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Russischer Geheimdienst: Nawalny-Telefonat mit mutmaßlichem Agenten ist Fälschung

  • „Ich habe meinen Mörder angerufen“, schreibt Kremlkritiker Nawalny.
  • Dabei veröffentlicht er den Mitschnitt eines Telefonats, in dem ein mutmaßlicher FSB-Mann den Giftanschlag auf ihn zugibt.
  • Geheimdienst und Außenministerium holen prompt zum Gegenschlag aus – verbal.
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Moskau. Der russische Inlandsgeheimdienst FSB hat ein Telefonat des Kremlkritikers Alexej Nawalny mit einem mutmaßlichen Attentäter als Fälschung bezeichnet. Das Gespräch, in dem der angebliche FSB-Mann die Vergiftung Nawalnys im Sommer einräumt, sei eine „geplante Provokation zur Diskreditierung des russischen FSB“, teilte der FSB nach Angaben der Staatsagentur Ria Nowosti am Montagabend mit. Es würden Ermittlungen eingeleitet.

Nawalny hatte früher am Tag auf Youtube einen Mitschnitt des Telefonats vom 14. Dezember veröffentlicht, in dem er sich als Assistent des Chefs des russischen Sicherheitsrats ausgibt, um das Vertrauen des Mannes zu gewinnen. Der Anruf erfolgte im Zuge einer Recherche mehrerer Medien, darunter des Nachrichtenmagazins „Spiegel“. Wenige Stunden nach seiner Veröffentlichung war der Mitschnitt bereits mehr als fünf Millionen Mal aufgerufen worden.

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Mindestens acht russische Agenten an Anschlag beteiligt

Das Außenministerium in Moskau teilte unterdessen mit, das Vertrauen in die Organisation für das Verbot chemischer Waffen (OPCW) sei noch weiter gesunken, weil diese erneut „Geisel“ derjenigen sei, die sie für geopolitische Interessen benutzten. Die OPCW hatte im Oktober die Vergiftung Nawalnys mit einem Nervengift der Nowitschok-Gruppe nachgewiesen - und damit Ergebnisse von Laboren in Deutschland, Frankreich und Schweden bestätigt. Deutschland hatte Russland wiederholt aufgerufen, das Verbrechen aufzuklären. Russland hingegen hatte das Zurückhalten von Beweisen angeprangert.

Video
Nawalny überführt angeblich Agenten
1:48 min
Ein Agent des russischen Inlandsgeheimdiensts FSB soll laut Kremlkritiker Alexej Nawalny den Giftanschlag auf ihn zugegeben haben.  © Reuters

Nawalny war im August auf einem Inlandsflug in Sibirien zusammengebrochen. Der mutmaßliche FSB-Mann sagte in dem nun veröffentlichten Telefonat, das Gift sei an der Innenseite von Nawalnys Unterhose angebracht gewesen. Der 44-jährige Oppositionelle habe wohl nur deshalb überlebt, weil der Flug nicht lange genug gedauert habe und Sanitäter ihn so schnell versorgt hätten.

In der vergangenen Woche hatten mehrere Medien Rechercheergebnisse veröffentlicht, denen zufolge mindestens acht russische Geheimdienstagenten den Anschlag auf Nawalny verübt haben sollen. Russland hingegen hatte eine Vergiftung Nawalnys stets bestritten und erklärt, alle Nowitschok-Vorräte vernichtet zu haben. Erst in der vergangenen Woche hatte Präsident Wladimir Putin zwar von einer Beobachtung seines schärfsten Kritikers durch russische Geheimdienstler gesprochen, eine Vergiftung aber klar zurückgewiesen. Nawalny hatte den Kremlchef immer wieder als Drahtzieher des Auftragsmordes bezeichnet.

Die Reaktion des Kreml-Gegners auf die FSB-Empörung kam denn auch prompt: „Hahahahaha“, schrieb er auf Twitter. Auch andere Twitter-User sparten nicht an Spott: „Putin, gib die Unterhose zurück“, hieß es auf einem Account. Eine andere Nutzerin schrieb, dass Putin als Wiederhersteller der Weltmacht Russland in die Geschichte habe eingehen wollen, aber nun stattdessen der „Vergifter der Höschen“ sei.

RND/dpa

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