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Seehofer über Zuschauer in EM-Stadien: „Halte Position der Uefa für verantwortungslos“

  • 45.000 Zuschauer haben am Dienstag das EM-Achtelfinale zwischen Deutschland und England im Wembley-Stadion verfolgt.
  • Bundessportminister Horst Seehofer ist fassungslos.
  • Er kritisiert das Verhalten der Uefa scharf.
Tobias Dinkelborg
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Berlin. Bundessportminister Horst Seehofer ist empört über den Umgang der Uefa mit den Zuschauerkapazitäten in einigen EM-Arenen − besonders im Hinblick auf das Londoner Wembley-Stadion.

„Ich halte die Position der Uefa für absolut verantwortungslos, weil wir in der Zeit einer Pandemie leben und in Ländern wie Großbritannien die Einhaltung der Hygienevorschriften unabdingbar ist“, sagte der CSU-Politiker am Donnerstag in Berlin. Vor zwei Tagen hatten 45.000 Besucher das Achtelfinale zwischen Deutschland und England in Wembley verfolgt.

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Hohe Zuschauerzahlen trotz Delta-Variante - Kritik an UEFA
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Tausende Fans feierten oder trauerten erst am Dienstag wieder im Londoner Stadion – trotz der Gefahr durch die Delta-Variante.  © dpa
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„Wenn Sie die Bilder anschauen und die Menschen sehr dicht aufeinander sind und Erfolge feiern mit großen Umarmungen, ist vorgezeichnet, dass dies das Infektionsgeschehen befördert“, betonte Seehofer. „Ich kann mir überhaupt nicht erklären, warum die Uefa nicht der Linie der Vernunft folgt. Der Kommerz darf nicht den Infektionsschutz für die Bevölkerung überstrahlen.“

Dass EM-Spiele sehr wohl unter Berücksichtigung aller notwendigen Corona-Regelungen vor Zuschauern stattfinden könnten, zeige das Beispiel aus München. „Ich war selbst beim ersten Spiel in München und hatte die Gewissheit, dass sowohl im Vorbereich als auch in der Arena selbst alle Hygienemaßnahmen eingehalten wurden“, sagte Seehofer und ergänzte mit einem Augenzwinkern: „Es ist halt München – das hat funktioniert.“

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„Wir haben es selbst in der Hand“

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Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) legte indes den Erfolg im Kampf gegen die hochansteckende Delta-Variante des Coronavirus in die Hände der Bürger. „Es liegt an uns, ob Delta ein Risiko für uns wird.“

Es gebe für Sommerurlauber klare Einreiseregeln, ein breites Testangebot und bessere Möglichkeiten zur Kontrolle etwa von Quarantänepflichten. „Und wir haben noch etwas: die Impfung“, betonte Spahn. „Deshalb haben wir es selbst in der Hand, ob einem schönem Urlaub auch eine schöne Zeit folgt.“

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Der 41-Jährige sprach von einer „Einreiseverordnung, die vergleichsweise strikt ist“. Sie basiert auf der Kategorisierung in einfache Risikogebiete, Hochinzidenzgebiete und Virusvariantengebiete. „Wer sich in einen Flieger setzt, muss vor dem Betreten des Flugzeugs einen Negativtest oder einen Impfnachweis vorlegen. Das ist ein entscheidender Unterschied zum vergangenem Jahr.“ Zudem müsse sich jeder Reiserückkehrer auf digitalem Wege anmelden. „Damit können die Gesundheitsämter tagesaktuell sehen, wer aus einem Risikogebiet eingereist ist und sich in ihrem Bereich aufhält.“

Eine Quarantänepflicht gilt für Rückkehrende aus allen Gebietskategorien – mindestens zehn Tage lang. „Die Quarantäne kann nur durch aktives Vorlegen eines negativen Testergebnisses verkürzt werden“, erläuterte Spahn. „Bei Risikogebieten mit der Vorlage eines Tests oder eines Impfnachweises, bei Hochinzidenzgebieten frühestens nach fünf Tagen.“ Nur bei der Einreise aus Virusvariantengebieten sei keine Verkürzung der in diesem Fall 14-tägigen Quarantäne möglich.

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Am Montag hatten sich Bund und Länder nicht auf schärfere Regeln bei der Einreise oder Rückkehr nach Deutschland einigen können, obwohl mehrere Ministerpräsidenten dies gefordert hatten.

„Wir müssen nicht in Panik verfallen“

Der Chef der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, Andreas Gassen, warf der Bundesregierung jüngst irrationales Handeln vor. Sie sei „dabei, Vertrauen in der Bevölkerung zu verspielen“, sagte er im Interview mit dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). „Portugal mit seinen harten Lockdowns wird lange als Musterland der Corona-Bekämpfung dargestellt, für das Reisen wird mit großem Brimborium der digitale Impfpass eingeführt. Doch dann wird über Nacht der Urlaub in Portugal quasi unmöglich gemacht, weil alle Rückreisende – ob geimpft oder nicht – in 14-tägige Quarantäne geschickt werden. Und das wird ja nicht das letzte Land gewesen sein, bei dem so verfahren wird.“

Man wisse, dass etwa vollständig Geimpfte auch gegen die Delta-Variante hervorragend geschützt seien. Gasser sprach sich deshalb gegen eine Quarantäne für diese Gruppe aus. „Als zusätzliche Absicherung könnte man allenfalls eine Testpflicht nach einigen Tagen vorschreiben. Und ob Ungeimpfte, aber negativ Getestete wirklich 14 Tage in Quarantäne müssen, muss sicherlich hinterfragt werden“, betonte er.

Zugleich warb Gassen insgesamt für mehr Gelassenheit. „Wir müssen nicht in Panik verfallen. Ich halte die Debatte derzeit für in Teilen fast schon hysterisch“, sagte er. „Es ist aber unverantwortlich, immer wieder mit Endzeitszenarien zu operieren. Die Bevölkerung hat ein Anrecht darauf, dass man sich seriös mit allen neuen Entwicklungen der Pandemie auseinandersetzt und mit angemessener Ruhe und Vorsicht reagiert.“

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Gesundheitsminister Spahn reagierte darauf nur indirekt und bezog sich allein auf das Portugal-Beispiel. „Es ist klar, dass es für ganz viel Frust gesorgt hat. Es gibt in all den Diskussionen eine nachvollziehbare Betroffenheit. Wir müssen bei neuen Varianten aber nach dem Vorsichtsprinzip verfahren“, sagte er.

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