Rente mit 68 – Was soll das denn heißen?

  • Der Wissenschaftliche Beirat beim Bundeswirtschaftsministerium hat Vorschläge für eine Rentenreform vorgelegt.
  • Darüber ist eine politische Debatte entbrannt.
  • Worum geht es dabei? Im Folgenden das Wichtigste in Fragen und Antworten.
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Was ist die Reformidee der Wissenschaftler für das Rentenalter?

Berlin. Der Wissenschaftliche Beirat beim Bundeswirtschaftsministerium schlägt vor, das Rentenalter dynamisch an die Lebenserwartung zu koppeln. Steigt die Lebenserwartung, so soll diese Zeit zwischen Erwerbszeit und Rentenzeit aufgeteilt werden. Konkret soll dies nach dem Willen der Wissenschaftler bedeuten, dass von einem Jahr zusätzlicher Lebenserwartung acht Monate in die Erwerbszeit und vier Monate in die Rentenzeit gehen.

Warum steht jetzt also das Schlagwort Rente mit 68 im Zentrum der Debatte?

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Den Wissenschaftlern geht es nicht um eine konkrete Zahl, sondern um die Dynamisierung des Rentenalters. Die Idee dahinter: Das Verhältnis der Zeit im Erwerbsleben und in Rente soll konstant bleiben, damit die Kosten in der Rentenversicherung nicht zu stark anwachsen. Die Zahl 68 ist in die Debatte gekommen, weil die Wissenschaftler eine Prognose vorgelegt haben, was die Dynamisierung des Rentenalters bis 2042 bedeuten würde. Nach diesen Berechnungen müsste das offizielle Eintrittsalter in die Rente dann bei 68 Jahren liegen.

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Wie begründen die Wissenschaftler diesen Vorschlag?

Es geht um den demografischen Wandel: Die Menschen werden älter, gleichzeitig stehen nicht so viele junge Menschen zur Verfügung, um in die Rentenkasse einzuzahlen. Das 39-köpfige Beratergremium warnt deshalb vor „schockartig steigenden Finanzierungsproblemen“ ab 2025.

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Was könnten solche Finanzierungsprobleme bedeuten?

Ein wesentlicher Eckpfeiler der Rentenpolitik der großen Koalition ist die doppelte Haltelinie. Mit ihr haben Union und SPD die Rentenbeiträge bis 2025 bei höchstens 20 Prozent gedeckelt und das Rentenniveau bei mindestens 48 Prozent fixiert. Wenn danach große Finanzierungsprobleme entstehen, bedeutet das, dass die Rentenbeiträge steigen müssten und das Rentenniveau trotzdem sinken könnte.

Die Politik könnte natürlich auch wieder eine doppelte Haltelinie einziehen. Das würde allerdings heißen, dass noch einmal erheblich mehr Steuergeld in die gesetzliche Rentenversicherung gegeben werden müsste, als dies bislang schon der Fall ist.

Gibt es gegen die Finanzierungsprobleme keine anderen Mittel als ein höheres Rentenalter?

Das Rentenalter ist nur eine Stellschraube. Lässt man sie ganz außer Acht, steigt aber der Druck, die Beiträge zu erhöhen, das Rentenniveau zu senken oder den Steuerzuschuss zu erhöhen. Das Rentenniveau ist – anders als oft angenommen – nicht der Prozentsatz, den jemand von seinem letzten Lohn als Rente bekommt. Es ist ein statistischer Wert, der das Verhältnis der Rente eines Durchschnittsverdieners nach 45 Beitragsjahren zum mittleren Lohn beschreibt. Ein sinkendes Rentenniveau zeigt also an, dass die Teilhabe der Rentner am gesellschaftlichen Wohlstand abnimmt.

Kommt die Rente mit 68?

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Fürs Erste: nein. Der Wissenschaftliche Beirat beim Wirtschaftsministerium arbeitet unabhängig. Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) hat bereits deutlich gemacht, dass er sich den Vorschlag der Experten nicht zu eigen macht. Die SPD und auch der Deutsche Gewerkschaftsbund lehnen die Idee ab. Die Linke nennt die Idee einer Rente mit 68 einen „asozialen Oberhammer“. Klar ist aber auch: Die nächste Bundesregierung wird sich eingehend mit der Rente beschäftigen müssen. Das Jahr 2025 ist nicht mehr weit.

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