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Extinction Rebellion-Mitbegründer: Holocaust "nur ein weiterer Scheiß in der Menschheitsgeschichte“

  • Der Mitbegründer von “Extinction Rebellion” Hallam nennt den industriellen Völkermord an Europas Juden und anderen Minderheiten “nur einen weiteren Scheiß in der Menschheitsgeschichte”.
  • Deutschlands Beschäftigung mit dem Holocaust lähme das Land.
  • Der deutsche Arm der Klimabewegung distanzierte sich.
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London/Hamburg. Roger Hallam, britischer Mitbegründer der Klimaschutz-Bewegung "Extinction Rebellion", hat im Interview mit der "Zeit" den Holocaust verharmlost. Die Ermordung von Millionen europäischer Juden mit industriellen Tötungsmitteln sei für ihn „just another fuckery in human history“ – „nur ein weiterer Scheiß in der Menschheitsgeschichte“, sagte der Brite. Das ist in der Wortwahl nur noch Millimeter von der Aussage von AfD-Chef Alexander Gauland entfernt, der den Holocaust einen "Vogelschiss" in der "tausendjährigen deutschen Geschichte" nannte. Während Gauland aber die "hellen Seiten" der Geschichte in den Vordergrund rücken wollte, reiht Hallam den Holocaust in eine Anzahl weiterer Genozide ein und spricht ihm die Einzigartigkeit ab.

Auch die deutsche Beschäftigung mit der Vergangenheit kritisiert Hallam scharf. "Das Ausmaß dieses Traumas kann lähmen", warnte Hallam. "Das verhindert, dass man daraus lernt."

Der deutsche Arm von "Extinction Rebellion" distanzierte sich umgehend von Hallam. "Was unsere Arbeit in der letzten Zeit so oft gelähmt hat, waren vor allem Statements von Roger Hallam selbst, aber bestimmt nicht die Erinnerung an den systematischen Massenmord an Millionen jüdischer Menschen in unserem Land", schrieben die Klimaaktivisten auf Twitter. Sie nannten die Äußerungen Hallams "verharmlosend und relativierend" und kündigten an, er sei bei ihnen "nicht mehr willkommen".

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Außenminister Heiko Maas (SPD) wies darauf hin, dass der Holocaust "einzigartig unmenschlich" war. Er schrieb auf Twitter: "Das muss uns immer bewusst sein, damit wir sicherstellen: nie wieder!"

Luisa Neubauer von "Fridays for Future" distanzierte sich von Hallam. "Es ist offensichtlich, aber nur um es zu unterstreichen: Die Distanzierung von Extinction Rebellion Deutschland ist richtig und wünschenswert", schrieb sie auf Twitter.

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Bereits in der Vergangenheit hatte Hallam mit Äußerungen polarisiert. „Wenn eine Gesellschaft so unmoralisch handelt, wird Demokratie irrelevant“, sagte er dem "Spiegel". Und er lobte "Extinction Rebellion" auf irritierende Weise als eine Gruppe, die für wirklich alle offen sei: Auch wer "ein bisschen sexistisch oder rassistisch denkt", könne mitmachen.

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Ursprung von Extinction Rebellion liegt in Großbritannien. Die Bewegung macht jedoch inzwischen in vielen Ländern mit Protestaktionen für den Klimaschutz auf sich aufmerksam. Hallam selbst lebt in Wales und ist das bekannteste Gesicht der Bewegung. Er ist Soziologe, Buchautor und war Biobauer.

Mit Material der dpa

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