Fall Nawalny: Russland attackiert Maas nach UN-Vollversammlung

  • Bundesaußenminister Heiko Maas hatte in einer Videobotschaft vor der UN-Vollversammlung Russland attackiert und die Vergiftung von Alexej Nawalny als “Problem für die ganze Staatengemeinschaft” bezeichnet.
  • Nun wehrt sich Moskau dagegen.
  • Das dortige Außenministerium spricht von einer “feindlichen antirussischen Linie Berlins”.
Anzeige
Anzeige

Moskau. Im Fall des vergifteten Kremlkritikers Alexej Nawalny hat Moskau Bundesaußenminister Heiko Maas eine russlandfeindliche Politik vorgeworfen. Die Äußerungen des SPD-Politikers vor der UN-Vollversammlung seien die Fortsetzung einer “feindlichen antirussischen Linie Berlins” im Zusammenhang mit der “sogenannten ‘Vergiftung’ A. Nawalnys”, teilte das russische Außenministerium am Mittwoch mit.

Russland betonte, dass für die mutmaßliche Vergiftung Nawalnys mit dem laut Chemiewaffenverbot geächteten Kampfstoff der Nowitschok-Gruppe bisher keine Beweise vorgelegt worden seien.

Der SPD-Politiker Maas hatte die Vergiftung Nawalnys mit einem chemischen Kampfstoff als “Problem für die ganze Staatengemeinschaft” bezeichnet und Russland erneut mit Sanktionen gedroht. “Ich fordere Russland auf, mehr zu tun zur Aufklärung dieses Falls. Ein solcher Fall kann nicht folgenlos bleiben”, sagte Maas in einer für die Sitzung am Dienstag aufgezeichneten Videoansprache.

Anzeige
Video
Charité: Nawalny aus stationärer Behandlung entlassen
1:03 min
Im Fall "Nawalny": Laut Krankenhausmitteilung ist Kreml-Kritiker Alexej Nawalny am Dienstag aus der stationären Behandlung in Charité entlassen worden.  © Reuters

Der 44-jährige Oppositionelle Nawalny ist einer der schärfsten Kritiker des russischen Präsidenten Wladimir Putin. Nach dem Befund eines Bundeswehr-Speziallabors wurde er mit dem Kampfstoff vergiftet.

Nawalny war im August während eines Inlandsflugs in Russland zusammengebrochen und später zur Behandlung in das Berliner Krankenhaus Charité gebracht worden. Wochenlang lag er dort im künstlichen Koma, inzwischen wurdeaber entlassen. Er hält sich weiter in Deutschland auf. Russland weist alle Vorwürfe zurück, in den Fall verwickelt zu sein.

Die Äußerungen von Maas seien besonders zynisch, weil die deutsche Seite russische Rechtshilfegesuche und Angebote der Zusammenarbeit ignoriere, teilte das Ministerium in Moskau weiter mit. Russland gelange zu dem Schluss, dass es angesichts "des Verhaltens Deutschlands und seiner Verbündeten in der EU und Nato unmöglich ist, mit dem Westen noch irgendetwas zu tun zu haben, bis er die Methoden der Provokation einstellt (...) und damit beginnt, sich ehrlich und verantwortlich aufzuführen".

RND/dpa

  • Laden Sie jetzt die RND-App herunter, aktivieren Sie Updates und wir benachrichtigen Sie laufend bei neuen Entwicklungen.

    Hier herunterladen