in einer schweren Krise. Die Absage an ein Jamaika-Bündnis, unsensible Äußerungen über junge Klimaaktivisten, das Drama um die Ministerpräsidentenwahl in Thüringen mit Stimmen der AfD: Mit all diesen Vorgängen hatte die FDP sich an den Rand der Bedeutungslosigkeit manövriert. Das hatte nicht nur, aber viel mit Fehlern des FDP-Chefs Christian Lindner zu tun.

Jetzt erreicht die FDP in Umfragen gute zweistellige Werte. Das zeigt, wie schnelllebig die Zeiten sind – und wie volatil die Umfragen auch in den kommenden Monaten noch sein werden. Es ist aber auch Ausweis dafür, dass Lindner – jetzt mit einem starken Ergebnis als Parteichef wiedergewählt – zuletzt bei der strategischen Aufstellung der Partei einiges richtig gemacht hat.

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FDP-Chef Lindner verurteilt Angriffe auf Israel
2:31 min
„Wir sehen schockierende Bilder aus Israel“, sagt Lindner beim Bundesparteitag der Liberalen. Dort will die FDP ihr Programm für die Bundestagswahl beschließen.  © Reuters
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In der Corona-Krise gibt es einen beständigen Aushandlungsprozess darüber, wie stark die Bürgerrechte im Kampf gegen die Pandemie eingeschränkt werden müssen. In dieser Debatte braucht es konsequente Verfechter des Gesundheitsschutzes, aber auch Anwälte für die Bürgerrechte, die – jenseits von Verschwörungstheoretikern und Corona-Leugnern – für ein möglichst großes Maß an Freiheit streiten.

In Ton und Inhalt nicht überdrehen

Christian Lindner hat in dieser Debatte anfangs in zu schrillen Tönen gesprochen. Doch dann haben Lindner und die FDP ein besseres Maß gefunden – und damit auch dafür gesorgt, ein wichtiges Feld der Debatte nicht den Populisten von der AfD zu überlassen.

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Wenn mit zunehmender Impfquote über den Sommer die Inzidenzzahlen sinken, kann die FDP darauf setzen, mit einem wirtschaftsliberalen Kurs Punkte zu machen. Das kann ihr helfen, das eigene Profil zu schärfen.

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Auch hier muss sie aber darauf achten, in Ton und Inhalt nicht zu überdrehen. Für die FDP wird es auch darauf ankommen, ob die Wähler ihr zutrauen, diesmal tragfähige Kompromisse mit anderen zu finden.

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