Wie gut reagieren Schnelltests auf Omikron? Paul-Ehrlich-Institut will Ergebnisse Ende Februar veröffentlichen

  • Omikron breitet sich in Deutschland aus – doch wie zuverlässig können Schnelltests eine Infektion mit der neuen Variante nachweisen?
  • Das Paul-Ehrlich-Institut plant dazu eine Übersicht.
  • Antworten auf die wichtigsten Fragen.
Maximilian Hett
Kathleen Retzar
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Berlin. Die Zahl der Corona-Infektionen hat in Deutschland am Freitag erneut einen Höchststand erreicht. 92.223 Fälle meldeten die Gesundheitsämter an das Robert Koch-Institut. Durch die sich stark ausbreitende Omikron-Variante hat die Bundesregierung ihre Teststrategie überarbeitet. So ist etwa ein vorzeitiges Freitesten aus der Isolation nicht nur mit PCR-Tests, sondern auch mit „hochwertigen“ Antigentests möglich.

Allerdings deuten dem Paul-Ehrlich-Institut (PEI) zufolge Studien aus den USA an, dass zumindest manche Schnelltests nicht empfindlich genug bei der Omikron-Variante sein könnten. Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) hatte daher vor einigen Tagen eine Positivliste für Corona-Schnelltests angekündigt, die die neue Omikron-Variante gut erkennen. Was bislang bekannt ist:

Wann kommt die neue Liste des Paul-Ehrlich-Instituts?

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Das könnte noch einige Wochen dauern. Derzeit konzipiere das Paul-Ehrlich-Institut eine beispielhafte Analyse von Antigentests mit Blick auf ihre Sensitivität gegenüber der Omikron-Variante, sagte Klaus Cichutek, Präsident des PEIs dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). Festgelegt werden müsse derzeit, wie sensitiv ein Test sein muss, um als zuverlässig zu gelten.

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Außerdem seien experimentelle Untersuchungen notwendig. Diese erforderten mit der Omikron-Variante belastete Proben mit unterschiedlicher Virusbelastung. „Experimentelle Untersuchungen müssen sorgfältig und qualitätsgesichert erfolgen, sodass nach derzeitiger Planung erste Ergebnisse Ende Februar zu erwarten sind“, sagte Cichutek.

Gibt es in Deutschland bereits Daten zur Sensitivität von Schnelltests bei der Omikron-Variante?

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Ja, zumindest erste Erkenntnisse. Das Paul-Ehrlich-Institut hat mehr als 240 Antigentests auf ihre Sensitivität bei der Omikron-Variante geprüft. 199 Tests haben die Untersuchung bestanden, 46 Produkte fielen durch. „80 Prozent der untersuchten Tests haben also die in der Vergleichsuntersuchung geforderte Empfindlichkeit“, heißt es in einer Mitteilung des Paul-Ehrlich-Instituts von Ende Dezember. Das Institut geht davon aus, „dass die allermeisten der in Deutschland angebotenen und positiv bewerteten Antigentests eine Omikron-Infektion nachweisen können“.

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80 Prozent der Schnelltests erkennen Omikron
1:14 min
Nach Angaben des Paul-Ehrlich-Instituts ist der Großteil der in Deutschland angebotenen Corona-Schnelltests auch zum Nachweis der Omikron-Variante geeignet.  © dpa
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Was passiert mit den Tests, die nicht gut auf die Omikron-Variante reagieren?

Das ist noch unklar. Inwieweit solche Tests weiter genutzt werden, hängt vor allem vom Bundesgesundheitsministerium ab – es entscheidet, welche Tests als sogenannte Bürgertests erstattungsfähig sind. Das bedeutet: Nur die Tests, die den vom Bundesgesundheitsministerium definierten Kriterien entsprechen, können Betreiber von Testzentren am Ende abrechnen. Hierzu müsste das Gesundheitsministerium allerdings die Kriterien für erstattungsfähige Tests ändern. Auf die Frage, ob geplant ist, das zu ändern, nahm das Ministerium nicht konkret Stellung.

Was sagen Gesundheitspolitikerinnen und -politiker?

Parteiübergreifend begrüßen Gesundheitspolitikerinnen und -politiker die angekündigte Positivliste. „Wir brauchen dringend Klarheit darüber, welche Schnelltests Omikron gut erkennen und welche nicht. Es ist höchste Zeit, dass die Liste veröffentlicht wird“, forderte Tino Sorge (CDU). „In besonders kritischen Bereichen sollten künftig nur noch präzise Tests eingesetzt werden. Es wäre fahrlässig, erwiesenermaßen unzureichende Tests im Gesundheitswesen oder in anderen sensiblen Bereichen zu nutzen.“

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Anders sieht das Parteikollege Sepp Müller. „Ein unpräziser Schnelltest ist besser als gar kein Test! Perspektivisch sollten ungeeignete Schnelltests nicht weiter in den Verkehr kommen“, sagte er. Es wäre aber fatal, so Müller, wenn Bestände jetzt ungenutzt blieben. Er kritisierte, die Bundesregierung habe nicht ausreichend neue Tests beschafft.

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Kirsten Kappert-Gonther von den Grünen betonte, bereits heute würden nach Angaben des Paul-Ehrlich-Instituts keine Tests mehr verkauft, die als unzuverlässig gälten. „Um zu verhindern, dass Tests in den Umlauf kommen, die nicht auf der Positivliste enthalten sind, sollte die Bundesregierung frühzeitig Gespräche mit den Verkaufsstellen führen. Die Kostenerstattung in den Testzentren und Betrieben muss auch weiterhin an die Zuverlässigkeit der Tests geknüpft sein.“

Für ein Mindestmaß an Sensitivität bei den Bürgertests plädierte FDP-Politikerin Christine Aschenberg-Dugnus. „Testzentren sollten nur solche Tests zum Einsatz bringen und auch erstattet bekommen, die die Sensitivitätsgrenze von 75 Prozent erreichen oder darüber liegen.“

Heike Baehrens von der SPD betonte, auch Schnelltests seien in vielen Fällen aussagekräftig. „Angesichts der zu erwartenden hohen Infektionszahlen ist es umso wichtiger, die Labore zu entlasten. Sollte es zu Engpässen bei der PCR-Testung kommen, kann ein sachgemäß angewandter Schnelltest in vielen Fällen ausreichende Sicherheit bieten.“

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Wie erkenne ich schon jetzt, welche Tests zuverlässig sind?

Der Präsident des Paul-Ehrlich-Instituts, Klaus Cichutek, verwies gegenüber dem RND auf eine bereits veröffentlichte Liste des Instituts, in der viele Tests auf ihre Wirksamkeit beim Nachweis des Coronavirus geprüft wurden – allerdings noch nicht auf die Omikron-Variante. Diese „kann derzeit als gute Hilfestellung gewertet werden“, sagte er.

Er betonte allerdings, dass für gesicherte Diagnosen nur PCR-Tests geeignet seien. „Es ist wichtig zu beachten, dass Antigentests nicht entwickelt wurden, um eine sichere Diagnose einer Sars-CoV-2-Infektion zu ermöglichen, sondern um Personen mit einer hohen Viruslast und dem Risiko, ihre Infektion auf Kontaktpersonen zu übertragen, schnell und einfach zu identifizieren, um zu verhindern, dass diese die Infektion an Kontaktpersonen weitergeben“, so Cichutek.

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