Nawalny: Russischer Agent gesteht offenbar Giftanschlag bei Telefonat

  • Ein russischer Geheimagent soll nach einem Bericht den Giftanschlag auf Kremlkritiker Alexej Nawalny eingeräumt haben.
  • Demnach gab er in einem Telefongespräch mit dem Oppositionspolitiker Details zu dem Mordversuch und zu möglichen Beteiligten preis.
  • Nawalny wurde im August mit dem Nervengift Nowitschok vergiftet.
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Berlin. Ein offenbar an dem Giftanschlag auf den Kremlkritiker Alexej Nawalny beteiligter Agent des russischen Inlandsgeheimdienstes FSB hat den Mordversuch eingeräumt. Nach Angaben des “Spiegel” sowie der Rechercheplattformen Bellingcat und The Insider soll der Mann die Tat in einem Telefongespräch gegenüber Nalwalny gestanden haben, das im Rahmen der Recherchen dieser Medien entstand.

Zudem veröffentlichte der Oppositionelle am Montag auf Youtube den Mitschnitt eines Telefonats mit dem angeblichen Agenten des russischen Inlandsgeheimdiensts FSB, der darin den Anschlag einräumte. Nawalny gab sich in dem Gespräch am 14. Dezember als Assistent des Chefs des russischen Sicherheitsrats aus, um das Vertrauen des FSB-Mitarbeiters Konstantin Kudrjawzew zu gewinnen.

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Zuvor war bekannt geworden, dass wahrscheinlich acht Agenten des russischen Inlandsgeheimdienstes FSB an dem Anschlag beteiligt gewesen sind.

In dem Telefonat soll der Agent Details über den Mordversuch und Informationen zu möglichen Beteiligten preisgegeben haben. Demnach haben die Attentäter das Nervengift Nowitschok auf der Innenseite einer Unterhose Nawalnys aufgebracht. Zudem soll sich der Agent für das Überleben Nawalny gerechtfertigt haben.

Video
Nawalny überführt angeblich Agenten
1:48 min
Ein Agent des russischen Inlandsgeheimdiensts FSB soll laut Kremlkritiker Alexej Nawalny den Giftanschlag auf ihn zugegeben haben.  © Reuters

Der russische Oppositionspolitiker Nawalny wurde im August Opfer eines Anschlags mit dem Nervengift Nowitschok. Nachdem er während eines Fluges aus Sibirien Richtung Moskau zusammengebrochen war, wurde er zur Behandlung in die Berliner Charité gebracht.

“Verkettung von Ereignissen”

Der 44-jährige Oppositionelle habe wohl nur deshalb überlebt, weil der Flug nicht lange genug gedauert habe und Sanitäter ihn so schnell versorgt hätten, erzählte der Mann. Als Nawalny zusammenbrach, brachte der Pilot das Flugzeug in Omsk auf den Boden, wo der Kremlgegner ins Krankenhaus gebracht wurde. Eine solche “Verkettung von Ereignissen” sei “der schlimmste Faktor, der bei unserer Arbeit passieren kann”, meinte der Mann am Telefon.

Nawalny hatte seinem Gesprächspartner erklärt, dass er für Sicherheitsratschef Nikolai Patruschew das missglückte Attentat aufarbeiten müsse.

Der FSB reagierte am Abend auf die Veröffentlichung: Es handele sich um eine Fälschung, teilte der Geheimdienst nach Angaben der Staatsagentur Ria Nowosti mit. Die “sogenannten Untersuchungen” Nawalnys seien eine “geplante Provokation zur Diskreditierung des russischen FSB”. Es würden Ermittlungen eingeleitet.

Nawalnys Mitarbeiterin festgenommen

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An der Wohnadresse des bloßgestellten Tatverdächtigen in Moskau gab es ein großes Polizeiaufgebot, wie Nawalnys Mitarbeiterin Ljubow Sobol bei Twitter zeigte. Später am Abend wurde Sobol festgenommen, auch das filmte sie. Auf dem Video ist außerdem zu sehen, dass mehrere Journalisten vor Ort waren.

Die russische Regierung bestreitet eine Verwicklung der Geheimdienste in den Anschlag. Die neuen Rechercheergebnisse deuten jedoch darauf hin, dass der Giftanschlag auf Nawalny auf höchster Ebene des russischen Staates entschieden wurde.

Auf seiner großen Jahrespressekonferenz sprach Präsident Wladimir Putin anschließend zwar von einer Beobachtung Nawalnys durch russische Geheimdienstler - eine Vergiftung wies er aber klar zurück. “Wenn das jemand gewollt hätte, dann hätte er das auch zu Ende geführt”, sagte Putin mit Blick auf die Mordvorwürfe.

Nawalny selbst, sein Stab, aber auch viele Experten werteten bereits diese Worte Putins als Teilgeständnis.

Video eine halbe Million Mal aufgerufen

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Nawalny verlangte auch die Rückgabe seiner Kleidung, die er an dem Tag seiner Vergiftung getragen hatte und die in Russland zurückgeblieben sei. “Die haben wir auch ausgewaschen”, sagte der mutmaßliche FSBler am Telefon auf Nawalnys Frage nach der Hose. “Sie ist auch sauber, alles ist okay damit.”

Das Video mit dem Telefonat selbst war drei Stunden nach der Veröffentlichung bereits mehr als eine halbe Million Mal aufgerufen worden. Immer wieder gerät der Mann in dem rund eine Dreiviertelstunde dauernden Gespräch ins Stocken, doch Nawalny - Deckname Maxim - bleibt beharrlich: Er brauche nur “zwei Absätze” für einen ersten, vorläufigen Bericht.

Ob er auch andere Männer anrufe? - “Aber natürlich.” Und ob es nichts ausmache, über solche Dinge am Telefon zu sprechen? - “Aber wir haben doch nichts Besonderes besprochen.”

RND/ar/dpa

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