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Fall Wirecard: Branche der Wirtschaftsprüfer gerät in Verruf

Ein Schild am Firmensitz von Wirecard weist auf das Unternehmen hin.

Ein Schild am Firmensitz von Wirecard weist auf das Unternehmen hin.

Frankfurt. Wer zehn Jahre lang Konzernbilanzen geprüft und freigegeben hat, die grob falsch und in weiten Teilen frei erfunden waren, muss sich einiges fragen lassen. Geleistet haben sich diese besondere Form des Versagens die Wirtschaftsprüfer von EY bei ihrem Kunden Wirecard.

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Immer bessere Geschäfte mit steigenden Margen hat EY dem inzwischen insolventen Dax-Konzern bestätigt. In Wahrheit schrieb Wirecard seit mindestens 2015 rote Zahlen. Aber EY hat lange alles für korrekt erklärt und abgesegnet.

Warnhinweise gab es reichlich und über Jahre. Deshalb hängt der Verdacht im Raum, dass bewusst nicht so genau hingesehen wurde. Wenn Prüfer nämlich allzu penibel nachfragen, ist die Chance groß, dass sie es sich mit ihrem Auftraggeber verscherzen.

Scholz zufrieden mit Wirecard-Befragung im Finanzausschuss

In einer Sondersitzung des Finanzausschusses musste sich Scholz Fragen der Abgeordneten nach möglichen Versäumnissen bei der Finanzaufsicht stellen.

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Wirtschaftsprüfer sind oft gleichzeitig Berater

Es ist ein Grundübel der Branche, dass EY und Co. die Abschlüsse eines Konzerns oft über zehn Jahre und mehr unter die Lupe nehmen. Das schafft Vertrautheit. Man tut dem Kunden nicht weh. Dazu kommt, dass Wirtschaftsprüfer oft gleichzeitig Berater sind. Der Interessenkonflikt wird mit Händen greifbar.

Bilanzfälschung bei Wirecard schon seit 2015 intern bekannt

Beim insolventen Zahlungsabwickler Wirecard sind nach Erkenntnissen der Münchner Staatsanwaltschaft bereits seit fünf Jahren systematisch Bilanzen gefälscht und

Die Versuchung ist groß, mit den Bilanzen großzügig zu sein – und dafür die besonders lukrativen Beraterverträge zu sichern. Die politische Forderung nach strikter Trennung von Prüfung und Beratung ist da mehr als nachvollziehbar.

Noch ein zweites Instrument soll mehr gesunde Distanz zwischen Auftraggeber und Dienstleister bringen: ein verbindlich vorgeschriebener Wechsel des Wirtschaftsprüfers nach drei bis vier Jahren – und damit ein Anreiz zum gründlichen Bohren.

Denn auch wer bei Wirecard gebohrt hat, ist fündig geworden. Etwa die EY-Konkurrenz von KPMG. Deren Sondergutachten hatte Ende April ergeben, dass es für die Existenz wesentlicher Teile des Wirecard-Geschäfts keine Beweise gibt.

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Es geht um dreistellige Millionensummen – bislang

Um beide Instrumente soll es am heutigen Mittwoch im Finanzausschuss des Bundestages gehen. EY erklärt sich schon mal selbst zum Opfer. Ende Juni haben die Wirecard-Prüfer eine Erklärung verschickt, was für die chronisch verschwiegene Branche bemerkenswert ist. Darin ist von “deutlichen Hinweisen” für einen “umfassenden Betrug” die Rede, “an dem mehrere Parteien rund um die Welt und in verschiedenen Institutionen mit gezielten Täuschungsabsichten beteiligt waren”.

Das liest sich bereits wie eine Verteidigungsrede vor Gericht. Anlegeranwälte sowie die Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger haben wegen Wirecard Anzeige gegen EY und einige ihrer Prüfer gestellt. Es geht um dreistellige Millionensummen – bislang.

Erinnerungen an einen Fall vor 20 Jahren

Manche erinnern sich da an Enron. Der US-Konzern hatte vor 20 Jahren seine Bilanzen massiv gefälscht. Damals gab es noch fünf große, international tätige Wirtschaftsprüfungsgesellschaften. Die von Enron hieß Arthur Andersen und überlebte Lizenzentzug und Klagen nicht. Heute gibt es mit EY, KPMG, Deloitte und PwC gerade noch vier – vielleicht bald drei.

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Das würde den Spielraum zum rascheren Wechsel des Prüfers, den auch Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) fordert, noch weiter verengen.

Von strengen US-Haftungsregeln ist Deutschland noch weit entfernt. Bei Schlampereien von Prüfern ist die Haftung hierzulande derzeit auf 4 Millionen Euro begrenzt und ein höheres Maß an Verschulden nur sehr schwer nachweisbar.

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