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Ex-UN-Generalsekretär de Cuéllar ist tot: Ein Meister der Diplomatie

  • Javier Pérez de Cuéllar galt als Mann der leisen Töne.
  • In einer der eisigsten Phasen des Kalten Krieges verschaffte der Peruaner als erste Lateinamerikaner an der UN-Spitze den Vereinten Nationen neues Ansehen.
  • Nun ist der Diplomat im Alter von 100 Jahren gestorben.
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New York. Der frühere UN-Generalsekretär Javier Pérez de Cuéllar galt als Meister der stillen Diplomatie. In seinen zehn Jahren an der Spitze der Weltorganisation (1982-1991) gelang es dem peruanischen Juristen, den Vereinten Nationen nach Jahrzehnten der Selbstblockade während des Kalten Kriegs wieder neues Ansehen zu verschaffen. 1988 konnte er stellvertretend für die UN-Blauhelme den Friedensnobelpreis entgegennehmen.

“Ich bin sehr traurig über den Tod meines Vorgängers Javier Pérez de Cuéllar”, schrieb der amtierende UN-Generalsekretär Antonio Guterres in einer Stellungnahme. “Er war ein anerkannter Staatsmann, ein engagierter Diplomat und eine Inspiration. Er hatte großen Einfluss auf die Vereinten Nationen und die Welt.”

Ein Vertreter der “dritten Welt”

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1981 als Vertreter der “dritten Welt” einstimmig zum Nachfolger des Österreichers Kurt Waldheim an die Spitze der Weltorganisation gewählt, erlebte Pérez de Cuéllar zunächst eine schwere erste Amtszeit. Nach dem Scheitern der Friedensbemühungen auf Zypern, den Falkland-Inseln, im Libanon und in Afghanistan wollte er 1986 enttäuscht aufgeben, ließ sich schließlich aber zu einer zweiten Amtszeit überreden. Vom Jahr 1988 an zahlte sich sein zähes Verhandlungsgeschick aus. Es kam zu einem Waffenstillstand am Golf, dem Abzug der Sowjets aus Afghanistan und mehreren Erfolgen in Afrika. 1991 schied “Don Javier” hoch geachtet in Ost und West aus dem Amt.

"Ich glaube nicht, dass der Mensch von Natur aus aggressiv ist, dass es eine Zwangsläufigkeit für Krieg gibt: Das fundamentale Problem, das den meisten Konflikten zugrunde liegt, ist wirtschaftliche und soziale Unterentwicklung", sagte er einmal in einem Interview der peruanischen Zeitung "El Comercio". "Entwicklung und Demokratie hängen eng zusammen, wenn sie sich ergänzen, schaffen sie Frieden."

Jurist aus Lima

Pérez de Cuéllar wurde am 19. Januar 1920 in Lima geboren und wuchs im großbürgerlichem Milieu der peruanischen Hauptstadt auf. Er studierte zunächst Jura und Literatur und trat 1944 in den diplomatischen Dienst ein. Er war Botschafter in der Schweiz, Polen, Venezuela und der Sowjetunion. Eigentlich wollte er sich schon zu Ruhe setzen, als er 1981 als erster Lateinamerikaner zum Generalsekretär der Vereinten Nationen gewählt wurde.

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"Er hat eine wichtige Rolle bei einer Reihe von diplomatischen Erfolgen gespielt: die Unabhängigkeit von Namibia, das Ende des Krieges zwischen Iran und Irak, die Freilassung der US-Geiseln im Libanon, das Friedensabkommen in Kambodscha und - während seiner letzten Tage im Amt - der historische Friedensvertrag in El Salvador", schrieb der amtierende UN-Generalsekretär Guterres nun anlässlich des Todes seines Vorgängers.

Vorübergehender Regierungschef von Peru

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Nach dem Ende seiner Amtszeit als UN-Generalsekretär kehrte Pérez de Cuéllar zunächst in die peruanische Politik zurück. 1995 bewarb er sich mit seiner "Union für Peru" vergeblich um das Präsidentenamt, 2000/2001 fungierte er vorübergehend als Regierungschef. Danach übernahm er bis zu seinem Ruhestand 2004 das Amt des peruanischen Botschafters in Paris.

RND/dpa

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